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Delitzsch Ist der Untere Bahnhof Delitzsch eine No-Go-Area?
Region Delitzsch Ist der Untere Bahnhof Delitzsch eine No-Go-Area?
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00:19 28.07.2017
Der Untere Bahnhof in Delitzsch, abends und nachts herrscht meist tote Hose und tagsüber ist es auch oft einsam. Was alle stört sind Müll und Dreck sowie der Gestank in der Unterführung. Quelle: Christine Jacob
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Delitzsch

Kein Tag ohne Anmachen, Belästigungen und Kerle, die Frauen anstarren wie sie nicht angeschaut werden möchten. So weit, so Hörensagen, dutzendfach verbreitet in der Stadt – vor allem unter jungen Frauen, die sich verunsichert fühlen. Es ist kein schönes Bild, das aktuell vom Unteren Bahnhof in Delitzsch gezeichnet wird – und sich über die Stadtgrenzen hinaus verbreitet. Das Leipziger Portal Frauenpanorama kommentiert beispielsweise unter einen LVZ-Beitrag zum Fall eines weiterhin ungeklärten Sexualdelikts in Delitzsch, bei dem eine 15-Jährige unweit des Bahnhofs verfolgt und angefasst worden sein soll, dass Leserinnen gerade für den „Delitzscher Hauptbahnhof“ berichtet hätten, dass dort „unheimlich viele junge, zugewanderte Männer herumlungern“ und Frauen und Mädchen anmachen würden.

Ein Delitzscher Negativ-Mythos?

Konkreter nachgefragt bei der Redaktion des Portals relativiert sich der Negativ-Mythos schnell: Eine Leserin habe kommuniziert, dass sie und ihre Freundin es schon öfter als belastend empfunden hätten, am Delitzscher Bahnhof vorbei zu gehen, weil dort Zuwanderer herumlungern, die die beiden Frauen wohl unangemessen anmachten. Ein anderer Fall wurde vom Opa einer der Autorinnen geschildert. Die Situation am Bahnhof sei nicht schön, weil „Flüchtlinge dort am Bahnhof herumlungern und den ganzen jungen Mädchen gierig nachstarren“. Diese hätten die Mädels wahrscheinlich nur deshalb nicht begrapscht, weil doch noch ein paar deutsche junge Männer in der Nähe waren, wurde gemutmaßt. Gemeint ist mit „Delitzscher Hauptbahnhof“ der Untere Bahnhof mit dem direkt angrenzenden Busbahnhof.

Mehrere Stichproben vor Ort

Die, die dort ständig zu tun haben winken hinsichtlich solcher Berichte ab: Den Taxifahrern ist von solch unentwegten Anmachen nichts bekannt. Ja, einige Migranten würden am Unteren Bahnhof ebenso warten wie viele andere Reisende auch. Vielmehr sei – das aber ausgerechnet in den Schulferien nicht – oft ein polizeibekannter Drogendealer vor Ort und lungere herum. Bei dem gehöre das Ansprechen wohl aber zum Geschäft, scherzen die Männer. Vielmehr sei es am Unteren Bahnhof so, dass sehr oft nur tote Hose herrsche, erst recht in den Abend- und Nachtstunden. In den Zeiten unmittelbar vor und nach Zug- oder Busabfahrten auf größeren Linien herrsche Trubel und ansonsten gähnende Leere. Ein Bild, das sich bei mehreren LVZ-Besuchen zu unterschiedlichen Tages- und auch Nachtzeiten, zu Zugabfahrten und dazwischen vor Ort genau so bestätigt.

Fühlen Sie sich am Unteren Bahnhof Delitzsch sicher?

Die Gerüchteküche zum Unteren Bahnhof Delitzsch brodelt heiß, die Rede ist von einer No-Go-Area speziell für die Damenwelt – dabei ist die Stimmung unter Teenagern nervöser als bei erwachsenen Frauen.

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Sicherheitsempfinden ist – die Psychologie bestätigt es – und bleibt subjektiv. Während insgesamt zehn vor Ort befragte erwachsene Frauen zwischen 26 und 62 Jahren sich am Unteren Bahnhof nicht unsicher fühlen oder, wenn ja, nur bei Dunkelheit – mit der sie generell ein Problem hätten –, berichten befragte Teenagerinnen, dass sie sich unsicher vorkommen. Sie fühlen sich angestarrt und angemacht, berichten die insgesamt zehn Mädchen im Alter von 15, 16 und 17 Jahren. Damit sei ihnen nicht wohl. Sie würden sehr viel Schlechtes hören und sich daher Gedanken machen. Woher genau die Berichte über massive Anmachen kommen, wissen sie nicht. Aber irgendwer aus der Clique kennt immer jemand jemanden, der eine Freundin hat, die schon mal angemacht wurde. Zwei dagegen erzählen, Ausländer hätten sie am Wallgraben angefasst, dies haben sie bei der Polizei angezeigt.

Polizei kontrolliert wie überall

Die Polizei von Delitzsch zeigt am Bahnhof bewusst wie überall im Stadtgebiet Präsenz, die Streifenwagen sind regelmäßig zu sehen – übrigens auch am und im Stadtpark.

Von Christine Jacob

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