Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 11 ° Sprühregen

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Junge Delitzscher drängen in andere Branchen

Handwerk Junge Delitzscher drängen in andere Branchen

Die Zahl der Ausbildungsverträge, die im Handwerk in Nordsachsen geschlossen wurden, hat zugenommen, sagt die Handwerkskammer zu Leipzig. Jeder dritte Platz wird von einer jungen Frau besetzt. Delitzscher Handwerker haben unterschiedliche Erfahrungen mit der Azubi-Suche und stellen sie teils ganz ein.

Lehrlinge für das Handwerk zu gewinnen, fällt offenbar immer schwerer.

Quelle: dpa

Delitzsch. In Nordsachsen wurden in diesem Jahr bislang etwa 108 Ausbildungsverträge im Handwerk abgeschlossen. Jeder dritte Ausbildungsplatz ist mit einer jungen Frau besetzt. „Das sind zwölf Prozent mehr als im Vorjahr“, teilte die Handwerkskammer zu Leipzig mit. Und trotzdem wird Fachkräftenachwuchs für das aktuelle Ausbildungsjahr noch in 45 verschiedenen Berufen gesucht. Über 100 Lehrstellen werden derzeit auf der Lehrstellenbörse der Kammer offeriert.

Geeignete Bewerbe fehlen

Die Sandmann Heizungstechnik Sanitär GmbH in Schenkenberg gehört unter anderem zu den Suchenden. Geschäftsführer Frank Sandmann: „Es ist uns bislang nicht gelungen, einen geeigneten Bewerber für unserer Betrieb zu finden.“ Zwar hätte es Bewerbungen gegeben, doch die Kandidaten würden nicht die entsprechenden Voraussetzungen mitbringen, um in der Branche bestehen zu können. Die Hoffnung aufgegeben hat Frank Sandmann dennoch nicht. Ausbilden möchte er auch weiterhin. Die Chancen, die Azubis im Unternehmen zu halten, schätzt er als gut ein.

Junge Leute wollen nicht ins Handwerk

Dass Azubis nach der Ausbildung in aller Regel den Betrieb verlassen, sieht Hartmut Hinkefuß als einen Grund, warum er und vielleicht einige andere auch, ab diesem Jahr keinen Lehrling mehr ausbilden. „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich in die jungen Leute Geld und Zeit investiere, ich als Unternehmen letztlich aber nichts davon habe, wenn die sich nach der Lehre anders orientieren“, sagte der Chef eines traditionsreichen Metallbaubetriebes in Schenkenberg. Als relativ kleiner Betrieb habe er es ohnehin schwer, Lehrlinge zu finden. „Die jungen Leute wollen heute nicht ins Handwerk, sehen ihre Zukunft eher am Schreibtisch, in der IT-Branche“, habe er beobachtet. Leider würden die wenigen Bewerber, die sich tatsächlich melden, meist nicht die erforderlichen schulischen Leistungen vorweisen können. Auch wenn er da schon Abstriche hinnehmen würde, „aber die Prüfungen müssen sie später trotzdem allein bestehen“.

Kritik an Schulpraktika

Wochenlang hing ein Schild am Tor von Motorrad Naujocks in Delitzsch. Chefin Britta Grönert hatte es angebracht und damit auf unkonventionelle Weise um Lehrlinge geworben. Sie sollten sich einfach melden, die Bewerbungen abgeben. „Gemeldet hat sich lange Zeit gar keiner“, sagte sie. Als sie die Hoffnung schon aufgeben wollte, für dieses Lehrjahr überhaupt jemanden zu bekommen, kam doch jemand durch die Tür. „Ich traue ihm zu, dass er es schafft“, erklärte die Chefin. „Ich habe ein gutes Gefühl.“ Er sei wissbegierig, frage viel, wolle immer etwas tun, habe auch den Blick dafür, wo er helfen kann. Britta Grönert weiß, dass ihr neuer Lehrling auch in der Theorie mithalten muss. „Das kann und muss er lernen, auch wenn er nicht den Schulabschluss mitbringt, den ich mir vorgestellt hatte.“ Auch sie habe die Erfahrung gemacht, dass das Interesse, einen Beruf im Handwerk zu erlernen, weiter abnimmt, „Heute will sich doch keiner mehr die Hände schmutzig machen.“ Auch was den Lohn, die Arbeitszeit und den Urlaub betrifft, stünden Handwerksbetriebe im Wettbewerb mit den ganzen Großen der Branche. „Porsche und BMW ziehen die besten Bewerber ab.“

Strukturiertes Arbeiten

Aus Sicht von Chefin Grönert seien auch die Schulpraktika wenig dazu geeignet, junge Leute für das Handwerk zu begeistern. Die fielen stets in die Zeit, in der bei ihr beispielsweise die Arbeit nicht in Hülle und Fülle anfalle. „Bewerbungen gibt es dann aber reichlich“, sagte sie. Zudem habe sie feststellen müssen, dass „strukturiertes Arbeiten“ bei den Schülern kaum noch ausgeprägt ist. Für sie sei deshalb wichtig, wie sich ein künftiger Lehrling beim Arbeiten anstellt. Da schaue sie ganz genau hin.

Von Ditmar Wohlgemuth

Delitzsch 51.525574 12.3380993
Delitzsch
Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Delitzsch
  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • Geld für Vereine der Region
    Mikrologo Angestust

    Mit der Aktion „Angestupst“ unterstützen LVZ und Sparkasse Leipzig die Vereine der Region. Die nächste Runde läuft - jetzt mitmachen und bewerben! mehr

  • LVZ-Sommerkino im Scheibenholz
    LVZ Sommerkino im Scheibenholz: Alle Infos zu Filmen, Ticketverkauf und dem Rahmenprogramm.

    Das LVZ-Sommerkino lud wieder zu unterhaltsamen Filmabenden ins Scheibenholz ein. Sehen Sie hier einen Rückblick in Fotos und Geschichten. mehr

  • LVZ-Fahrradfest 2017
    Logo LVZ-Fahrradfest

    Das 13. LVZ-Fahrradfest lud am 14. Mai 2017 wieder Radler ein, gemeinsam in die Pedalen zu treten. Fotos, Videos und Infos finden Sie in unserem Sp... mehr

24.09.2017 - 10:44 Uhr

Die Schützlinge von Trainer Daniel Wohllebe mussten sich dem Sachsenliga-Spitzenreiter auf eigenem Platz beugen und konnten dabei die Erwartungen keineswegs erfüllen.

mehr
  • Sparkassen Challenge
    Logomotiv der Sparkassen Challenge 2017

    "Sport frei!" heißt es auch 2017 bei zahlreichen Wettkämpfen der Sparkassen-Challenge. Alle Events mit vielen Fotos finden Sie hier! mehr

  • Gutes von hier

    Das regionale Schaufenster mit Produkten und Dienstleistungen aus dem Leipziger Raum - von traditionell bis innovativ. Gutes von hier eben! mehr

  • Jahrtausendflut 2002

    Entlang von Mulde, Elbe und Pleite brach im August 2002 eine verheerende Flutkatastrophe herein. Die LVZ zeigt eine Bestandsaufnahme. mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr