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Junge Delitzscher drängen in andere Branchen

Handwerk Junge Delitzscher drängen in andere Branchen

Die Zahl der Ausbildungsverträge, die im Handwerk in Nordsachsen geschlossen wurden, hat zugenommen, sagt die Handwerkskammer zu Leipzig. Jeder dritte Platz wird von einer jungen Frau besetzt. Delitzscher Handwerker haben unterschiedliche Erfahrungen mit der Azubi-Suche und stellen sie teils ganz ein.

Lehrlinge für das Handwerk zu gewinnen, fällt offenbar immer schwerer.

Quelle: dpa

Delitzsch. In Nordsachsen wurden in diesem Jahr bislang etwa 108 Ausbildungsverträge im Handwerk abgeschlossen. Jeder dritte Ausbildungsplatz ist mit einer jungen Frau besetzt. „Das sind zwölf Prozent mehr als im Vorjahr“, teilte die Handwerkskammer zu Leipzig mit. Und trotzdem wird Fachkräftenachwuchs für das aktuelle Ausbildungsjahr noch in 45 verschiedenen Berufen gesucht. Über 100 Lehrstellen werden derzeit auf der Lehrstellenbörse der Kammer offeriert.

Geeignete Bewerbe fehlen

Die Sandmann Heizungstechnik Sanitär GmbH in Schenkenberg gehört unter anderem zu den Suchenden. Geschäftsführer Frank Sandmann: „Es ist uns bislang nicht gelungen, einen geeigneten Bewerber für unserer Betrieb zu finden.“ Zwar hätte es Bewerbungen gegeben, doch die Kandidaten würden nicht die entsprechenden Voraussetzungen mitbringen, um in der Branche bestehen zu können. Die Hoffnung aufgegeben hat Frank Sandmann dennoch nicht. Ausbilden möchte er auch weiterhin. Die Chancen, die Azubis im Unternehmen zu halten, schätzt er als gut ein.

Junge Leute wollen nicht ins Handwerk

Dass Azubis nach der Ausbildung in aller Regel den Betrieb verlassen, sieht Hartmut Hinkefuß als einen Grund, warum er und vielleicht einige andere auch, ab diesem Jahr keinen Lehrling mehr ausbilden. „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich in die jungen Leute Geld und Zeit investiere, ich als Unternehmen letztlich aber nichts davon habe, wenn die sich nach der Lehre anders orientieren“, sagte der Chef eines traditionsreichen Metallbaubetriebes in Schenkenberg. Als relativ kleiner Betrieb habe er es ohnehin schwer, Lehrlinge zu finden. „Die jungen Leute wollen heute nicht ins Handwerk, sehen ihre Zukunft eher am Schreibtisch, in der IT-Branche“, habe er beobachtet. Leider würden die wenigen Bewerber, die sich tatsächlich melden, meist nicht die erforderlichen schulischen Leistungen vorweisen können. Auch wenn er da schon Abstriche hinnehmen würde, „aber die Prüfungen müssen sie später trotzdem allein bestehen“.

Kritik an Schulpraktika

Wochenlang hing ein Schild am Tor von Motorrad Naujocks in Delitzsch. Chefin Britta Grönert hatte es angebracht und damit auf unkonventionelle Weise um Lehrlinge geworben. Sie sollten sich einfach melden, die Bewerbungen abgeben. „Gemeldet hat sich lange Zeit gar keiner“, sagte sie. Als sie die Hoffnung schon aufgeben wollte, für dieses Lehrjahr überhaupt jemanden zu bekommen, kam doch jemand durch die Tür. „Ich traue ihm zu, dass er es schafft“, erklärte die Chefin. „Ich habe ein gutes Gefühl.“ Er sei wissbegierig, frage viel, wolle immer etwas tun, habe auch den Blick dafür, wo er helfen kann. Britta Grönert weiß, dass ihr neuer Lehrling auch in der Theorie mithalten muss. „Das kann und muss er lernen, auch wenn er nicht den Schulabschluss mitbringt, den ich mir vorgestellt hatte.“ Auch sie habe die Erfahrung gemacht, dass das Interesse, einen Beruf im Handwerk zu erlernen, weiter abnimmt, „Heute will sich doch keiner mehr die Hände schmutzig machen.“ Auch was den Lohn, die Arbeitszeit und den Urlaub betrifft, stünden Handwerksbetriebe im Wettbewerb mit den ganzen Großen der Branche. „Porsche und BMW ziehen die besten Bewerber ab.“

Strukturiertes Arbeiten

Aus Sicht von Chefin Grönert seien auch die Schulpraktika wenig dazu geeignet, junge Leute für das Handwerk zu begeistern. Die fielen stets in die Zeit, in der bei ihr beispielsweise die Arbeit nicht in Hülle und Fülle anfalle. „Bewerbungen gibt es dann aber reichlich“, sagte sie. Zudem habe sie feststellen müssen, dass „strukturiertes Arbeiten“ bei den Schülern kaum noch ausgeprägt ist. Für sie sei deshalb wichtig, wie sich ein künftiger Lehrling beim Arbeiten anstellt. Da schaue sie ganz genau hin.

Von Ditmar Wohlgemuth

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