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Kein Taxi oder Bus: Fahrgäste stranden nachts am Unteren Bahnhof in Delitzsch

Nahverkehr Kein Taxi oder Bus: Fahrgäste stranden nachts am Unteren Bahnhof in Delitzsch

Die S-Bahn-Verbindung zwischen Delitzsch und Leipzig ist ein Segen. Nachtschwärmer kennen aber ein Problem: Wie geht es ab dem Unteren Bahnhof weiter? Busse fahren nicht, Taxis gibt es meist nur auf Vorbestellung.

Taxifreie Zone am Delitzscher Unteren Bahnhof am Wochenende ab 23 Uhr. „Weil es sich nicht lohnt“, sagen die Unternehmer.

Quelle: André Kempner

Delitzsch. „Hallo Taxi!“ Dieser Ruf verhallte am Unteren Bahnhof in Delitzsch kürzlich ungehört. Es war Sonntag, kurz nach Mitternacht. Martina Hintz kam mit dem Zug aus Leipzig. Die letzte S-Bahn hält um 0.36 Uhr in Delitzsch. Vom Unteren Bahnhof wollte sie per Taxi weiterreisen. Sie empfand es als die sicherste und schnellste Variante, um nach Hause zu kommen. Es ist abgesehen vom privaten Abholdienst auch die einzige Variante. Der öffentliche Busverkehr ist um die Zeit längst eingestellt, am Wochenende ist ohnehin nur der Rufbus möglich. Aber auch der fährt nur bis 18 Uhr.

Die Idee mit dem Taxi kam Martina Hintz bereits in Leipzig, noch weit vor der Abfahrtszeit des Zuges, wie sie sagte. Offenbar ahnte sie, dass bei ihrer Ankunft um Mitternacht kein Taxi auf dem Bahnhofvorplatz nur auf sie warten wird. In einem Brief an die LVZ schrieb sie, dass sie eine ganze Stunde lang diverse Telefonnummern von Taxi-Unternehmen in Delitzsch und Umgebung gewählt habe. „Keiner ging ran! Weder auf dem Festnetz noch auf dem Handy!“ Verärgert habe sie dann am nächsten Morgen, gegen 7 Uhr, die lange Schlange der Taxis beobachtet, die auf ihre Kundschaft warteten. „Heute Nacht wurdet ihr gebraucht und das nicht nur von mir“, heißt es im Brief weiter. „Dabei verlangen wir gar nicht, dass ihr stundenlang steht und wartet, nur ans Telefon gehen wäre angebracht!“

Der Wagen muss rollen

LVZ fragte bei hiesigen Taxi-Unternehmern nach, wie sie die Situation gerade am Wochenende und um Mitternacht einschätzen. Für Andreas Eberwein aus Benndorf ist es „eine tote Zeit“. „Ein Taxi rechnet sich nur, wenn es rollt und nicht steht“, sagte er. Dass die gute S-Bahn-Verbindung zwischen Delitzsch und Leipzig geradezu dazu einlädt, auch den letzten Zug für die Rückreise zu nutzen, leuchtet dem Taxi-Mann ein. „Aber es kann doch keiner ernsthaft erwarten, dass dann auch immer Taxis bereitstehen.“ Natürlich werden die Ankunftszeiten der Züge gern abgewartet, um Passagiere aufzunehmen. „Aber gerade an den Wochenenden und in den Abendstunden ist das Aufkommen nicht gerade riesig, es geht fast gegen null“, schätzte Eberwein ein und nannte ein markantes Beispiel: „Sonntagabend, die letzte Fahrt war 21 Uhr, der 21.36-Uhr-Zug war durch, keiner wollte ein Taxi. Der gute Wille war da: Ich wartete den nächsten Zug ab, 22.36 Uhr. Wieder kam keiner. Da hätte ich auch schon 21 Uhr Feierabend machen können. Verdient habe ich nichts!“ Aus seiner Sicht machen es ihm einige Delitzscher Gastronomen vor: „Die haben Sonntags auch geschlossen.“ Eberweins Rat: Einfach das Taxi vorbestellen. Es reicht am Vormittag, wenn es abends gebraucht wird. „Dann wird es auch dastehen.“

Taxi vorbestellen

„Wer bis 23 Uhr bei uns kein Taxi bestellt hat, wird es danach ganz schwer haben, eins zu bekommen“, weiß Udo Habermehl, Landtaxi Schönwölkau. „Wir sind jederzeit für unsere Kundschaft da, wir fahren sieben Tage die Woche. Das beste ist aber, wenn man uns rechtzeitig bestellt.“ Hätte Frau Hintz die Idee mit dem Taxi vor 23 Uhr gehabt, hätte es sicher geklappt, meinte Habermehl. Zudem stehe ein Taxi seines Unternehmens bis 24 Uhr immer am Bahnhof, warte den Zug um 23.36 Uhr ab. „Selbst wenn es vorher einen Zustieg hat, nochmal unterwegs ist, kehrt das Taxi zum Bahnhof zurück. So ist die Festlegung.“ Die Spontanität seiner Fahrgäste kennt der Unternehmer. Wer aber auf Nummer sicher gehen will, so sein Vorschlag, sollte bei aller Planung die Taxibestellung nicht vergessen.

Von Ditmar Wohlgemuth

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