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Landrat Kai Emanuel ist ein Jahr im Amt

Interview Landrat Kai Emanuel ist ein Jahr im Amt

Kai Emanuel (parteilos) ist am 27. August genau ein Jahr Landrat des Landkreises Nordsachsen. Im Interview spricht er über die vergangenen zwölf Monate, die vor allem vom Thema Asyl geprägt waren, über Baden im Werbeliner See und Bundesbürokratie.

Landrat Kai Emanuel mit dem Liegerad unterwegs.

Quelle: Wolfgang Sens

Nordsachsen. Kai Emanuel (parteilos) ist am 27. August genau ein Jahr Landrat des Landkreises Nordsachsen. Der 48-Jährige konnte sich damals gleich im ersten Wahlgang mit 51,7 Prozent gegen vier Konkurrenten durchsetzen, holte in allen Städten und Gemeinden des Landkreises die meisten Stimmen. Im Interview spricht er unter anderem über die vergangenen zwölf Monate, die vor allem vom Thema Asyl geprägt waren, über seinen Stil, Baden im Werbeliner See und Bundesbürokratie.

Wie schnell ist das vergangene Jahr für Sie verstrichen?

Sehr schnell, weil es eine sehr intensive Zeit war. Ich war gut beschäftigt, hatte einige Themen auf dem Tisch, da vergeht Zeit schnell.

Wie viel Ehemann und Vater bleibt vom Landrat Kai Emanuel übrig?

Die Kinder sind erwachsen, die Pantoffeln stehen immer noch hinter der Tür, noch nicht davor.

Um welche Erfahrung sind Sie jetzt reicher?

Ich wusste, worauf ich mich einlasse, was auf mich zukommt. Ich wusste, dass ich die Themen als Landrat nicht ausschließlich aus finanzieller Sicht betrachten kann. Ich habe den großen Vorteil, dass meine engsten Mitarbeiter und Dezernenten seit vielen Jahren ihren Job in hoher Qualität erledigen. Davon profitiere ich als Landrat, darum macht die Arbeit auch Spaß.

Welches Thema hat Sie am stärksten und meisten beschäftigt und gefordert?

Eindeutig die Unterbringung der Asylbewerber. Ich danke da vor allem Dezernentin Angelika Stoye. Wir haben es geschafft, ohne Turnhallen auszukommen. Wir mussten unpopuläre Entscheidungen treffen. Heute kann ich sagen, wir haben die Aufgabe bisher gelöst. Die Strukturen, vor allem mit Blick auf Wohnungen, sind entwickelt, die Zugangszahlen geringer geworden.

Sie haben nach Ihren ersten 100 Tagen die Bundesregierung kritisiert, sie solle für mehr Akzeptanz in der Bevölkerung sorgen und damit auch die Landräte und Bürgermeister entlasten. Was ist daraus geworden?

Es hat sich etwas Ungeduld breit gemacht, weil die Bundesbehörden nicht so schnell und flexibel auf die aktuellen Themen reagierten und etwas langsamer unterwegs waren. Wenn die Bundesbürokratie einmal läuft, dann läuft sie.

Es werden auch mehr Asylbewerber abgewiesen, bisher über 13 000, schon 5000 mehr als 2015. Wie schlägt sich das hier nieder?

Die Zugangszahlen sind deutlich gesunken, von 150 pro Woche auf 75 im Monat oder eben unter 20 in der Woche. Momentan leben hier 1800 Asylsuchende. Natürlich weiß keiner, was die Zukunft bringt.

Ein bisschen untergegangen sind Ihre persönlichen Bemühungen beispielsweise um den Breitbandausbau. Wo steht Nordsachsen da heute?

Man könnte den Eindruck haben, die Verwaltung habe nur Asyl gemacht, das ist aber keinesfalls so. Viele Themen, auch jene, die ich konkret vor der Wahl versprochen habe, wurden voran gebracht. Nennen möchte ich hier Mobilität, Erhalt des Schulnetzes, Anbindung des ländlichen Raums, Wirtschaftsförderung, Infrastruktur und nicht zuletzt natürlich Breitband. Wir warten händeringend auf die Bestätigung der Fördermittel, die uns vom Bund für September avisiert werden. Das ist die Grundlage, um in den kommenden Jahren gemeinsam mit den Städten und Gemeinden den Ausbau zu bewerkstelligen – flächendeckend mindestens 50 Mbit/s das ist das Ziel. Hier war viel Abstimmungsarbeit in der Vorbereitung notwendig.

