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Kur für Kläranlage

Kur für Kläranlage

Seit mehreren Jahren arbeitet der Abwasserzweckverband Delitzsch (AZVD) an der verfahrenstechnischen und energetischen Optimierung seiner Kläranlage. Kernstück in diesem Jahr ist die Umstellung der biologischen Reinigung des Abwassers von derzeit wechselseitiger auf künftig simultaner Belüftung.

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Das dritte Belüftungsbecken soll als Mischwasserspeicher umfunktioniert werden.

Quelle: Thomas Steingen

Delitzsch. Zudem bereitet der Verband die Anlage darauf vor, mehr Mischwasser aufzunehmen.

„Von der Optimierung erhoffen wir uns bei Realisierung aller geplanten Maßnahmen eine Energieeinsparung von bis zu 20 Prozent, bezogen auf das Jahr 2010“, verdeutlicht Andreas Brauer, Technischer Leiter des AZVD, die Dimension der Investition. Bisher werden die beiden Klärbecken wechselseitig mit Abwasser beschickt. In einem wird Luft zur Stickstoffoxidation eingeblasen, sodass Ammoniumstickstoff in Nitrat umgewandelt (Nitrifikation) wird. Ist dieser Prozess abgeschlossen, wird durch Bakterien der Nitratsauerstoff veratmet (Denitrifikation), wobei der entstehende atomare Stickstoff in die Atmosphäre entweicht. Beide Prozesse wechseln sich in den beiden Klärbecken ab. Nachteil: „Wenn Probleme auftauchen, muss die Anlage manuell gesteuert werden“, sagt Produktionsleiter Ingo Klaus. „Beim neuen Verfahren können wir beide Becken gleichzeitig beschicken und im automatischen Betrieb einzelne belüftete Zonen – sechs je Becken – getrennt zu- oder abschalten.“ Verbunden sei die Umstellung mit dem Einbau neuer Mess-, Steuer- und Regeltechnik, die die alten Geräte, die nun schon rund 20 Jahre lang im Dienst sind, ablösen. „Mit der neuen Technik lässt sich die Anlage präziser steuern und effizienter betreiben“, so Ingo Klaus.

Derzeit werden auf dem Gelände die Steuerkabel für die Messtechnik verlegt. Bereits in den vergangenen drei, vier Jahren hat der AZVD Belüftungselemente, Pumpen, Gebläse und andere Teile, die energetisch sparsamer arbeiten als ihre Vorgänger, austauschen lassen und die Becken somit schon für die Technologieumstellung vorbereitet.

Die Optimierung der Kläranlage ist aber auch eine Maßnahme des Abwasserzweckverbandes, um die künftig erhöhten Anforderungen an die Wasserqualität des Lobers zu gewährleisten. „Um das Kanalnetz der Stadt zu entlasten, wird künftig mehr Mischwasser über die Kläranlage laufen und gereinigt in den Lober abgegeben werden“, erläutert Andreas Brauer das Prinzip. Um eine hydraulische Entlastung des Kanalnetzes zu erreichen, will der AZVD 2014 das dritte Belebungsbecken, das für die biologische Reinigung nicht mehr benötigt wird, als Mischwasserspeicher nutzen. Dieses Becken hat ein Volumen von 6000 Kubikmeter. Zum Vergleich: das Speicherbecken in der Erzbergerstraße fasst 750 Kubikmeter. „Mit dem großen Becken auf der Kläranlage sparen wir Kosten bei der Sanierung des Kanalnetzes, weil wir dort auf große Mischwasserspeicher verzichten können“, so Brauer.

Wie der technische Leiter weiter informiert, wird sich der AZVD ab 2015 zudem mit der Schlammbehandlung auf der Kläranlage beschäftigen. Dann wird zu klären sein, ob der Verband eine anaerobe Schlammstabilisierung (Faulung) bevorzugt oder weiterhin eine aerobe Stabilisierung unter Zugabe von Luftsauerstoff praktiziert. Abhängig sei die Entscheidung von vielen Faktoren wie zum Beispiel der Entwicklung der Energiekosten. Ebenso sei zu berücksichtigen, wer den Schlamm zu welchen Bedingungen abnehme. „Mit der jetzigen Umstellung der Technologie der Kläranlage halten wir uns aber beide Optionen für die Schlammbehandlung offen“, betont Andreas Brauer. In diesem Jahr hat der Verband für die Investitionen auf der Kläranlage 350000 Euro im Wirtschaftsplan berücksichtigt.

Thomas Steingen

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