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Lautstarker Protest gegen Lärmschutzwände in Zschortau

Lautstarker Protest gegen Lärmschutzwände in Zschortau

Zwei Stunden Diskussion um die Lärmschutzwand - und der Lärm im Zschortauer Bürgerhaus wurde immer stärker. "Dann sind wir ja abgeschottet!" - "Was gibt es denn für Alternativen?" - "Wir wurden nicht mal gefragt, ob wir die Mauer wollen!" Immer wieder meldeten sich Anwohner zu Wort, machten ihrem Unmut Luft.

Zschortau. Bis Bürgermeister Manfred Freigang (UWR) die Reißleine zog: "Zur nächsten Gemeinderatssitzung fassen wir einen Baubeschluss. Dann bekommt die Bahn Bescheid, ob die Wand gebaut werden soll oder nicht."

Worum geht es? Um einen drei Meter hohen Lärmschutz links und rechts der Bahnlinie im Rackwitzer Ortsteil Zschortau. Die LVZ berichtete bereits mehrfach über das Vorhaben, am Mittwochabend gab erstmals die zuständige Projektleiterin persönlich Auskunft. Geplant ist demnach eine Barriere aus Aluminium, die sich westlich der Gleise über 828 Meter entlang der Straße Am Bahnhof, vorbei am Quermorgen bis zur Böttcherstraße zieht. Auf der östlichen Seite sollen auf 431 Meter Länge vor allem die Anwohner der Selbener Straße geschützt werden. Die Alu-Elemente sind mit Dämmwolle versehen, absorbieren den Schall. Im Bereich des Bahnsteiges sollen sie ein transparentes Sichtfenster bekommen, ansonsten sind sie blickdicht. Die Farbgestaltung darf die Gemeinde festlegen.

Kosten dieser Maßnahme: rund 2,3 Millionen Euro, komplett vom Bund finanziert. "Auf diesen Schutz besteht kein Rechtsanspruch, er wird vom Bund freiwillig realisiert", betonte Projektleiterin Sabine Müller von der DB Projektbau GmbH. Die Grundlage bildet das Gesamtkonzept Lärmsanierung, wonach bis zum Jahr 2030 rund 3700 Schienenkilometer mit Schalldämmung ausgestattet werden sollen. Dass Zschortau als einzige Kommune im Delitzscher Raum zum Zuge kommt, liegt an der vergleichsweise hohen Lärmbelastung für die direkten Anwohner, deren Häuser teilweise nur einige Meter vom Gleis entfernt stehen.

Doch gerade diese Nähe macht die Maßnahme zum Politikum: Die Mauer vorm Grundstück erzeugt bei diversen Betroffenen Frust. Zum Beispiel bei Rüdiger Nicolai: "Die Wand soll bis zu 9,3 Dezibel Lärm reduzieren. Den Unterschied merkt man doch gar nicht", monierte er. Günter Klubertanz, dessen Ingenieurbüro das schalltechnische Gutachten erstellt hat, verwies auf die logarithmische Größe: "Wenn ich ein Geräusch um zehn Dezibel verringere, höre ich es nur noch halb so laut." Ausgerichtet sei die Maßnahme auf 75 Gebäude, wobei 20 noch zusätzlichen passiven Schallschutz erhalten sollen, wie etwa spezielle Fenster. "Voraussichtlicher Baubeginn wäre im ersten beziehungsweise zweiten Quartal 2016", prognostizierte Sabine Müller.

Wäre - sofern die Gemeinde mitzieht. Die rund 50 Gäste am Mittwochabend signalisierten vor allem eines: Lärmschutz ist willkommen, aber nicht so. Mehr transparente Elemente wären schön, doch die, so Müller, seien pro Quadratmeter fünfmal so teuer und würden vom Bund nicht gefördert. Niedrigere Wände? "Deren Wirkung reicht nicht aus."

Am 28. Mai soll der Gemeinderat die Weichen stellen. Fällt die Entscheidung gegen die Mauer, würden die Eigentümer der von Grenzwertüberschreitung betroffenen Häuser angeschrieben - mit dem Angebot, die Gebäude mit passivem Schutz auszustatten, erklärte Klubertanz. Diese Lösungen seien dann individuell vereinbar, allerdings mit 25 Prozent privatem Kostenanteil. © Kommentar

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 02.05.2015
Kay Würker

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