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Delitzsch Jungstörche in der Eilenburger und Delitzscher Region werden flügge
Region Delitzsch Jungstörche in der Eilenburger und Delitzscher Region werden flügge
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19:47 30.07.2018
Vier Jungstörche haben sich auf ihrem Horst in Oberglaucha platziert. Quelle: Alexander Prautzsch
Eilenburg

Auf dem Horst nahe der Kirche im Zscheppliner Ortsteil Oberglaucha ist Bewegung. Vier Störche drängen sich an diesem Nachmittag auf kleiner Fläche. Immer mal wieder hebt einer die Flügel, steigt einige Zentimeter in die Höhe und setzt sich nieder. Manchmal scheint es, als ob die Älteren den Jungen zeigen wollen: Schaut her, so geht es mit dem Fliegen. So klein ist der Nachwuchs längst nicht mehr, mit bloßem Auge vom Elternpaar kaum noch zu unterscheiden.

Erste Flugversuche

In der Regel sollten die Jungvögel das Fliegen allein schaffen, ohne menschliche Hilfe. Da sie für ihre Flugversuche das eine oder andere Lüftchen nutzen, könne es bei stärkeren Böen aber auch mal passieren, dass sie unsanft auf dem Boden landen und es nicht allein auf den Horst zurück schaffen, so Dieter Wend, Storchenbeauftragter in Nordsachsen. So geschehen zuletzt in Hainichen, als Anwohner die Experten informierten.

So oder so – lang wird ein solches Treiben nicht mehr zu beobachten sein. Bis Mitte August, so weiß Dieter Wend, sind die Jungen ausgeflogen, die Älteren bleiben dagegen noch eine Weile da. Die Jungstörche, so Wend, verfahren da streng nach Plan, seien wie „stur programmiert.“ Wohin es sie verschlägt, kann er nicht so genau sagen: „Sind sie Ostzieher, fliegen sie nach Ostafrika, Israel, Ägypten, teilweise gar bis an den Kap.“ In Löbnitz und Hainichen beispielsweise gibt es auch Westzieher, die nur bis Spanien fliegen oder auch in Süddeutschland überwintern.

37 Jungstörche in der Region

Ende Januar landeten nach einer milden Wetterperiode die ersten Störche der neuen Saison in der Region, in Hainichen und auf einem ausgedienten Schornstein am Mühlgraben in Eilenburg waren sie gesichtet worden. Auch die im Laufe des Monats März einsetzende Eiseskälte und der Wind konnten ihnen nichts anhaben. Im Großen und Ganzen, so Wend, sind in der aktuellen Storchen-Saison vor allem die Horste besetzt, die auch in den vergangenen Jahren Bewohner hatten. Neu war nur das Nest in Wedelwitz, auf dem sich zwar ein Paar niedergelassen hat – Nachwuchs gibt es aber noch nicht.

37 Jungstörche wachsen derzeit im Altkreis Delitzsch heran. Eine solide Anzahl, die ähnlich einzuordnen ist wie die Größenordnung im vergangenen Jahr. 18 Brutpaare gibt es, 13 davon ziehen Jungvögel auf. Die derzeitige Hitzewelle dürfte den Adebaren eher weniger zu schaffen machen, „die kommen mit Kälte und Nässe schlechter zurecht“.

Jungstörche werden beringt

Um nachzukommen, wo es welchen Storch hinzieht, braucht es der Beobachtung und Mithilfe der Bevölkerung und Kennzeichnungsringe für die Tiere. Jahreszahl, Monat und Land stehen darauf, sodass die Vögel nach ihren Flügen weltweit zugeordnet werden können. Ende Juni wurden rund um Eilenburg und Delitzsch rund 30 der Jungvögel gekennzeichnet. Deutschlandweit gäbe es immer weniger solch spezieller Aktionen, in Nordsachsen versuche der Landschaftspflegeverband aber dies kontinuierlich durchzuführen. Zum einen bekommen die Tiere so ihren „Ausweis“, zum anderen dient die Tour zu den Brutstätten dazu, die Behausungen von Meister Adebar zu kontrollieren, zu säubern, nach dem Zustand der Tiere zu schauen und um genau zu bestimmen, wie gut es um den Nachwuchs bestellt ist. Die Kontrolle sei immens wichtig, weil so auch Müll aus den Nestern entfernt wird, der die Tiere in lebensgefährliche Situationen bringen kann.

Gesammelt werden die Daten übrigens im hohen Norden des Landes. In Güstrow hat die Beringungszentrale ihren Sitz, deren Name sich von der Vogelwarte Hiddensee ableitet. Auf der kleinen Ostseeinsel wurde 1936 die Vogelwarte Hiddensee als ornithologisches Forschungsinstitut der Universität Greifswald gegründet. Sie ist heute eine der drei Zentralen für die wissenschaftliche Vogelberingung in der Bundesrepublik Deutschland.

Von Kathrin Kabelitz

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