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Kürzungen - Jugendhelfer schlagen Alarm

Kürzungen - Jugendhelfer schlagen Alarm

 

Kreisgebiet. Sachsen plant, die Förderung für Jugendhilfe um 7,7 Millionen Euro zu kürzen. Das wären knapp zehn Prozent weniger als bisher. Pro Jugendlichen zahlte der Freistaat an Kommunen und Kreise bisher 14,30 Euro, künftig sollen es noch 10,40 Euro sein.

Sollte dies so durchgesetzt werden, bekäme der Landkreis Nordsachsen 200000 Euro weniger.

In Nordsachsen gab es 2008 noch 865834 Euro für die Jugendarbeit. Ein Jahr später waren es noch 759430 Euro. Für dieses Jahr stünden, ohne Streichung, 728828 Euro zur Verfügung. Wenn auf 10,40 Euro pro unter 27-Jährigen gekürzt würde, gäbe es ungefähr 200000 Euro weniger. Die Entwicklungen bis 2009 waren ausschließlich im Rückgang der unter 27-Jährigen begründet. „Bisher kennen wir die Ankündigungen nicht offiziell. Wir wurden weder mündlich noch schriftlich informiert“, sagte Rayk Bergner, Sprecher der Landkreisverwaltung, gestern auf Anfrage der Kreiszeitung.

In der Praxis droht nun beispielsweise Jugendklubs und Beratungsstellen das Aus. Einschnitte werden beim Freiwilligen Sozialen Jahr, bei Streetworkern, Angeboten, der Suchtberatung und in den Verwaltungsstrukturen der Freien Wohlfahrtspflege befürchtet.

„Die Pläne der Landesregierung insbesondere des Sozialministeriums, die Jugendhilfepauschale noch für das laufende Jahr zu kürzen und das im laufenden Haushaltsjahr ohne vorherige Hinweise ist unverantwortlich und ohne jedes Beispiel sozialer Verantwortung. Nicht nur, dass die Kürzungen zu erheblichen Einschnitten in der Jugendarbeit führen werden, sind die Kommunen und Freien Träger nicht mal in die Lage versetzt worden, zu reagieren“, kritisierte Bad Dübens Bürgermeisterin Astrid Münster (FWG). Im Vertrauen auf die Förderung des Freistaates und im Sinne einer Kontinuität der Jugendarbeit hätten viele Freie Träger die Projekte fortgesetzt, seien in Vorleistung gegangen, hätten Mitarbeiter eingestellt oder Arbeitsverträge verlängert. Diese kurzfristige Denkweise der Landesregierung sei katastrophal für die Jugendarbeit und für die Fachkräfte. Münster ruft alle kommunalpolitisch Verantwortlichen auf, sich gegen diese Kürzung auszusprechen. „Sachsen verschenkt seine Zukunft, seine Jugend“, ist eine erste Stellungnahme des Facharbeitskreises Kinder- und Jugendarbeit (FKJ) Nordsachsen überschrieben. Diese Kürzungen ziehen einen Dominoeffekt weiterer Kürzungen finanzieller Mittel (Cofinanzierung des Landkreises, der Städte und Gemeinden, der Träger, Wegfall von Projekt- und Stiftungsgeldern) nach sich. Aus der Verzahnung der Finanzierungen wird sich somit die Summe der Kürzungen mehr als verdoppeln, heißt es in einer Pressemitteilung des FKJ.

Das Limit aller Beteiligten sei schon lange erreicht. Mit dem Wegbrechen qualifizierter Angebote werden Tür und Tor für extremistische Gruppen geöffnet. Dies widerspreche den Aussagen des 3. Sächsischen Kinder- und Jugendberichtes, der Jugendhilfe als wichtigen Kooperationspartner im Bildungsgeschehen sehe. „Die Leidtragenden sind die Zielgruppe unserer Arbeit. Jeder Jugendliche hat das Recht, in seiner Region zwischen verschiedenen Angeboten der Jugendhilfe zu wählen. Das Ziel der Jugendarbeit, Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung zu eigenständigen und gemeinschaftsfähigen, selbstständig denkenden und handelnden Persönlichkeiten zu fördern, wird dadurch gefährdet“, so Torsten Pötzsch vom FKJ und DRK-Kreisverband.

Der Facharbeitskreis ruft alle Einrichtungen und Projekte der Jugendarbeit auf, die Unterschriftenaktion gegen diese Kürzungen zu unterstützen. Und er erklärte den Donnerstag zum „Protesttag“. An diesem Tag bleiben Einrichtungen geschlossen und fallen geplante Ferienprojekte aus. So auch in Eilenburg. Das Team des Jugendhauses Flash teilte mit, dass es gezwungen sei, den Jugendtreff auf dem Eilenburger Berg am Donnerstag ab 14 Uhr zu schließen. Der Ferienausflug in das Erlebnisbad Sachsen-Therme ist ebenfalls abgesagt. Grund: Die Mitarbeiter der Sozialen Dienste der Arbeiterwohlfahrt, zu der das Flash gehört, treffen sich zur Versammlung im Poly in Bad Düben. Hauptschwerpunkt der schnell einberufenen Krisensitzung sind die geplanten Kürzungen.

Frank Pfütze

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