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Kassenärztlicher Bereitschaftsdienst: Jeder vierte Einsatz nicht notwendig

Kassenärztlicher Bereitschaftsdienst: Jeder vierte Einsatz nicht notwendig

Die nicht notwendige Inanspruchnahme des kassenärztlichen Bereitschaftsdienstes liegt zwischen 20 und 30 Prozent. Das heißt, etwa jeder vierte Einsatz wäre nicht notwendig, hätte auch beim regulären Besuch einer Arztpraxis zu deren Öffnungszeit abgeklärt werden können.

Nordsachsen. "Der bundesweite Trend ist auch hier zu verzeichnen", erklärte Diplom-Mediziner und Facharzt für Allgemeinmedizin, Andreas Koch, auf Anfrage.

Warum dennoch immer mehr Menschen lieber den Notdienst oder eben auch den Bereitschaftsarzt rufen, hat ein ganzes Spektrum von Gründen. Zumeist lassen sie sich auf eines reduzieren: Die Leute wollen sich lange Wartezeiten in den Praxen ersparen, nutzen den für sie bequemeren Weg, auch wenn sie damit das Risiko eingehen, dass ein wirklich akut erkrankter Patienten womöglich nicht zeitnah ärztliche Hilfe erhält. Egoismus macht sich breit. Allerdings räumt Ingo Mohn, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen, auch ein, dass "medizinisch nicht vorgebildete Patienten nicht in jedem Fall erkennen können, ob es sich um einen akuten medizinischen Fall handelt". Der Bereitschaftsdienst verstehe sich vor allem als Serviceleistung der Kassenärzte. Niedergelassene Ärzte aller Fachgruppen sind es dann auch, die neben ihrem Dienst in der Praxis auch noch die Bereitschaftsdienste absichern. Im vergangenen Jahr wurden durchschnittlich pro Quartal etwa 3740 Einsätze gefahren. Vom dritten zum vierten Quartal wurde sogar eine Steigerung der Fallzahlen um gut 500 registriert.

Der Kassenärztliche Bereitschaftsdienst kümmere sich darum, "das Patienten in dringenden medizinischen Fällen auch außerhalb der Sprechzeiten ambulant behandelt werden." Die Ärzte stünden auch nachts, an den Wochenenden und an den Feiertagen bereit, um kranke Menschen bei sich zu Hause aufzusuchen oder sie in speziellen Bereitschaftsdienstpraxen zu behandeln, ohne dass sie ein Krankenhaus aufsuchen müssen. Diese Leistung könne von Kassen- und von Privatpatienten als auch von Touristen in Anspruch genommen werden.

"Vorgesehen sind diese Leistungen ausschließlich für akute, aber für nicht lebensbedrohliche Erkrankungen", betonte Andreas Koch. "Beispielsweise bei hohem Fieber oder starken Bauchschmerzen." Bestehe Lebensgefahr wie bei Herzinfarkt, Schlaganfall oder schweren Unfällen, sei unbedingt der Rettungsdienst zu alarmieren.

Der Delitzscher Arzt Andreas Koch berate, nach dem er sich ausführlich mit dem Patienten unterhalten hat und sich das Krankheitsbild konkret abzeichne, auch schon mal telefonisch. "Vor allem dann, wenn in der Stadt Delitzsch keine Apotheke dienstbereit sei."

Bundesweit ist der Kassenärztliche Bereitschaftdienst telefonisch über die 116117 erreichbar. Über die vorwahlfreie Nummer werden die Anrufer dann an den jeweiligen Dienst weitergeleitet. Ärzte beklagen jedoch immer mehr, dass diese Nummer nicht nur angerufen wird, wenn jemand wirklich einen Arzt braucht. "Es melden sich auch Leute, die fragen, welche Apotheke oder welcher Tierarzt Bereitschaftsdienst hat, oder welcher Zahnarzt. Das alles können wir nicht leisten und ist auch nicht unsere Aufgabe", hieß es von Ärzteseite.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 29.07.2015
Ditmar Wohlgemuth

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