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Junger syrischer Arzt sammelt in Delitzsch Erfahrungen

Spezial-Praktikum Junger syrischer Arzt sammelt in Delitzsch Erfahrungen

Für eine bessere Zukunft in seinem Land hat Ghaith Qazhalawi seine Heimat Syrien verlassen. In Delitzsch macht er ein Praktikum, um vom Assistenz- zum Facharzt zu werden. Das Ganze läuft nicht ohne Schwierigkeiten der besonderen Art und wann er in seine Heimat zurückkehren kann, steht noch in den Sternen.

Bei Sylke Schlegel lernt Ghaith Qazhalawi das ärztliche Handwerkszeug, gemeinsam untersuchen sie einen Patienten, der sich mit Husten und Schnupfen plagt.

Quelle: Christine Jacob

Delitzsch. Fünf Jahre wird es wohl noch dauern, bis Ghaith Qazhalawi wieder in seiner Heimat ist. So lange will, ja muss der junge Syrer in Deutschland bleiben. Damit es in seiner Heimat aufwärts gehen kann, wie er sagt. Damit er etwas lernt und helfen kann, sein Land wieder zu einem besseren zu machen. Ghaith Qazhalawi ist Arzt. In Deutschland macht er seine Ausbildung zum Facharzt, will sich auf innere Medizin spezialisieren. „Die Facharztausbildung ist in Syrien anders strukturiert“, sagt der 26-Jährige, „hier in Deutschland hat die Ausbildung einen sehr, sehr guten Ruf.“

Gerade ist Ghaith Qazhalawi Praktikant bei der Delitzscher Allgemeinmedizinerin Sylke Schlegel. Nicht nur, dass er sein Handwerkszeug auf dem Weg hin zur Approbation verbessert – der junge Mann ist auch eine immens große Hilfe für das Praxisteam, das es auch mit Flüchtlingen zu tun hat. Ghaith Qazhalawi spricht fließend Arabisch und Englisch, ein sehr gutes Deutsch. „Ich selbst bin kein Flüchtling“, betont er. Ghaith Qazhalawi ist nicht auf der Flucht, er ist auf einem lang angelegten Kurs für eine bessere Heimat – schon bevor der Krieg in Syrien ausbrach wollte er zum Studium nach Deutschland kommen.

Der 26-Jährige stammt aus Damaskus. Mit seinem jüngeren Bruder, der hier an seiner Ausbildung zum Ingenieur arbeitet, hat er Syrien Anfang des Jahres verlassen. „Es war nicht leicht, zu gehen“, sagt der 26-Jährige. Zwei Jahre hatte er in Syrien bereits als Assistenzarzt gearbeitet, sich auf die Schulbank gesetzt und nebenbei Deutsch gelernt. Seit März leben die Brüder nun in Leipzig, seit gut einem Monat pendelt Ghaith Qazhalawi täglich zu seinem Praktikum in Delitzsch. „Mein Land braucht Ärzte“, erklärt er seine Motivation, „ich will etwas machen, um die Zukunft zu sichern und zu verbessern.“

Er habe in seiner Heimat zuletzt viele Operationen gesehen und Verletzungen, schildert Ghaith Qazhalawi ganz sachlich. Chirurgen würden in Syrien mit Sicherheit gebraucht, aber eben auch all die Ärzte, die sich um das Puzzle Mensch insgesamt kümmern. Mit dem Fachgebiet Neurologie liebäugelt er daher auch.

Stolz auf ihren jungen Kollegen ist Medizinerin Sylke Schlegel. In der Zukunft würden gerade in Syrien Mediziner gebraucht, die zum Beispiel mit posttraumatischen Belastungsstörungen umzugehen wissen und die Psyche der Patienten im Blick haben. Darauf legt sie in der Ausbildung ihres jungen Kollegen wert.

„Die Patienten sind alle sehr nett“, berichtet der Syrer, „sie haben mich gut aufgenommen.“ Wobei: Der sächsische Dialekt sei nicht gerade ganz einfach, schmunzelt Ghaith Qazhalawi. Aber er lernt ihn. Noch rund fünf Jahre wird seine Ausbildung dauern, ihn über die Praxis von Sylke Schlegel hinaus noch so manche Station und vielleicht manchen Dialekt mehr in Deutschland bringen. Kontakt zu seinen Eltern in Damaskus hält der junge Mann über das Internet. Vielleicht schafft er es mal zu einem Besuch, wenn die Situation im Land ruhiger ist und das Geld dafür reicht. Manchmal erzählen ihm die Eltern am Internettelefon Skype von Mörsergranaten und Raketen auf die Stadt. Sie wollen trotzdem bleiben, warten auf die Rückkehr der Söhne. Ghaith Qazhalawi sorgt sich. Aber er will die Ausbildung durchziehen. „Eines Tages möchte ich in Damaskus eine eigene Praxis haben“, hofft er, „dann kann ich meinem Land am besten helfen“.

Von Christine Jacob

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Delitzsch
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