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Delitzsch Karl Lubienski feiert 80. Geburtstag
Region Delitzsch Karl Lubienski feiert 80. Geburtstag
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00:35 27.05.2018
Karl Lubienski, Delitzscher Bürgermeister bis 1990, wird 80 Jahre alt. Quelle: privat
Delitzsch

Für Karl Lubienski wird es nicht einfacher, aber er wird auch die kommende Zeit weiterhin mit Bravour meistern. Da sind sich jene einig, die ihn kennen und schätzen. Dieser durch und durch Delitzscher wird am Donnerstag 80 Jahre alt. Er hat von seiner Popularität in der Loberstadt kaum etwas verloren, obgleich er sich in den vergangenen Jahren in der Öffentlichkeit eher rar machte. Dabei hat Lubienski auch überregional Bedeutsames geschaffen: In Delitzsch, wo er von 1979 bis 1990 Stadtchef war, baute er nach der Wende das Behindertenzentrum auf, das erste seiner Art in Sachsen überhaupt.

Karl Lubienski mit dem Delitzscher Schokoladenmädchen Eva Tittelmann, der Rosenkönigin Katja Krull und der Türmerstochter Katja Nadler (von links). Sie hatte er 2002 für die Eröffnung eines internationalen Handballturnieres in der Loberstadt gewonnen. Quelle: Manfred Lüttich

Noch heute wird der Mann mit den mittlerweile ganz weißen Haaren und der markanten Brille wiedererkannt, angesprochen, mitunter wird ihm auch spontan die Hand geschüttelt. Immer wieder beginnen so Gespräche, auf die er sich gern einlässt. Nicht weil es die Menschen vielleicht von ihm erwarten, nein, weil es ihm und dem Gesprächspartner dabei gut geht. Und so kann es schon mal passieren, dass eigentlich kurze Ausflüge in die Innenstadt, um etwas zu erledigen, durchaus länger dauern. Seine Ehefrau Ursula, mit der er seit dem 27. Juli 1963 verheiratet ist, kann damit längst umgehen, hat sich auch daran gewöhnt, auf ihren Mann mal wieder etwas länger warten zu müssen. Seit 2003 wohnt das Paar in der Schulstraße in Delitzsch und schuf sich im dortigen Hof eine grüne Oase. Gartenarbeit ist nicht unbedingt die Passion von Karl Lubienski. Dennoch unterstützt er seine Frau gern, die offenbar einen grünen Daumen hat. Der Hinterhof ist sogar so gut gelungen, dass er in der Vergangenheit bereits zum Tag der offenen Gartentür zahlreiche Gäste anzog.

Nach der Wende Platz für neue Gesichter gemacht

Es ist tatsächlich etwas ruhiger geworden um den heute 80-Jährigen. Und das ist gut so, obgleich Karl Lubienski auch weiterhin gern um Rat gefragt, um seine Hilfe gebeten wird. Scheinbar gelingt es ihm aber immer besser, auch mal bestimmt nein zu sagen. Das mag zunächst irritieren, doch der Gesundheit des leidenschaftlichen Handballers und ehemaligen Kommunalpolitikers tut das auf jeden Fall gut.

Karl Lubienski, der Eisenbahner, Lehrmeister und Lehrer, war von 1979 bis zur Wende Bürgermeister der Stadt. Mit Kommunalpolitik hatte er zunächst eigentlich nichts am Hut. Er sei eher einer von denen gewesen, die schimpften, lieber andere vorschoben, die es besser machen sollten. Doch er wollte sich verändern, auch Verantwortung übernehmen. Er könnte Bücher schreiben, über das, was er dann als Bürgermeister erlebte. Nicht selten würde darin auch die Enttäuschung darüber Platz finden, dass er trotz eines teils 14-Stunden-Arbeitstages nicht das für die Stadt erreichen konnte, was er gern gewollt hätte. Am Engagement habe es ihm nie gefehlt. „Einiges ist uns dennoch gelungen, vieles nicht“, schätzt er aus heutiger Sicht ein. Dass er nach der Wende nicht erneut als Bürgermeister kandidierte, ist unter anderem seiner Geradlinigkeit und Konsequenz geschuldet. „Neue Zeiten brauchen auch neue Gesichter“, sagt er. Seinen Mantel in den Wind zweier Systeme zu hängen, entsprach ohnehin nicht seinem Wesen, wie er einst erklärte. Nach elf Jahren gab er das Bürgermeisteramt ab.

Um die Hände in den Schoß zu legen, fühlte sich der damals 52-Jährige noch nicht alt genug. Aber immer noch fit genug, Neues anzugehen. Er stellte sich einer weiteren Herausforderung, dem Aufbau des Behindertenzentrums Delitzsch. „Es war eine sehr dankbare Aufgabe“, sagte er, als er nach zehn Jahren intensiver Aufbauarbeit die Geschäftsführung abgab. Was ihn in jener Zeit offenbar sehr beeindruckte, war das ihm entgegengebrachte Vertrauen. „Sie haben mich nicht wie eine Altlast entsorgt, sondern mir eine Chance gegeben, mich zu beweisen.“ Insbesondere der damalige Landrat Michael Czupalla und auch andere Kommunalpolitiker sahen in ihm in erster Linie den Mann, der etwas bewegen kann, der sich in den Dienst für die Gemeinschaft stellt. Aus Czupallas heutiger Sicht habe sich Karl Lubienski mit dem Behindertenzentrum einschließlich der Werkstätten und Wohngruppen nicht nur ein „Denkmal für sein Lebenswerk“ geschaffen, sondern auch wichtige Pionierarbeit im Zusammenleben mit behinderten Menschen geleistet.

Delitzscher Handball-Geschichte mitgeschrieben

Und als wäre das alles noch nicht genug, hat sich Karl Lubienski auch für den Delitzscher Handball überaus verdient gemacht – auch wenn er das nicht gern hört, seinen Anteil stets herunterredet. „Ich hatte stets treue Wegbegleiter“, weiß er heute. Er erinnert sich an Helmut Gradehand, an Lothar Schreiber, auch an Klaus Nicklisch. Ohne Teamarbeit hätte es nicht so funktioniert, wären Erfolge wie der Aufstieg Concordias in die erste Handball-Bundesliga 2005/06 nicht möglich gewesen.

Schulter, Hüfte auch die Hände hätten in der aktiven Zeit als Handballer zwar gelitten, aber den Sport zu wechseln, war für Karl Lubienski nie eine Option. Über die Jugend bis in den Männerbereich hat er selbst Handball gespielt, legte aber 1990 endgültig den Ball aus der Hand. Ab Mitte der 1990er Jahr war er dann Vizepräsident von Concordia Delitzsch, erst 2006 stieg er aus alters- und gesundheitlichen Gründen aus der Vereinsführung aus, auch um den Weg frei für jüngere Leute zu machen.

Auf diese beruflichen und sportlichen Entwicklungen kann der Jubilar am Donnerstag mit einer gewissen Gelassenheit schauen. Mit 80 Lebensjahren gibt es vor allem Gründe zum Feiern. Jene, die ihn einen „guten Freund“ oder auch einen „feinen Kerl“ nennen, werden zu den ersten Gratulanten gehören. Darauf kommt es an. In dem Sinne bleibt nur noch der Wunsch nach guter Gesundheit.

Von Ditmar Wohlgemuth

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