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Delitzsch Kleingärten sind im Trend – Immer mehr junge Delitzscher gärtnern
Region Delitzsch Kleingärten sind im Trend – Immer mehr junge Delitzscher gärtnern
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10:44 06.03.2018
Eigene Ernte, so wie hier Süßkartoffeln, ist natürlich der Hit für jeden Hobbygärtner. Quelle: Fotolia/hiroshiteshigawara
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DELITZSCH

Wenn es der morgendliche Blick auf das Thermometer auch noch nicht ganz glauben lässt, so ist doch Frühling und damit die Gartensaison eröffnet. Und die Delitzscher beweisen gerade einen besonderen Hang zum grünen Daumen. Der Parkplatz des Gartencenters ist wochenends proppevoll, der Tag der offenen Gartentür am 18. Juni hat mit 18 zeigefreudigen Gärtnern so viele Teilnehmer wie nie in seiner Geschichte und im sozialen Netzwerk Facebook und im sonstigen Netz tummeln sich die Gesuche nach Parzellen in Kleingärten. „Ab ins Beet!“ gilt dabei gerade auch bei jungen und jüngeren Leuten als Trend, hat man beim Kreisverbandes der Kleingärtner Delitzsch beobachtet. Der Zuzug sei deutlich spürbar, so Kreisverbandschefin Anke Reisdorf. Zwar halte sich derzeit auch der Leerstand im gesamten Verbandsgebiet mit fast 4000 Parzellen von Wiedemar bis Schönwölkau bei knapp neun Prozent. In mancher Sparte direkt in und um Delitzsch seien Wartelisten für frei werdende Gärten aber längst Usus geworden. So auch in der 28 Parzellen großen Sparte „Am Sportplatz“ im Ortsteil Döbernitz, wo Anke Reisdorf die Vereinsvorsitzende ist: „Wir haben gerade wieder drei neue junge Pächter, davon eine junge Familie und zwei junge Pärchen“, berichtet die passionierte Gärtnerin.

Klischees längst überholt

Doch was treibt die Generation bis 40, derzeit bekanntlich auch die größte Zuzugsgruppe nach Delitzsch, in die Beete? „Es geht den meisten um Erholung und frische Luft“, berichtet Anke Reisdorf aus etlichen Gesprächen, die sie mit Gartenneulingen geführt hat. Das Klischee spießiger Sparten ist längst überholt, Wohlfühlen und Gemeinschaft gehen vor.

Am 18. Juni wird das Gärtnern in Delitzsch mit offenen Pforten gefeiert. Quelle: TRNDLB

Daniel Neumann hat selbst in einem Kleingarten angefangen, inzwischen ist das eigene Grundstück die perfekte Scholle für den 44-jährigen Delitzscher. „Junge Leute wollen raus ins Grüne und interessieren sich verstärkt für das Thema“, erzählt er. Als er seinen Kleingarten inserierte, fand der noch am gleichen Tag Interessenten und war binnen einer Woche an eine junge Familie Mitte 30 vergeben. Weil sich immer wieder aber Fragen rund ums Gärtnern auftun und die junge Generation eben auch die Internetgeneration ist, hat Daniel Neumann eine Gruppe im Netzwerk Facebook speziell zu diesem Thema gegründet. „Gärtnern in Delitzsch - pflanzen, tauschen, entdecken“ heißt die erst vor wenigen Tagen ins Leben gerufene Gemeinschaft, die aktuell knapp 200 Mitglieder zählt. „Ich habe eine Anlaufstelle schaffen wollen“, berichtet Daniel Neumann. In der öffentlichen Gruppe herrscht, das fällt besonders auf und ist fürwahr nicht üblich in sogenannten sozialen Netzwerken, ein grundsätzlich positiver Ton.

Eigenes Reich der Ruhe

Und was motiviert gerade die jungen Leute bis 40/45, sich die Hände schmutzig zu machen, die eigenen Tomaten zu ziehen, auf Erdbeeren statt in Flimmerkisten zu schauen, und und, und? Relaxen, Ausgleich am Feierabend zu finden, zu buddeln, zu ernten, sein eigener Herr in einem „Reich der Ruhe“ zu sein und Neues auszuprobieren, führen die Gärtner als unschlagbare Argumente pro eigene Scholle ins Feld. „Die Ruhe, die Vögel im Frühjahr und die Gartenarbeit bringt einen irgendwie auf andere Gedanken“, schildert die Mittdreißigerin Peggy Richter. Ihren Garten hat sie schon fast ein Jahrzehnt. Der 33-jährige Steffen Fried gärtnert seit acht Jahren schätzt auch den Kontakt zu den älteren Leuten in der Kleingartensparte, die mit Ratschlägen und Tipps helfen. Das Angebaute dient dem Eigenverbrauch. Selbstversorgung ist ohnehin ein weiteres wichtiges Stichwort gerade für die jungen Gärtner: „Man weiß, was man isst, wenn man selber angebaut hat“, argumentiert eine 40-Jährige, die ihren Garten mitten in der Altstadt im eigenen Hof pflegt. Was heute Trend ist, hat lange Tradition, dessen ist man sich auch bewusst: „Die Kleingärtner haben schon Selbstversorgung betrieben, als die Hipster von heute noch Quark im Schaufenster waren“, meint die Delitzscherin.

Von Christine Jacob

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