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Delitzsch Junge Bestatterin: Delitzscherin setzt sich für den würdigen Abschied ein
Region Delitzsch Junge Bestatterin: Delitzscherin setzt sich für den würdigen Abschied ein
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14:01 04.05.2018
Andra Bothur vom gleichnamigen Delitzscher Bestattungsunternehmen mag die Zusammenarbeit mit ihren Mitstreiterinnen Annegret Kühnast, Sandra Woithe und Silke Hoffmann (von rechts). Quelle: Heike Liesaus
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Delitzsch

Ist es möglich, beim Beruf des Bestatters Begriffe wie „Begeisterung“ und „schön“ zu verwenden? Für Andra Bothur steht das außer Frage. Die heute 34-Jährige hat schon als Jugendliche im Bestattungsunternehmen ihres Vaters Klaus-Dieter Bothur mitgeholfen. Das konnte jetzt seinen Gründungstag feiern: Am 1. Mai 1990 hatte der Senior die ausgegliederte Bestattungsabteilung der einstigen „Pietät“ Delitzsch übernommen, wo er seit 1974 tätig war. Tochter Andra begleitete ihn schon als Teenager zu Gesprächen, erledigte Wege. Im Alter von 20 Jahren kam sie fest ins Unternehmen. Sie ist seit 2008 geprüfte Bestatterin, legte 2009 die Meisterprüfung ab. Damals war sie jüngste Bestattermeisterin in Deutschland. Selbst die Friseurlehre nach der Schule war kein Abweichen vom Berufsziel, sondern „etwas, was man als Bestatter brauchen kann“. Und auch heute, verheiratet und Mutter zweier Söhne, kann sie sich keinen anderen Beruf vorstellen. Neben den Eltern Sylvia und Klaus-Dieter Bothur, gehören inklusive Andra Bothur vier Mitarbeiterinnen zum Büro-Team, sechs Bestattungshelfer zum Unternehmen.

Freundliches Ambiente hilft

Der Besucher, der ja meist aus traurigem Anlass ins Bestattungshaus kommt, wird in einem Gesprächsraum empfangen, der Wohnzimmeratmosphäre hat. Derzeit setzt frühlingshafte Deko mit rosa Blüten im Fenster Zeichen. Keine Urne, kein Stein mit einem traurigen Spruch. „Wäre das denn zweckdienlich?“, fragt Andra Bothur. „Hier wird geweint, aber es wird auch gelacht. Angehörige trauern, aber trotzdem erinnern sie sich ebenso an die schönen Zeiten, die sie mit dem Verstorbenen verbracht haben.“

Sie spürte schon früh Dankbarkeit, die Angehörige für Begleitung, für Hilfe, für Unterstützung auf dem schwierigen Weg entgegenbringen. Das sei es, was sie nach wie vor für den Beruf begeistert. Das will sie auch an ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen weitergeben, die größtenteils älter sind als sie. Für sie alle gehört vieles zum täglichen Leben, womit sich die meisten Menschen selten beschäftigen. Trotzdem hat Andra Bothur in den letzten Jahren beobachtet: Der Wille, den Abschied besonders individuell zu gestalten, hat zugenommen. „Da kommen schon Fragen danach, ob und wie man zu Hause Abschied nehmen kann.“ Aber auch im Trauerraum des Bestattungshauses wird das möglich gemacht. Sie wurde selbst schon damit konfrontiert, eine verunglückte Freundin betten zu müssen, die im Haus ein und aus gegangen war. „Hier von ihr Abschied nehmen zu können, das war mir sehr wichtig. Und ich denke, so etwas ist für alle Trauernden von Bedeutung.“

Ort für den Abschied

Eine Tatsache ist trotzdem, dass gerade hier in Sachsen nur noch zirka 25 Prozent Erdbestattungen vorgenommen werden. Und viele, die bereits für ihre eigene Bestattung vorsorgen, haben im Blick, ihren Hinterbliebenen Arbeit und Kosten zu ersparen. „Wobei zu bedenken ist, dass auch Angehörige eine Stelle brauchen, wo sie trauern können“, rät Andra Bothur. Dabei habe sie Verständnis, wenn auf Kosten geachtet werden muss. „Doch selbst wenn eine Bestattung von der Stadt finanziert wird, weil wirklich weder Geld, noch Angehörige da sind, will ich trotzdem, dass die Würde des Menschen bewahrt wird.“

Von Heike Liesaus

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