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Delitzsch Kleinanlieferer müssen in Lissa und Spröda seit diesem Jahr tief in die Tasche greifen
Region Delitzsch Kleinanlieferer müssen in Lissa und Spröda seit diesem Jahr tief in die Tasche greifen
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14:27 30.03.2016
Auf dem Wertstoffhof in Spröda können Kleinanlieferer Bauschutt abladen. Quelle: Wolfgang Sens
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Delitzsch

In den zurückliegenden Jahren sind in Delitzsch die Preise für die Annahme von Bauschutt in den Verwertungsanlagen Lissa und Spröda der Kreiswerke Delitzsch GmbH (KWD) exorbitant gestiegen. Seit diesem Jahr müssen Kleinanlieferer, als solche gelten Privatpersonen mit Pkw oder Pkw mit Hänger, für die Annahme von Bauschutt in einer Menge bis 0,5 Kubikmeter 7,50 Euro und bis zu einem Kubikmeter 15 Euro bezahlen. Voriges Jahr kostete ein Kubikmeter noch 2,60 Euro.

Diese Verteuerung wurde jüngst von einem Bürger im Stadtrat angeprangert. Allerdings wies Oberbürgermeister Manfred Wilde (parteilos) die Kritik zurück, weil die Abfallentsorgung eine Aufgabe des Landkreises sei. Doch Bauschutt fällt nicht unter diese Pflicht und ist folglich auch nicht Bestandteil der Abfallsatzung des Landkreises. Wie das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie auf Anfrage mitteilt, ist die Entsorgung von mineralischen Abfällen eine Domäne der Privatwirtschaft, die Preisentwicklung folglich marktabhängig. Die Steigerung entspreche aber den grundsätzlichen Erwartungen.

Hohe Aufwand für Sortierung und Aufarbeitung

Ulf Bechstein, Geschäftsführer der Kreiswerke Delitzsch, sagt warum: „Es mangelt an Absatzwegen in der näheren Umgebung, weil Bauschutt immer weniger abgenommen wird. Zudem erhöht sich der Aufwand für Sortierung und Aufarbeitung.“ Die Ursachen für diesen Trend sind wiederum mehrschichtig. Ein Faktor sind die Aktivitäten des Oberbergamtes, die Verfüllung von obertägigen Abbaustätten mit Bauschutt deutlich einzuschränken.

„Das Sächsische Oberbergamt lässt auf Grundlage des Bundesbodenschutzgesetzes und der Bundesbodenschutzverordnung seit Ende 2012 bei Neuzulassungen bergrechtlicher Betriebspläne die Verwertung von Bauschutt zur Verfüllung bergbaulicher Hohlräume im Regelfall nur noch für technische Zwecke wie Baustraßen zu“, erklärt Oberberghauptmann Bernhard Cramer. Ausnahmen seien nur möglich, wenn die Schadlosigkeit der Verwertung im Einzelfall durch den Bergbauunternehmer nachgewiesen wird“, so Cramer weiter.

Kostenfaktor Analysen

Das heißt, die Anforderungen an das Material, dass in Bergbauanlagen verbaut werden darf, sind gestiegen. Anlieferer müssen nachweisen, dass ihr Material genau den festgelegten Grenzwerten entspricht. „Für uns ist das ein riesiger Kostenfaktor. Wir müssen den bei uns angelieferten Bauschutt nicht nur nach bedenkenlosen und belasteten Bestandteilen sortieren, sondern auch teure Analysen für den Nachweis der Einhaltung der Annahmekriterien der jeweiligen Verwertungsanlage erstellen lassen“, erklärt der KWD-Geschäftsführer. Zum Verständnis nennt er ein Beispiel. Sulfat bereite immer Probleme, „das ist aber in jedem Mörtel enthalten“.

Bis 2014 hatten die KWD noch den Vorteil, Bauschutt zur Abdeckung ihrer Deponien in Lissa und Spröda einsetzen zu können. „Deshalb konnten wir günstigere Preise als andere halten. Seit die Rekultivierung der Deponien abgeschlossen ist, müssen wir sehen, wer uns den Bauschutt abnimmt. Somit sind wir an dessen Preise gebunden. Hinzu kommen unsere Kosten für Aufarbeitung, Analysen und Transport“, sagt Bechstein. Jetzt lägen die Preise im normalen Level. In anderen Regionen seien sie schon längst höher gewesen. So verlangt beispielsweise der Zweckverband Abfallwirtschaft Oberes Elbtal für eine Tonne Bauschutt 25 Euro. Die KWD nehmen die gleiche Menge für 12 Euro netto (14,28 Euro brutto) entgegen. Die Abfallwirtschaft Torgau-Oschatz GmbH verlangt für Gemische aus Beton, Ziegel und Keramik 24 Euro netto (28,56 Euro brutto) pro Tonne.

Von Thomas Steingen

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