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Delitzsch Krostitzer Chronik bringt Pfarrer in Versuchung
Region Delitzsch Krostitzer Chronik bringt Pfarrer in Versuchung
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15:20 19.05.2015
So könnte es gewesen sein: Pfarrer Simon Gerlach (gespielt von Alexander Wust) wird in seiner Studierstube von einer jungen Frau (gespielt von Melanie Böttcher) besucht und gerät in Versuchung. Quelle: Privat

Das Ziel ist eine DVD, die im Stile bekannter TV-Geschichtsdokus die satten 1050 Jahre Krostitzer Historie beleuchtet. Zeitzeugen kommen für die neuere Geschichte zu Wort, Fotos werden gezeigt, aber auch die Reise in die weite Vergangenheit wird in Filmsequenzen möglich.

Etliche Sequenzen sind schon im Kasten, freut sich Jens Beyer vom Arbeitskreis für Krostitzer Heimatgeschichte. Am Wochenende war das Team wieder aktiv, drehte mit Jungmimen. In der Szene ging es um den ersten Pfarrer der lutherischen Lehre in Krostitz. "Im Jahre 1543 trat Simon Gerlach sein Amt als Pfarrer in Krostitz an", blättert Jens Beyer in der Chronik, "er war somit der erste Pfarrer, der heiraten durfte und nicht nur Gott geweiht war." Sein Vorbild Martin Luther hatte das Zölibat verworfen, hielt die Enthaltsamkeit für unnatürlich. "Unsere Filmszene soll zeigen, dass auch unser erster evangelischer Pfarrer in Krostitz beziehungsweise damals Hohenleina diese Möglichkeit in der neuen Religion offiziell hatte", schildert Jens Beyer.

Einen Beweis dafür gebe es allerdings nicht, da die Krostitzer Kirchenbücher erst ab 1638 vollständig sind. Die Exemplare aus der betreffenden Zeit verbrannten im Dreißigjährigen Krieg. "Aber es ist allgemein bekannt, dass die ersten protestantischen Pfarrer auch in dieser Hinsicht dem großen Vorbild Martin Luther folgten und zumindest bei den Nachfolgern von Simon Gerlach in Krostitz ist der Kinderreichtum belegt", weiß der Chronist. Also ist im Film später zu sehen, dass der Pfarrer beim Anblick einer hübschen jungen Frau in Versuchung gerät.

Das Projekt ist längst nicht nur Sache des Arbeitskreises. Immer wieder gerne mischen Vereine wie der Theaterförderverein Priester und Privatpersonen bei den Drehs mit. Jens Beyer und seine Kollegen Volker und Steffen Heinrich sowie Richard Sandel kümmern sich mit der Hilfe vieler Freiwilliger schon seit 2006 darum, die Krostitzer Geschichte in eine Mischung aus Film und vertonter Foto-Präsentation zu verwandeln. Damals brachten sie drei alte Filme über Krostitz im Format von 16 Millimetern, gedreht zwischen 1943 und 1970, auf die Idee der bewegten Bilder. "In den vergangenen sieben Jahren wurden historische Szenen nachgestellt, Zeitzeugen befragt, Bilder gemalt, jede Menge Fotos sowie Dokumente gesammelt und alles eingescannt", schildert der Krostitzer.

Allerdings lässt sich Verzug bei der Geschichte nicht aufhalten. So hatte Jens Beyer im vergangenen Jahr noch gehofft, vielleicht schon Ende 2013 das Projekt abschließen zu können. Es kommt immer mehr dazu, neue Perspektiven ergeben sich - ein Mammutprojekt. "Nach jetziger Einschätzung wird wegen des umfassenden Materials bis zur Fertigstellung noch mindestens ein Jahr vergehen", schätzt Jens Beyer nun.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 06.11.2013
Christine Jacob

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