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Delitzsch Krostitzer wandelt auf den Spuren einer Ur-Ahnin und plant Buchreihe
Region Delitzsch Krostitzer wandelt auf den Spuren einer Ur-Ahnin und plant Buchreihe
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Der Krostitzer Waldemar Horster will eine Reihe zum Thema "Geschichtsfälschung am Pranger" publizieren. Quelle: Andre Kempner
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Krostitz. Bis ins 17

Eine von ihnen, die 1772 geborene Wilhelmine Horster, erlangte als Geliebte von König Friedrich Wilhelm II. kleine Berühmtheit. Die Autorin Sonja Schnitzler arbeitete deren Geschichte in dem 2008 veröffentlichten Buch "Ich küsse dir in Gedanken" auf.

Doch der Krostitzer Waldemar Horster, Ahnenforscher aus Passion, ehemals Berliner Kriminalkommissar und später leitender Ingenieur und promovierter Betriebswirt, sieht seine Vorfahren falsch dargestellt. Horster wirft der Autorin Schnitzler vor, ungenau gearbeitet und aus den Biografien mehrerer Personen eine gemacht zu haben. So werden im Abschnitt "Wilhelmine Horster - eine Spurensuche" drei Lebens-abschnitte Wilhelmines beschrieben. Wilhelmine als Geliebte, dann als Leiterin eines Mädchenpensionats, schließlich als Wäscheaufseherin im Königsschloss.

"Schon beim flüchtigen Überblättern erkannte ich neben anderen Ungereimtheiten, dass es sich in der Erzählung nicht um das Schicksal einer Frau, sondern von drei verschiedenen Personen der Familie Horster handelt", erzählt der Ahnenforscher. Er spricht sogar von "Geschichtsfälschung", wofür die Tatsache spreche, dass die Autorin herangezogene Literatur nicht wahrheitsgetreu wiedergegeben habe. "Es kann nicht sein, dass Schnitzlers Buch in Universitätsbibliotheken steht und von namhaften Historikern als Wahrheit angesehen wird", ärgert sich Waldemar Horster. Zu sei-nem 90. Geburtstag hat er nun den druckreifen Entwurf seiner Darstellung unter dem Titel "Die geheimnisumwitterte Commissionsräthin" als ersten Band der von ihm geplanten Reihe "Geschichtsfälschungen am Pranger" vorgestellt.

Horster hat in der Vergangenheit wiederholt kritische Vorträge vor internationalem Publikum gehalten über die von "Sonja Schnitzler geschriebenen romanhaften Erfindungen, denen sie den äußeren Anstrich historischer Wahrheit gegeben hat". Jetzt sieht er sich aufgrund eigener Forschungen in der Lage, bisher unbekannte und interessante Einzelheiten aus dem Leben von Wilhelmine zu veröffentlichen. Für ihn ist sie, die verheiratete "Commissionsräthin", im Gegensatz zu Sonja Schnitzlers Figur eine "der bedeutendsten Frauengestalten jener Epoche, um deren Gunst sich preußische Minister und ausländische Diplomaten bemühten".

Waldemar Horster ist überzeugt, dass er die Geschichte seiner Urahnin richtigstellen und veröffentlichen muss, weil dank seiner Erkenntnisse die historische Forschung der "Wilhelminischen Epoche Preußens neue Impulse erhält" und es zugleich Hinweis und Warnung sei: "Schludereien und Fälschungen werden früher oder später aufgedeckt."

Lucas Grothe und Thomas Steingen

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