Stichwort Infrastruktur und Verkehrswegeplan – wie sieht es mit den Bundesstraßen aus?

Ich halte unsere Region mit B 87 und B 2 angemessen berücksichtigt. Es gab ja viele laute Statements. Hier habe auch ich mich klar positioniert und glaube mit leisen Tönen in mehreren konstruktiven Gesprächen mit dem Land manches erreicht zu haben. Die B 87 wird derzeit zwischen Torgau und Mockrehna bedarfsgerecht ausgebaut, einige Abschnitte sind schon fertig und ein weiterer wird sich in den kommenden Jahren anschließen. Ob es gelingt, den Bedarf für eine Ortsumfahrung Torgau zu belegen, wird die Zukunft zeigen. Auch was die B 2 betrifft, dort sind wir im vordringlichen Bedarf und damit heute wesentlich weiter als noch vor einem Jahr. Die Ortumfahrungen Wellaune und Hohenossig sind deutlich vor 2025 fertig, damit rechne ich.

Das Feld, das Sie beackern, ist groß, reicht vom Wolf bis zum Werbeliner See, vom Biomassekraftwerk bis zum Milchpreis in der Landwirtschaft. Wie gehen Sie da als Landrat ran?

Ich kann auf eine starke Verwaltung zurück greifen mit sehr motivierten Kolleginnen und Kollegen. Wichtig sind Glaubwürdigkeit, Transparenz und Kommunikation. Natürlich gibt es auch Problem-Themen und auch verschiedene Standpunkte in einer Demokratie. Umso wichtiger sind die eingangs erwähnten Punkte, auch im Umgang untereinander, mit Bürgermeistern und Oberbürgermeistern. Mit 1300 Beschäftigten ist natürlich auch die interne Kommunikation wichtig.

Wie sinnvoll sind mit Blick darauf Verwaltungsstandorte in allen Städten?

Auch das ist ein Thema, dem wir uns stellen müssen. Ich mag die direkte Kommunikation, das ist mit vier Standorten so nicht möglich.

Die Wellen um den Werbeliner See schlagen hoch. Sie sind Delitzscher, würden Sie gerne dort baden?

Sollte ich wohl momentan nicht.

Wie sieht Ihre Wunsch-Lösung aus?

Wir müssen mit den Städten und Gemeinden eine Lösung finden, mit der alle leben können. So, wie ich das sehe, wird es ein klares Bekenntnis zu einer Badestelle am See geben.

Und dann gehen Sie dort baden?

Na klar.

Nach 100 Tagen im Amt haben Sie gefordert: Wir dürfen den Optimismus nicht verlieren. Wie optimistisch sind Sie heute?

Ich bin weiterhin optimistisch. Ich glaube an den Landkreis, seine Menschen und eine positive Entwicklung hier. Ich versuche, diesen Optimismus nach außen zu tragen.

Warum sind Sie immer noch parteilos?

Es hat sich nicht ergeben! Für einen Landrat haben das Wohl und die Interessen des Landkreises im Vordergrund zu stehen. Dabei spielt das Parteibuch für mich keine übergeordnete Rolle.

In der öffentlichen Wahrnehmung unterscheiden Sie sich deutlich von Ihrem Vorgänger Michael Czupalla. Wie zurückhaltend sehen Sie sich selber?

Ich glaube, es ist kein Geheimnis, dass wir uns im Wesen gänzlich unterscheiden. Mein Anspruch ist es, das Amt mit meinem Stil auszufüllen und eigene Akzente zu setzen. Mir fällt dazu ein Sprichwort ein: „Was du sagst, verweht im Wind – Nur was du tust, schlägt Wurzeln.“ Von daher bedeutet dies zweistellige Arbeitsstundentage und ein straffes Pensum. Aber ich glaube, in einem Punkt unterscheiden wir uns tatsächlich deutlich. Die große Bühne ist nicht mein Ding. Sie können aber sicher sein, wenn ich der Meinung bin, etwas sagen zu müssen, dann tue ich das auch.

Was wünschen Sie sich vor allem für die kommenden zwölf Monate?

Ich blicke auf ein ordentliches Jahr in einer gesunden Verwaltung zurück. Wir sind gut aufgestellt, um uns auch zukünftig der Herausforderung zu stellen, Dienstleister für unsere Menschen in Nordsachsen zu sein. Und dafür wünsche ich uns allen Kraft, Gesundheit und natürlich auch den nötigen Optimismus.

Von Frank Pfütze

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