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Lehrer Jopp zeigt Gesicht als halber Kabarettist

Lehrer Jopp zeigt Gesicht als halber Kabarettist

Noch immer ist das Textheft der tägliche Begleiter für Jens-Uwe Jopp. In einem Tag muss der Text dann sitzen, wenn es heißt "Schiller im Burnout - Wer braucht diesen Mann?".

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Dem Schuldirektor abgeschwatzt und jetzt Requisit: Mit der Schiller-Büste wird Lehrer und Kabarettist Jens-Uwe Jopp (49) in seinem neuen Bühnenprogramm ein Schwätzchen halten - und dann sein ganzes Gesicht zeigen.

Quelle: Andreas Döring

Delitzsch. Den Auftakt seines neuesten Programmes gibt Jopp morgen Abend im Markt Zwanzig in Delitzsch. In dem Einpersonenstück wird der deutsche Schriftsteller und Philosoph Friedrich Schiller mit der Gegenwart konfrontiert. Er begibt sich auf Jobsuche. Eine Aufgabe, die dem facettenreichen Intellektuellen schwerer fällt als gedacht. Fühlt er sich doch irgendwie fehl am Platz, wenn er auf Ärzte, Lehrer oder Bundeswehrler trifft.

Es ist nicht ungewöhnlich, dass Jopp mit seinem nunmehr dritten Satire-Programm in Delitzsch Premiere feiert. In der Rosenstadt bewegt sich der gebürtige Leipziger in vertrauten Gefilden. Hier begleitete er als Gymnasiallehrer für die Fächer Deutsch und Geschichte Schüler fast eine Dekade lang auf ihrem Weg zum Abitur. Und auch als Kabarettist machte er schon im Schlosskeller oder in der Schenkenberger Pfarrscheune halt. Die Bühne und der Klassenraum - für Jopp zwei Orte, an denen er sich wohlfühlt. Der Lehrerberuf steht für den 49-Jährigen allerdings ganz klar vor dem des Bühnenhelden. "Ich sehe mich nicht als großer Künstler. Kabarett ist für mich Teil meines pädagogischen Portefeuilles. Das Parodieren gehört im Unterricht dazu."

Dass Jopp seine Schüler über den Unterricht hinaus für die Magie des Theaters begeistern will, war schon während seiner Studienzeit klar wie Klärchen. Als Referendar am Humboldt-Gymnasium in Leipzig gründete er 1992 eine Schultheatergruppe. 1994 kam der frisch gebackene Absolvent dann mit einem ganzen Schwung junger Lehrer an das ebenso junge Oskar-Reime-Gymnasium nach Delitzsch und stellte auch hier Theatergruppen auf die Beine. "Unter den Schülern gab es ein großes Bedürfnis Theater zu spielen. Der Andrang war riesig", erinnert sich Jopp. Er hatte große Pläne, wollte das Delitzscher Kulturleben aufmöbeln. Das gelang ihm auch, in einer Zeit, in der alle mit anpackten - Schüler, Lehrer und Eltern. Mit Stolz und Dankbarkeit, der künstlerischen Szene in Delitzsch unter die Arme gegriffen zu haben, ging Jopp 2003 zurück in seine Heimatstadt und ist dort bis heute am Schiller-Gymnasium beschäftigt. Neben seiner Lehrtätigkeit widmet er sich an der Schule - wie könnte es anders sein - der Theaterarbeit, die mittlerweile Teil des Kursprogrammes geworden ist. Doch allein zum Spielleiter wollte sich Jopp in den ganzen Jahren nicht abstempeln lassen; ihn zog es auch selbst ins Rampenlicht. Angefangen im Studentenkabarett "Die Pauker" in Leipzig, brachte ihn sein Talent zu den Profis. Zwischen 1998 und 2002 war Jopp Teil des Leipziger SanftWut-Ensembles. Danach reiste er mit seinen zwei Solo-Programmen "Bei Schläfer - Stellungskrieg am Gartenzaun" (2003 bis 2005) sowie "Nieder mit dem Kaiser" (2006) durch die Region, fand in dem Leipziger Kabarettisten Meigl Hoffmann einen neuen Bühnenpartner (2009), und beteiligte sich zuletzt am Leipziger Aktionsnetzwerk "Essenz".

Künstler- und Lehrerdasein unter einem Hut zu bekommen, brachten Jopp oftmals an die Grenzen seiner Kräfte. Es trieb ihn aber weiter, diese Leidenschaft, und heute ist Jopp zurück. Mit neuer Energie und einem neuen Programm. "Schiller im Burnout - Wer braucht diesen Mann". Job gibt offen zu, dass er mit diesem berühmten Deutschen ein Steckenpferd reitet. In den vergangenen Jahren hat er sich ausgiebig mit den Werken Schillers beschäftigt, nicht zuletzt, weil er am Schiller-Gymnasium lehrt. Jopp lernte den Schriftsteller von seiner anderen Seite, der des Humanisten und Philosophen, besser kennen. In "Schiller im Burnout" will Jopp diese Seite dem Publikum nahe bringen. "Wichtig ist mir die Verbindung zwischen der Person Schiller als Vorbild und als Forschungsgegenstand." Mit auf die Bühne kommt auch das entsprechende Utensil, eine Schiller-Büste. Jopps virtueller Gesprächspartner.

Verlosung: Wir verlosen zweimal eine Eintrittskarte für die Premiere morgen, um 20 Uhr, im Markt 20 in Delitzsch. Rufen Sie bitte heute, ab 14 Uhr, unter 034202 51360 an. Die ersten zwei Anrufer haben Glück.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 19.02.2015
Victoria Graul

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