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Leit- oder Leidbild? Delitzsch will sich neue Ziele stecken

Stadtwandel Leit- oder Leidbild? Delitzsch will sich neue Ziele stecken

„Delitzsch 2015 – Stadt im Wandel“ ist das Leitbild der Stadt überschrieben. 2015 geht zu Ende. Es ist Zeit, Bilanz zu ziehen und sich neue Ziele zu stecken, erklärt der Delitzscher Oberbürgermeister Manfred Wilde (parteilos). Dabei wird klar, dass ein Leitbild an manchen Stellen auch zum Leidbild werden kann.

Das Schulze-Delitzsch-Center sollte einst, so das Leitbild, zur Belebung des Marktes beitragen. Wirklich geglückt, so auch OBM Manfred Wilde, ist das nicht.

Quelle: Wolfgang Sens

Delitzsch. Zehn Jahre alt würde nächstes Jahr das Leitbild der Stadt, im Frühjahr wird es zur Diskussion gestellt. „Delitzsch 2015 – Stadt im Wandel“ nennt sich das Papier und ist – nicht nur was die Jahreszahl betrifft - längst an manchen Stellen überholt. Ein gemischtes Fazit zieht Oberbürgermeister Manfred Wilde (parteilos) zum Fahrplan, den er selbst mal erstellt hat.

Das Leitbild hat der amtierende Oberbürgermeister, damals noch Museumschef, 2006 als Leiter des Arbeitskreises Stadtmarketing mit aus der Taufe gehoben und damals federführend moderiert. Der Stadtrat verabschiedete es im Oktober 2006 einstimmig. Immer wieder mal wurde das Papier, in der Zwischenzeit von sechs auf acht Seiten angewachsen, fortgeschrieben – zuletzt 2012 um den Aspekt der Energiefragen ergänzt. 2016 könnte es den großen Umstoß erleben.

Das Leitbild soll roter Faden für die Entscheidungen von Stadtrat und Verwaltung sein, umfasst acht Punkte wie „Standortentwicklung und Wirtschaft“, „Stadtentwicklung, Verkehr und Infrastruktur“, „Bildung, Sport und Soziales“, „Wohnen und Lebensqualität“, „Kultur, Freizeit und Tourismus“, „Verwaltung“, „Image und Kommunikation“ sowie „Energie und Klima“. Darin sind wiederum Ziele wie „Delitzsch bietet gute Bildungsmöglichkeiten“, „Das Barockschloss und die historischen Sehenswürdigkeiten der Stadt haben sich bundesweit etabliert“, „Delitzsch beteiligt sich erfolgreich an Städtewettbewerben“ und „Im Stadtgebiet wird bereits heute insgesamt mehr Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt, als an Strom insgesamt verbraucht wird.“ Längst nicht in allen Punkten habe die Stadt das Vorgenommene erreicht, sagt Manfred Wilde auf Anfrage. In einem Großteil der Fälle aber sei es gelungen, es laufe gut oder aber man sei Dingen unterworfen, die man nicht direkt beeinflussen kann. „So ein Leitbild ist ein Prozess, den man aktiv leben muss“, betont er.

Ein überaus positives Fazit zieht das Stadtoberhaupt zum Unterpunkt „Image und Kommunikation“. Mehr könne man nicht erreichen. Das Image der Stadt, so der OBM sei gut, und die Arbeit dafür erst recht. Unter anderem ist die Stadtverwaltung bei den sozialen Medien wie Facebook und seit Kurzem auch Instagram sehr aktiv. Das diene dazu, jüngere Zielgruppen zu erschließen, die sonst kaum zu erreichen wären. Dass man einen 19-Jährigen nicht über traditionelle Medien wie das Amtsblatt erreiche, müsse man sich als Rathausteam auch bewusst machen, so Wilde. Auch gesteckte Ziele wie das Kino, ein erfolgreicher Tiergarten seien geglückt.

Im Rathaus fand das Papier bislang vor allem Überarbeitung

Im Rathaus fand das Papier bislang vor allem Überarbeitung.

Quelle: Wolfgang Sens

Dagegen gibt es Punkte, die aus verschiedenen Gründen nicht in Erfüllung gegangen sind. So heißt es im Punkt „Stadtentwicklung, Verkehr und Infrastruktur“ des Leitbildes, dass am Werbeliner See „Wassersportanlagen“ und „neue Freizeitangebote“ erschlossen werden. Ganz klar und bekannt: Damit wird es – aus Naturschutzgründen – bekanntlich nichts. Die gesteckten Ziele konnte die Stadt allein nicht beeinflussen. „Natürlich gibt es Defizite“, sagt der OBM dazu. In einem fortgeschriebenen Leitbild müsse man wohl eher in Richtung „Radtourismus und naturnahe Erholung“ formulieren, wenn es um die Weiterentwicklung des Werbeliner Sees gehe. Auch bei weiteren Punkten der „Stadtentwicklung“ laufe es nicht so rund wie vor zehn Jahren mal gedacht. So steht im Leitbild noch „Die Belebung des Marktplatzes ist durch ein neues Nutzungskonzept für das Schulze-Delitzsch-Center erreicht worden.“ Immer mehr konzentriere sich das Leben an den Bahnhofspromenaden, die Eisenbahnstraße sei schließlich auch die eigentliche geografische Mitte der Stadt. Und wenn ein Laden über Jahre leerstehe, müsse darüber nachgedacht werden, ob er nichtzur Wohnung gemacht werden sollte. Zudem fehle im bisherigen Leitbild der Aspekt Bundeswehr vollkommen, was Wilde bedauert.

Das Leitbild sei natürlich Chefsache. Die Struktur habe sich bewährt, weshalb es 2016 unbedingt überarbeitet werden soll. Im ganz großen Stil: Im Februar-Stadtrat will Wilde Bilanz vorm Stadtrat ziehen und die vergangenen Jahre Revue passieren lassen und dafür werben, das Papier erneut aufzulegen. „Denn was hätten wir für einen Maßstab der Bewertung, wenn wir kein Leitbild hätten?“

Wenn der Stadtrat grünes Licht gibt, geht das Papier danach in die Überarbeitung. Mit speziellen Foren und Stammtischen, bei denen es zur breiten Bürgerbeteiligung kommen soll, wird das Papier in allen Punkten überarbeitet. „Da ist jeder Delitzscher gefragt, sich einzubringen“, kündigt Wilde an. Die Fraktionen des Stadtrats und die Amtsleiter sollen ebenfalls großen Anteil nehmen, den neuen Fahrplan zu bearbeiten. Das neue Papier könnte dann „Leitbild 2030“ heißen. Moderiert wird der Prozess vor allem von der Wirtschaftsförderin Ricarda Steinbach.

Das komplette Leitbild in seiner bisherigen Form kann auf der Homepage der Stadt Delitzsch heruntergeladen werden.

Von Christine Jacob

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