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Delitzsch Katastrophenszenario für Nordsachsen: Ausnahmezustand bei Delitzsch
Region Delitzsch Katastrophenszenario für Nordsachsen: Ausnahmezustand bei Delitzsch
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14:23 12.04.2018
Am Ende über 70 Fahrzeuge waren im Einsatz. Quelle: Christine Jacob
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Delitzsch

So etwas hat es lange nicht gegeben: Mehr als 400 Menschen – hauptsächlich Ehrenamtliche – im Einsatz, knapp 80 Fahrzeuge unterwegs, immer wieder Blaulicht und Martinshorn, Sirenenklänge. In einer groß angelegten Übung haben Freiwillige Feuerwehren, Rettungsdienst, Katastrophenschutz- und Bevölkerungsschutzeinheiten sowie das Kreiskrankenhaus mit Kräften von Torgau bis Delitzsch einen Ernstfall geprobt, den es mit seiner Ausdehnung von Brand bis Explosion und ABC-Alarm so hoffentlich nie geben wird.

Zu diesem Waldbrand kommt noch mehr. Quelle: Feuerwehr Eilenburg

Scharfer Übungsstart am Samstag gegen 9.30 Uhr: Das Personal in der Unteroffiziersschule des Heeres (USH) hat einen Waldbrand entdeckt, der aus Richtung Sachsen-Anhalt auf das Kasernengelände nahe Delitzsch überzugreifen droht und hat die Leitstelle in Leipzig alarmiert.

In einer groß angelegten Übung haben mehr als 400 Einsatzkräfte am 9. September 2017 bei Delitzsch den Ernstfall geprobt. Los ging es mit einem Waldbrand in der Goitzsche nahe des Bundeswehrstandorts.

Der Waldbrand breitet sich rasend schnell aus, die Kräfte der Delitzscher Feuerwehr, von den Ortsteilwehren, aus der Gemeinde Löbnitz und aus Eilenburg bekommen die Lage so nicht schnell genug in den Griff – Einsatzkräfte des Waldbrandzuges aus Doberschütz und der Löschzug für Wasserversorgung aus Hohenprießnitz müssen in diesem Szenario nachalarmiert werden, um die Flammen unter Kontrolle zu bekommen. So arbeiten Feuerwehrleute zusammen, die bei „normalen“ Einsätzen kaum miteinander in Kontakt kommen, lernen sich kennen – für den Ernstfall sicher von Vorteil.

Explosion auf Bundeswehrgelände

In einer groß angelegten Übung haben mehr als 400 Einsatzkräfte am 9. September 2017 bei Delitzsch den Ernstfall geprobt. Noch während der Waldbrand zu bekämpfen war, kam es zu Explosion und Brand in einem Gebäude der Bundeswehr.

Während dieses Szenario noch läuft, kommt es kurz nach zehn im Übungsgelände der USH zu einer Explosion. Wieder sind alle Kräfte gefordert. Wieder geht alles zügig und kontrolliert über die Bühne. 21 Menschen, die sich zum Zeitpunkt der Explosion im Gebäude befanden, werden vermisst und müssen gerettet werden. Feuerwehr und Rettungsdienst arbeiten Hand in Hand.

In einer groß angelegten Übung haben mehr als 400 Einsatzkräfte am 9. September 2017 bei Delitzsch den Ernstfall geprobt – im Kreiskrankenhaus Delitzsch wurde sich schließlich um die „Opfer“ gekümmert und auch dort der Notfallplan einmal durchgespielt.

Die vielen Verletzten müssen erstmal aus dem brennenden Gebäude gerettet, vor Ort schon grundversorgt, die Schwere ihrer Verletzungen kategorisiert werden und sie je nach Grad der Verletzung in ein geeignetes Krankenhaus gebracht werden. So etwas nennt man ManV (Massenanfall von Verletzten), die sogenannte Schnelleinsatzgruppe (SEG) kommt dabei ebenfalls zum Einsatz. Später werden die „Opfer“ im Delitzscher Krankenhaus behandelt, das damit ebenfalls sehr erfolgreich seinen Alarm- und Einsatzplan überprüft. Unter anderem checkt die Einrichtung, wie viele Mitarbeiter in welcher Zeit aus dem Dienstfrei geholt und in die Notaufnahme beordert werden können.

Kräfte von Oschatz bis Delitzsch gefordert

In einer groß angelegten Übung haben mehr als 400 Einsatzkräfte am 9. September 2017 bei Delitzsch den Ernstfall geprobt: Auch zu einem Gefahrgut-Unfall ist es gekommen, während die anderen Kräfte noch im Einsatz waren.

Als ob das alles noch nicht genug Arbeit für einen Vormittag wäre, setzt um 10.30 Uhr ein Gefahrgut-Unfall dem Ganzen noch die Krone auf. Bei der Explosion sind auch zwei Fässer beschädigt worden und gefährliche Flüssigkeit tritt aus. Der ABC-Zug rückt aus, Kameraden aus Oschatz und der Region Torgau-Oschatz bringen auch diese Lage unter Kontrolle.

„Kräfte aus dem gesamten Landkreis sind im Einsatz“, so Ordnungsdezernentin Angelika Stoye in einer ersten Bilanz zur Großübung, bei der am Ende 418 Rettungskräfte von Oschatz über Eilenburg bis Delitzsch beteiligt sind und ihre Sache jeweils gut machen, aber auch einmal durchspielen, an welchen Ecken und Kanten es im Ernstfalle Probleme geben könnte und wie es dann noch reibungsloser laufen sollte. Alles, was in Nordsachsen Blaulicht hat, ist sozusagen da – zur Grundsicherung sind natürlich immer einige Fahrzeuge und Kameraden auch in den jeweiligen Gerätehäusern und Orten geblieben.

Übung war angekündigt

Auch in Elsnig/Vogelsang gab es eine Übung, dort wurde ein Brand auf einem Firmengelände inszeniert. Beide Szenarien sind vorab vom Landkreis Nordsachsen angekündigt worden, um Unruhe aufgrund des hohen Blaulichtaufkommens in der Bevölkerung gleich zu vermeiden. Ob nun vorher bekannt oder nicht: Die Übung hat Gewicht für die vielen Retter und Ehrenamtlichen – und sie haben bewiesen, dass sie einem Katastrophenszenario in Nordsachsen gewachsen sind.

Von Christine Jacob

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