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Katharina Böttcher lotst Delitzscher Schulklassen in die Bibliothek

Katharina Böttcher lotst Delitzscher Schulklassen in die Bibliothek

Sie wuselt durch die Bibliothek, seit sie in Büchern blättern kann. Bis heute sei sie fasziniert von der Fülle der Geschichten in den Regalen, erzählt Katharina Böttcher.

Delitzsch. Und will diese Faszination nun weitergeben – als sogenannter Bibliotheks-Scout in Festanstellung. Ihre Mission: an Schulen und Kindergärten für Büchereibesuche werben. In einer Stadt, in der nur etwa jedes achte Kind bis zwölf Jahre einen eigenen Bibliotheksausweis hat. Die Ausrüstung von Katharina Böttcher ist nicht groß: ein Terminplaner, ein paar Hefter, dazu Stift, Papier und Computer. Der Rest kommt von Herzen – und ist vor allem Überzeugungsarbeit. „Man muss Organisationstalent haben und den Kontakt zu den Menschen lieben, wenn man an die Schulen geht“, sagt die Delitzscherin. „Es geht darum, die Lehrer dazu zu bringen, eine ihrer kostbaren Unterrichtsstunden zu opfern, um mit der Klasse in die Bibliothek zu gehen.“ Katharina Böttcher sucht nach Möglichkeiten und Potenzialen, Schüler wie Lehrer auf eine Reise in die Welt der Schmöker einzuladen. Nicht umsonst nennt sie sich Scout, zu Deutsch Kundschafter oder Aufklärer. Seit dem Jahreswechsel steckt die gelernte Kauffrau für Bürokommunikation in dieser Aufgabe. Im Rahmen des Arbeitsmarkt-Förderprogrammes Kommunal-Kombi-Lohn ist sie für drei Jahre bei der städtischen Einrichtung angestellt, kümmert sich um Kitas, Gymnasien, Grund- und Mittelschulen. Die Hauptzielgruppe sind Zweit-, Fünft- und Achtklässler. Zwar hat sie keine bibliothekarische Ausbildung, doch fürs Vermitteln und Wege bahnen braucht sie die nicht unbedingt. Die 29-Jährige koordiniert Termine mit Klassenleitern, assistiert bei Veranstaltungen. Bislang lief in ihrem neuen Job vor allem die Startphase: Vorstellungsbriefe verschicken, Lektüre-Wünsche erkunden, Lehrpläne abfragen. Ein langer Weg, bis die ersten Termine stehen. Doch Bibliothekschefin Regina Kittelmann ist nach eigenen Worten schon jetzt „heilfroh“, ihren Scout zu haben. „Es ist nicht mehr so wie früher, als die Kinder ganz selbstverständlich im Rahmen des Unterrichts in die Bibliothek gegangen sind, um sich im Haus umzuschauen. Es gibt zwar immer wieder Lesungen, auch direkt an den Schulen, aber es ist ein Unterschied, ob die Schüler nur ein Buch oder die Bibliothek an sich kennenlernen.“ 250 Mädchen und Jungen bis zwölf Jahre gebe es zurzeit, die in der Loberstadt einen eigenen Büchereiausweis haben. „Doch in Delitzsch samt seinen Ortsteilen wohnen laut Statistischem Landesamt über 2000 Kinder von drei bis 14 Jahre. Selbst wenn man davon ausgeht, dass viele sich mit ihren Eltern eine Familienkarte teilen, gibt es großen Nachholebedarf.“ Die Büchereileiterin und ihr Scout sind allerdings optimistisch, dass es nun vorangeht. Schon der Umzug der Einrichtung ins neue Domizil in der Alten Lateinschule habe einen deutlichen Mitgliederzuwachs quer durch die Altersgruppen gebracht. Und Katharina Böttcher ist überzeugt davon, dass nur ein Bruchteil des Delitzscher Nachwuchses mit Bibliotheken überhaupt nichts anfangen kann. „Selbst der größte Büchermuffel findet hier was. Es gibt ja nicht nur Bücher, sondern auch CDs, DVDs oder Zeitschriften.“ Und so mancher Knirps kommt auch ganz von selbst. Gerade eben entdeckte Katharina Böttcher zum Beispiel die siebenjährige Emily zwischen den Regalen. Die Erstklässlerin hatte ihren Vati Sylvio Röske im Schlepptau. „Die Emily wollte unbedingt hierher, deshalb bin ich mit ihr heute das erste Mal in die Bücherei gegangen“, erzählte er. Zielsicher griff Emily nach den „Feengeschichten“, und auch das Buch „Paula und Lukas freuen sich auf die Schule“ musste noch mit. Nächstes Jahr, wenn Emily die zweite Klasse besucht, wird sie Katharina Böttcher wohl an ihrer Schule wiedersehen. Und kann dann ihren Klassenkameraden sagen, dass sie die Welt der Schmöker schon lange kennt.

Kay Würker

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