Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Delitzsch Krumme Nummern mit Fahrrädern: Amtsgericht verurteilt Delitzscher
Region Delitzsch Krumme Nummern mit Fahrrädern: Amtsgericht verurteilt Delitzscher
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:34 10.03.2016
Das Amtsgericht Eilenburg hat einen Delitzscher wegen Diebstahls beziehungsweise Hehlerei verurteilt. Quelle: Wolfgang Sens
Anzeige
Delitzsch/Eilenburg

Das Thema Fahrraddiebstähle gehört bei der Polizei in Delitzsch zum Alltagsgeschäft. Kaum eine Woche, in der nicht irgendwo im Stadtgebiet Drahtesel abhanden kommen. Mitunter gelingt es allerdings, Diebesdepots auszuheben. Dann sind es nicht selten alte Bekannte, bei denen die Beamten fündig werden. Manchmal sogar Familienväter, die den rechten Weg verlassen haben.

Jan S. ist so einer. Gelernter Maurer, seit Längerem arbeitslos und auf Hartz IV angewiesen. Fünf Kinder zwischen 4 und 18 Jahren tragen seine Gene, doch von Familienidylle keine Spur. Die letzte Beziehung sei vor drei Jahren gescheitert, erzählte der gebürtige Leipziger. Seitdem lebt S. allein in einer Wohnung in Delitzsch-Nord, hat viel Freizeit und einen Hang zum Schrauben. „An Fahrrädern rumzubasteln, ist so ein Hobby von mir. Das wissen auch viele und bringen mir immer mal Teile vorbei.“ Pech nur, dass wenigstens einiges davon als gestohlen galt – und die Staatsanwaltschaft Jan S. für einen Hehler oder Dieb hält.

Keine Ahnung, dass die Räder gestohlen sind

Diese Woche saß der 37-Jährige auf der Anklagebank des Amtsgerichts Eilenburg. Er sei kein Täter, sondern ein Opfer, beteuerte er. Er habe nicht geahnt, dass die Fahrräder gestohlen waren. Eine zweifelhafte Aussage, der weder die Staatsanwaltschaft noch Gericht Glauben schenkten. Schließlich war die Polizei nicht nur einmal bei Jan S. zu Gast. Dreimal binnen einiger Monate gab es Durchsuchungen in Wohnung und Keller, dreimal wurde heiße Ware gefunden. Unter anderem zwei Herrenräder und drei Mountainbikes, jeweils im Wert von bis zu tausend Euro, zum Teil fast ladenneu, jedoch mit abgefeilter Rahmennummer. Keine typischen Ausschlacht-Drahtesel. Die Räder stammten aus Delitzsch-Nord und -Ost sowie aus der Altstadt.

Geldquelle für den Drogenkonsum

Anklagebehörde und Gericht gehen davon aus, dass S. die Gefährte neu zusammenbaute und weiterverkaufte, um seinen Drogenkonsum zu finanzieren. Der Delitzscher braucht nach eigenen Angaben täglich 20 Euro für Crystal. Unsicher war nur, ob er selbst die Räder gestohlen hatte oder ob er ausschließlich beliefert wurde. Ein anderer Delitzscher, den S. als Hauptversorger benannte, ist ebenfalls polizeibekannt. Vorgeworfen wurde dem 37-Jährigen zudem ein Einbruch ins Sportlerheim des ESV im Februar 2015. Ein 600 Euro teures Laubgebläse sowie eine Tasche mit Boxausrüstung im Wert von rund 1000 Euro wurden bei ihm direkt nach dem Bruch gefunden. Ebenso Bolzenschneider und gebogener Draht.

Das Gericht gab dem bereits vorbestraften Jan S. eine letzte Chance auf ein Leben in Freiheit: ein Jahr Haft, ausgesetzt zur Bewährung. Er soll schnellstmöglich eine Suchttherapie beginnen. Und gemeinnützig arbeiten – um nicht wieder ins Schrauben zu verfallen.

Von Kay Würker

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Schöne Sauerei: In die Briefkästen am Schulze-Delitzsch-Center in Delitzsch wurde eine große Menge Bauschaum gesprüht. Die Polizei sucht nach den Tätern. Wer Hinweise zum Tathergang geben kann, soll sich bei den Beamten melden. Es winkt eine Belohnung von 500 Euro.

09.03.2016

All-on-Sea-Geschäftsführer Michael Glaser setzt beim Vorhaben Seelhausener See auf einen kompletten Neuanfang. Er selbst habe die Projektleitung Sausedlitzer Strand übernommen und will vor allem mit den Leuten vor Ort zusammenarbeiten.

09.03.2016

Auf die geforderte Ortsumfahrung müssen die Hohenossiger noch warten. Zur Verminderung des Lärms in der Ortslage lässt das Landesamt für Straßenbau und Verkehr auf Drängen der Gemeinde Krostitz in diesem Jahr zumindest den Straßenbelag erneuern. Er soll die Rollgeräusche der Autos reduzieren.

08.03.2016
Anzeige