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Kinder-Asylheim in Reibitz: Flüchtlinge packen beim Herrichten mit an

Bundesfreiwilligendienst Kinder-Asylheim in Reibitz: Flüchtlinge packen beim Herrichten mit an

Weil sie helfen wollten, fragten Flüchtlinge auf der Asylheim-Baustelle in Reibitz wegen Arbeit nach. Nun sind sie für sechs Monate in den Bundesfreiwilligendienst integriert. Insgesamt acht Männer kümmern sich um das Außengelände der ehemaligen Mittelschule, beseitigen Wildwuchs und lernen dabei noch Deutsch. Deutsche Interessenten für die Stellen gab es nicht.

Insgesamt acht Männer aus Syrien, Afghanistan und dem Irak kümmern sich um die Außenanlage des künftigen Heimes in Reibitz. Zwei fehlten beim Fototermin. Die Helfer leisten einen Bundesfreiwilligendienst.

Quelle: Ditmar Wohlgemuth

Reibitz. Auf der Baustelle des künftigen Flüchtlingsheimes in Reibitz ist einiges im Gange. Die ehemalige Mittelschule in der Sausedlitzer Straße wird als Unterkunft für bis zu 24 junge Menschen hergerichtet – für sogenannte unbegleitete minderjährige Ausländer (UMA). Beim Rundgang durch die künftigen Zimmer, die bis zu zwei Personen beherbergen sollen, ist der Fortschritt sichtbar. Die Löbnitzer Bau GmbH kümmert sich darum. Doch nicht allein. Auch acht Männer aus Syrien, Afghanistan und dem Irak packen mit an, sind auf den Außenanlagen des Objektes zugange.

Eine willkommene Hilfe. Die Männer haben von sich aus auf der Baustelle vorgesprochen, nach Arbeit gefragt. Sie kommen aus acht Familien unterschiedlicher Nationalität, die im November und Dezember 2015 Wohnungen in einem Plattenbau am Dorfrand bezogen haben. Seit März bekommen sie Deutschunterricht, zweimal in der Woche. „Vielen ist das zu wenig, sie brauchen Beschäftigung“, erklärt Heiko Wittig vom Vorstand des Soziokulturellen Zentrums (SKZ) in Delitzsch. Das SKZ ist Träger des künftigen UMA-Heimes und Auftraggeber für die Umbauarbeiten. Und konnte helfen: Die Ausländer – allesamt mit Aufenthaltsgestattung – sind jetzt über den Bundesfreiwilligendienst auf dem Schulgelände tätig. Ihre Stellen wurden für ein halbes Jahr genehmigt. „Auch deutschen Hartz-IV-Empfängern haben wir die Jobs angeboten. Gewollt hat sie keiner“, so Heiko Wittig.

Flüchtlinge roden Außengelände

Anfängliche Befürchtungen hinsichtlich Verständigungsschwierigkeiten wurden schnell zerstreut. Das Deutsch festigt sich im täglichen Miteinander mit anderen Arbeitern, der Rest klappt auf Englisch. Für die Arbeitskleidung griff das SKZ selbst in die Tasche. Unter den Freiwilligendienstlern ist ein gelernter Betonbauer – seine Kenntnisse kamen gerade recht. Aber auch Automechaniker, Verkäufer und selbst ein Landwirtschaftsingenieur packen kräftig zu, roden das Außengelände. Schließlich konnte in den vergangenen zehn Jahren – so lange war die Mittelschule dicht – viel Wildwuchs gedeihen. Die Umgestaltung der einstigen Bildungsstätte zu einem Zuhause auf Zeit kommt voran. Und liegt im Zeitplan, signalisiert die beauftragte Löbnitzer Bau GmbH.

Allerdings drückt der Schuh an anderen Stellen. Vor allem beim Geld. Das SKZ auf Zahlungen des Freistaates Sachsen angewiesen, mit denen die Bau-Rechnungen beglichen werden sollen. Doch der Gesamtbetrag – insgesamt rund 960 000 Euro – werde von der Landesregierung in Teilsummen überwiesen. Erst wenn auch das noch ausstehende Geld geflossen ist, können alle Rechnungen bezahlt werden, sagt Wittig. Eine weitere Sorge ist der Abwasseranschluss für das Objekt. Nach einem Jahrzehnt der Nichtnutzung gebe es einige Tücken im Detail. Unter anderem steht die Frage, ob das UMA-Heim ans öffentliche Entsorgungsnetz angeschlossen oder mit einer eigenen Kläranlage ausgestattet werden soll. „Wir stehen mit dem Abwasserzweckverband Unteres Leinetal im engen Kontakt“, so das SKZ-Vorstandsmitglied. Ohne eine zufriedenstellende Lösung sei eine Erstbelegung kaum möglich.

Eröffnung verschiebt sich

Konkret heißt das: Obwohl der Umbau im August abgeschlossen werden und die Baustelle geräumt sein soll, verschiebt sich die Inbetriebnahme. Statt dem 1. August steht nun als möglicher Termin der 1. Oktober in Rede, lediglich ein Tag der offenen Tür ist für August avisiert. Hinzu kommen personelle Unwägbarkeiten. Die Kostensatzverhandlungen, die das SKZ mit dem Freistaat hinsichtlich der Erziehergehälter führt, müssen erst abgeschlossen werden. „Das kann frühestens im August erfolgen, vielleicht auch später“, so Wittig. Immerhin: Die Personalfindung scheint nahezu gelöst. Sieben Erzieher hätten sich gemeldet.

Die ehemalige Mittelschule ist für 15 Jahre gepachtet. Sie soll, falls weniger junge Ausländer als erwartet kommen, auch als Kinderheim für Nordsachsen genutzt werden. Der Bedarf sei da.

Von Ditmar Wohlgemuth

Reibitz Sausedlitzer Straße 2 51.5565688 12.454045
Reibitz Sausedlitzer Straße 2
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