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"Kommissar Zufall" auf Achse

"Kommissar Zufall" auf Achse

Neu ausgerichtet und erfolgreich. So stellt sich die Polizeiarbeit in Delitzsch dar. Mit einem neuen Leiter bekam das Revier 2013 auch eine neue Struktur. Mehr Präsenz auf der Straße, zu Fuß oder im Streifenwagen, war eine der Maßgaben, die Revierleiter Klaus-Dieter Kabelitz gemäß Reformen im Freistaat umsetzte.

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Kind aus Auto befreit: Kurzen Prozess machte der Polizist hier und holte ein Kind schnell aus dem aufgeheizten Auto. Fotos: Polizei

Quelle: Privat

DELITZSCH. Der Schlüssel? Der Einsatz von Bürgerpolizisten. Vor der Reform gab es im Delitzscher Bereich zwei dieser Ansprechpartner, seit 2013 sind es sechs. Zwei tun ihren Dienst vornehmlich in der Loberstadt, zwei in Wiedemar, zwei kümmern sich um Rackwitz, Krostitz, Löbnitz und Schönwölkau.

Einer dieser Bürgerpolizisten ist Frank Westphal. Fing er im Gebiet Rackwitz bis Schönwölkau an, kümmert er sich heute um Wiedemar - und nicht nur das. Polizist als Berufung, das ist man nicht nur 24 Stunden und sieben Tage die Woche jenseits der Dienstpläne, sondern auch allerorts. Und das ist im Falle Westphal immer wieder von Erfolg gekrönt. Mehr Präsenz bedeutet bessere Zusammenarbeit mit Kommissar Zufall - und so manche Häufung von Kuriositäten.

So ging einem Kollegen und Westphal erst vor Kurzem ein 27 Jahre alter Mann ins Netz vom hoch präsenten "Kommissar Zufall", der mit einem Pocket-Bike - einem Mini-Motorrad, bei dem er sich mit den Knien fast die Ohren zuhalten konnte - tatsächlich durch die Stadt fuhr und sogleich aus dem Verkehr gezogen wurde (wir berichteten). Für die Straftat, mit einem nicht versicherten Vehikel unterwegs gewesen zu sein, wird er sich noch verantworten müssen. Nicht weniger seltsam erschien es Frank Westphal, als er auf dem Weg durch sein Revier vor sich plötzlich fahrendes Grün hatte. An der Deponie Lissa zog er dann ein Gespann aus dem Verkehr, bei dem der Hänger so weit mit Strauch- und Bäumchenwerk beladen war, dass der als solches nicht mehr zu erkennen war.

Kurioses und Pechvögel erlebt Frank Westphal häufiger. So war er 2014 mal auf Streife an der Unterführung in der Delitzscher Karl-Marx-Straße unterwegs, als ihm und dem Kollegen ein Transporter auffiel. Und als er noch sagen wollte, "der wird doch nicht ...", war es schon passiert und der Transporter scheiterte an der Durchfahrtshöhe von 2,40 Metern, das Plandach wurde eingedrückt. Aus stieg eine Frau, die sogleich fluchend in die Knie ging. Sie hatte ihren Umzug gefahren. Auf der letzten Tour nahm sie den verhängnisvollen Weg und büßte einige ihre Möbel ein. Nicht deutlich besser ging es einem Lkw-Fahrer, dem es den Wagen bei starkem Wind schon auf der Autobahn umgeweht hatte. Da gelang es noch, mit Hilfe von Brummi-Kollegen den Hänger wieder aufzurichten. Wenig später, in Wiedemarer Gefilden unterwegs, erwischte es den Brummipiloten das zweite Mal. Er gab bis zum Eintreffen des Unternehmens zum Bergen seines Lkw entnervt auf. Die tröstenden Worte gab es vom Bürgerpolizisten. Die waren auch nötig, als sich auf einem Parkplatz an der Autobahn ein neuwertiges Auto an einem der ersten Hitzetage dieses Jahres aufgrund eines technischen Defekts einfach verschloss. Die Eltern waren draußen und das vier Jahre alte Kind drinnen. Das Auto spielte nicht mehr mit, die Tür ließ sich nicht mehr öffnen. Binnen Minuten wird ein Auto an heißen Tagen zur Falle. Der Bürgerpolizist ließ es nicht drauf ankommen, auf den ADAC zu warten, sondern machte mit der Feuerwehr kurzen Prozess und zerschlug eine Scheibe.

Hart ins Gericht geht Frank Westphal jedoch mit Falschparkern. Vor allem jene, die Feuerwehrzufahrten und Behindertenparkplätze fälschlich blockieren, ärgern den Polizisten. Allein in diesem Jahr hat er weit mehr als 100 Verfahren gegen Falschparker auf Behindertenparkplätzen eingeleitet. Inzwischen hat er aufgehört, zu zählen. Der Bürgerpolizist beweist: Echte Polizeiarbeit ist nicht wie Serien wie CSI im Fernsehen. Es gibt keine wilden Verfolgungsjagden oder Supertechnik zur Verbrechensaufklärung - es geht oft um kleinere Delikte, Verkehrssünder, das gute Wort und den "Kommissar Zufall".

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 11.08.2015
Christine Jacob

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