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„Keine Gefahr für Stadt Delitzsch, Bürger und Umwelt“

Abfallberg Biomassekraftwerk „Keine Gefahr für Stadt Delitzsch, Bürger und Umwelt“

Das Landratsamt Nordsachsen informierte am Dienstagabend im Umwelt- und Technikausschuss in Delitzsch zum aktuellen Stand Biomassekraftwerk. Stichwort Asche- und Schlackeberg. Fazit: Alles in Ordnung. Der illegale Berg soll weg.

Amtsleiterin Antje Brumm wertet die Proben aus und spricht zum Thema Schlacke- und Ascheberg auf dem Gelände des Biomassekraftwerkes.

Quelle: Wolfgang Sens LVZ

Delitzsch. Es war angerichtet. Das Landratsamt informierte am Dienstagabend im Umwelt- und Technikausschuss in Delitzsch zum aktuellen Stand Biomassekraftwerk. Stichwort Asche- und Schlackeberg. Die Behörde war aufgrund der Brisanz des Themas auf 100 Gäste plus X, Funk und Fernsehen im großen Saal eingestellt. Neben der LVZ nahmen dann jedoch nur drei Besucher im Sitzungssaal Platz.

Kein öffentliches Interesse

So präsentierte Umwelt-Amtsleiterin Antje Brumm ihre Erkenntnisse vor den gut 20 Ausschussmitgliedern. Diese beruhen auf umfangreichen Proben eines akkreditierten Prüflabors, das Wasser, Boden und Luft fachgerecht untersucht hat. Die taufrischen Ergebnisse erreichten die Behörde erst vor wenigen Tagen. Fazit: Alles gut, keine Gefahr für Boden und Grundwasser. „Wir sehen im Moment keine akute Umweltgefährdung. Als Behörde werden wir natürlich darauf achten, dass umweltrechtliche Normen eingehalten werden“, so Brumm. Hieße: Außer, dass es nicht gut aussieht auf dem Gelände, sei es nicht weiter schlimm. Aber: Die 21 500 Tonnen Rost- und Kesselasche und die rund 20 000 Kubikmeter Holz- und andere Abfälle, die dort lagern, wurden illegal aufgetürmt.

Der Berg soll weg

Die Herausforderung besteht nun darin, den Berg wieder abzutragen. Bei einer akuten Umweltgefährdung müsste das Landratsamt sofort aktiv werden. Laut Brumm bestehe jedoch „keine Gefährdung für die Stadt Delitzsch, Bürger und Umwelt“. So bleibt Zeit zum Verhandeln. „Wir wollen eine Lösung mit dem Insolvenzverwalter finden mit dem Ziel, dass das Gelände beräumt und vermarktet werden kann. Das wäre eine Lösung im Interesse aller“, sagte die Amtsleiterin.

Deponierungskosten 2,5 Millionen Euro

Die Voraussetzungen dafür sind denkbar schlecht, zumindest deuten die Zahlen nicht unbedingt auf Entspannung oder gar eine Lösung hin. Denn die würde 2,5 Millionen Euro für die fachgerechte Deponierung der Abfälle kosten. Im Insolvenztopf befinden sich jedoch nur 200 000 Euro. Das wesentlich kostengünstigere Abdecken des Berges wurde als nicht zielführend vom Landratsamt abgelehnt.

Nun ruhen sehr viele Hoffnungen auf dem Verwalter. Was bleibt, ist er Berg, der die Blicke wie ein Mahnmal auf sich zieht. Es ist nicht zu erwarten, dass jemand Geld in die Hand nimmt, um die Anlage wieder in Betrieb zu nehmen. Das schätzt auch Philipp Hackländer so ein. Der Leipziger Rechtsanwalt ist Insolvenzverwalter des Ex-Betreibers GOAZ. Weil die zuletzt vor Ort aktive Firma, die Knock on wood GmbH, die Kaufsumme nicht voll bezahlt hat, blieb die Liegenschaft im Eigentum von GOAZ beziehungsweise Hackländer. Er ist seit Anfang Oktober am Ruder und der Verhandlungspartner. Angestrebt werde, dass die Stadt Delitzsch das Industrie- in ein Mischgebiet umwidmet. Mit einem Mischgebiet ließe sich mehr Masse erzielen, zudem sei es besser zu vermarkten. „Die Gespräche mit Herrn Hackländer sind von der Hoffnung getragen, dass er die Entsorgung übernimmt und damit eine Vermarktung ermöglicht“, so Brumm.

Im Grundwasser kommen keine Belastungen an

Aus den Reihen der Ausschussmitglieder wollte Jörg Bornack (parteilos) wissen, wie schnell sich eventuelle belastende Stoffe aus dem Berg im Grundwasser nachweisen lassen. Ein schwieriger Prozess. Antje Brumm, selbst Diplom-Geologin, hatte einen weiteren Geologen zur Unterstützung mitgebracht. Der klärte auf, dass ein Wassertropfen zirka 30 Zentimeter pro Jahr in die Tiefe sickert. „Dann wissen wir erst in 30 Jahren, was hier schief gelaufen ist“, rechnete Bornack vor. Laut Behörde kommen im Grundwasser „keine Belastungen an“, weil die sich, „falls sie vorhanden wären, ausspülen würden“.

Einen Kommentar zum Thema lesen Sie hier.

Von Frank Pfütze

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