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Delitzsch Nordsächsische Ausstellungen zum Dreißigjährigen Krieg bald zu Ende
Region Delitzsch Nordsächsische Ausstellungen zum Dreißigjährigen Krieg bald zu Ende
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00:22 08.10.2018
Die Museologen Paula Stötzer (links) und Duy-Linh Molnar präsentieren mit Museumschefin Cornelia König ein Activity-Spiel zum Dreißigjährige Krieg, bei dem Besucher ihr Wissen testen können. Quelle: Wolfgang Sens
Nordsachsen

Nordsachsen erlebte in den vergangenen Monaten eine besondere Ausstellungsreihe: Weil sich 2018 der Beginn des Dreißigjährigen Krieges zum 400. Mal jährt, haben Museen in Nordsachsen diese Epoche, die zu Umbrüchen in ganz Europa führte, aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln mit Sonderschauen in Szene gesetzt. In den nächsten Tagen ist noch Gelegenheit, sie zu besichtigen, denn Ende des Monats werden die meisten nun wieder geschlossen.

„Wissen für die Zukunft“ in Bad Düben: Wanderer, Kurgäste, aber auch viele historisch Interessierte steuerten in den vergangenen Monaten bereits das Naturparkhaus an. „Einige hatten die Broschüre dabei und wollten alle Stationen in Nordsachsen besuchen“, erzählt Anita Schörner vom Landschaftsmuseum Dübener Heide. Das zeigt seine Ausstellung ausnahmsweise im Naturparkhaus, weil die Burg derzeit saniert wird. „Wir haben versucht anschaulich zu machen, wie kriegerische Auseinandersetzungen zu Stande kommen“, erklärt Mitarbeiterin Anita Schörner. So wird der Frage nachgegangen, ob Kriege vielleicht gar genetisch bedingt sind, wie wird der Gefallenen gedacht und was wird gelernt? Ausstellungsort im Naturparkhaus, Neuhofstraße 3a, bis 31. Oktober, geöffnet dienstags bis freitags 10 bis 16 Uhr, sonnabends und sonntags 13 bis 17 Uhr.

„Kampf und Leid“
in Delitzsch: Für diese Ausstellung wurden Stücke aus vielen Orten Mitteldeutschlands zusammengetragen, so auch ein Mörsergeschützrohr aus dem militärhistorischen Museum Dresden. Es wiegt rund 200 Kilo. Aber das Geschehen wird auch mit Material verdeutliche, das Mitglieder der Delitzscher Historienvereine nachbauten. Durchaus erstaunt wurde im Delitzscher Schloss aber registriert, dass der Dreißigjährige Krieg im Schulunterricht gar keine so große Rolle spielt, sondern nur noch unter dem Thema „Kriege im Barockzeitalter“ eingeordnet ist. Um einen besonderen Aspekt von „Kampf und Leid“ geht es auch beim Vortrag, der am 26. Oktober gehalten wird: “Medizin, Militärmedizin und Versorgung im Felde“.

Museum Barockschloss Delitzsch, Schlossstraße 31, bis 28. Oktober, geöffnet dienstags bis sonntags 10 bis 17 Uhr.

„Friedenssehnsucht“
in Eilenburg: im Stadtmuseum Eilenburg ist wird am Reformationstag das letzte Mal geöffnet sein. „Dann werden die vielen hochwertigen Leihgaben wieder zurückgegeben, die man sonst nicht zu Gesicht bekommt“, erklärt Museumsleiter Andreas Flegel. Dazu gehören Münzen und medizinisches Gerät, die aus der Kriegszeit stammen, aber auch seltene Keramiken, die bei Ausgrabungen in der Stadt gefunden wurden. In der anstehenden Ferienzeit sind altersgerechte Führungen, die sich mit der Materie auseinandersetzen, für Ferien-Kinder geplant. Das Museum ist eine selbst historische Stätte, in der sich wichtige Ereignisse abspielten. Schon der schwedische Soldat, der auf die Mauer des Windfangs am Eingang gemalt ist, weist darauf hin. Der „Roter Hirsch“ ist Museums-Domizil. Schwedenkönig Gustav Adolf, der in der Schlacht bei Lützen gefallen war, wurde hier, im Gasthaus, auf dem langen Weg zum Begräbnis in der Heimat für eine Nacht aufgebahrt.

Stadtmuseum Eilenburg, Hirschgasse 40, bis 31. Oktober, geöffnet dienstags bis freitags 9 bis 12 und 13 bis 17 Uhr, sonntags 10 bis 12 und 13 bis 17 Uhr. Führungen für Ferienkinder: am 9. Oktober ab 10 Uhr und am 17. Oktober ab 14 Uhr.

„Des Krieges Buchstaben“ in Taucha: „Wir verlängern die Dauer bis zum 21. Dezember“, kündigt Ricarda Döring, Leiterin des Städtischen Museums, im Gespräch mit der LVZ an. In der Schau geht es um die Literatur, die sich mit den einschneidenden drei Jahrzehnten verbindet. Dieser Gedanke lag nahe. Denn in der Parthestadt geht es von der Bibliothek direkt in die Museumsräume. „Es ist ein spannendendes Thema, aber auch ein sehr spezielles“, erklärt Ricarda Döring. Der heiße Sommer habe sicher einige potenzielle Besucher ferngehalten, die nun die Gelegenheit noch nutzen können. Der Herbst sei generell eher die Zeit, sich mit Literatur auseinanderzusetzen. Die Ausstellung beschäftigt sich mit Klassikern wie Grimmelshausens „abenteuer des Simplicissimus“, der noch unter dem unmittelbaren Kriegseindruck verfasst wurde, aber auch Schillers Wallenstein und Brechts Mutter Courage. Doch auch Hunderte Unterhaltungs-Romane spielen zu Zeiten des Dreißigjährigen Krieges. „Darunter gibt es aber auch einige gute“, stellt Ricarda Döring fest. Städtisches Museum Taucha, Brauhausgasse 24, geöffnet montags und donnerstags von 10 bis 12 und 13 bis 18 Uhr, dienstags und freitags von 13 bis 18 Uhr.

„Die Schweden kommen“ in Torgau: Diese Schau soll nun ebenfalls länger, bis zum 4. November, zu besichtigen sein. Einer der Gründe dafür: Es haben sich Besucher aus der Ukraine angemeldet, welche die Ausstellung unbedingt sehen wollen. Leiterin Kornelia König ist recht zufrieden mit der Resonanz der Schau im Das Stadt- und Kulturgeschichtliche Museum Torgau. Dazu haben die Vorträge und Veranstaltungen wie die ausverkaufte Museumsnacht am Wochenende bei. Mit vielen Leihgaben wird reflektiert, wie die blühende Renaissance-Stadt wegen des Krieges in die Bedeutungslosigkeit fiel. Damit gerade die jüngeren Besucher etwas mehr Gefühl für diese Zeiten bekommen, hat das Museum ein Spiel entwickelt, mit dem das Gesehene nach der Führung noch einmal vertieft wird. Da gibt es auch Bewegungs- und pantomimische Aufgaben: Kniebeuge in einer Ritterrüstung, mit Rücken-Korb über den Hof laufen, Musketier-Darstellung. „Auch Lehrer waren begeistert und kamen gleich mit der nächsten Klasse“, erzählt Kornelia König. Aber das Spiel sei eher etwas für ab Klasse 5. „Aber auch Erwachsene spielen es gerne.“ Stadt- und Kulturgeschichtliches Museum Torgau, Wintergrüne 5, geöffnet dienstags bis sonntags 10 bis 18 Uhr.

Von Heike Liesaus

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