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Leute stürmen zur Nacht der Türme

Leute stürmen zur Nacht der Türme


Delitzsch. Die Nacht der Türme, zu der am Freitagabend Werbegemeinschaft und Stadtverwaltung Delitzsch alle Loberstädter zum zweiten Mal einluden, ihrer Stadt aufs Dach zu steigen und gleichzeitig bis 22 Uhr einzukaufen, fand regen Zuspruch.

. Wie viele Gäste am Ende die Stufen von Breiten, Halleschen Turm und in der Stadtkirche unter ihre Füße nahmen, ließ sich schwer schätzen. Denn lediglich im Schlossturm wurde gezählt.

„Nach 350 im Vorjahr waren es diesmal sogar 592 Leute, die die Wendeltreppe erstiegen", berichtete Antje Schneider. Sie ergänzte: „Die Leute waren einfach nur gut drauf, wir haben viel Positives gehört." Ähnlicher Andrang herrschte auch am Halleschen und am Breiten Turm. Letzterer überragt mit 46 Metern übrigens seine Gefährten um ein paar Meterchen.

Die längsten Schlangen bildeten sich aber wie im Vorjahr an der Stadtkirche, in der die Gäste auch mal über dem Kirchenschiff wandeln konnten. Dort geleiteten Pfarrer Stephan Pecusa und Stadtchef Manfred Wilde (parteilos) die Gäste nach oben. Platzangst sollten Besucher dieses Events, das maßgeblich von der scheidenden Stadtkoordinatorin Heike Kaufmann angeschoben wurde, allerdings nicht haben. Denn auf den zum Teil schmalen Stiegen mit unterschiedlichen Trittstufen ging es in allen vier Bauwerken schon recht eng zu.

Doch bevor es so weit war, schossen die Landsknechte zur Eröffnung um 18 Uhr in der Breiten Straße Salut, flöteten und trommelten die Alten Schweden, blies die Türmerstochter Charlotte Wernicke die Schwedensignale, legte Landsknecht Achim Thies Oberbürgermeister Manfred Wilde die Schandgeige um. Die Nachtwächter Andras Klimm und Michael Liebau begleiteten die Gäste von Turm zu Turm, erzählten vor der Stadtkirche, dass hier einst der städtische Todesacker war, an der Ratsweinschenke die Diebe hinter vergitterten Fenstern ausgestellt waren oder in der Badergasse, dass hier bis 1529 das Frauenhaus stand. Auch ohne all diese Geschichten gehört zu haben, fand es die fünfjährige Lena Feig auf dem Halleschen Turm schon „etwas gruselig". Gemeinsam mit ihrem kleinen Bruder Liam und Mutti Chrissy Feig war sie auf Abenteuertour. „Im Breiten Turm war ich schon mal, doch im Halleschen Turm noch nie", begründet die 24-jährige Delitzscherin ihre Auswahl.

Im Schloss drängelten sich die Massen im Vorraum, um dann unter das Dach des 42 Meter hohen Schloss–Turmes noch mal einen anderen Blick auf die beleuchtete Altstadt zu bekommen. „Wir gehen zuerst direkt durch die Turmmauer hindurch", erläuterte hier Museumschef Jürgen Geisler. „Die ausgetretenen Stufen stammen übrigens von den Holzpantoffeln der Gefangenen." Die tolle Aussicht vom Schloss-turm auf den erstmals von der Firma Events and Fire angestrahlten Breiten Turm genoss auch Christian Manteufel. „Vor einem Jahr haben wir noch in Mainz gewohnt", erläuterte der Familienvater, für den Delitzsch aber nicht nur mit solchen Dingen wie der Turmnacht, sondern vor allem in Sachen Kinderbetreuung punktet.

Wie vor dem Breiten Turm, an dem die Landsknechte unter anderem auch „Apfelglühwein für Kinder und Berittene" anboten, duftete es auch an der Schlosswache oder vor der Stadtkirche nach Gegrilltem und Glühwein. Bis zu 50 Meter und in Dreierreihen warteten die Besucher auf den sonst nicht zugänglichen Aufstieg unters Kirchendach. „Wir wollen ja was erleben", nahmen Jutta und Heike Döhler die gute halbe Stunde Wartezeit gelassen. Einige kehrten aber auch um. Und hatten an diesem Abend auch einen fünften Turm zu entdecken. Denn während sich die Einkaufswut in den meisten Geschäften arg in Grenzen hielt, konnte Klaus Littmann über mangelnden Zuspruch nicht klagen.

Denn er hatte eine Idee, die Käufer auch noch nach 20 Uhr in seinen Laden zog. Verkäuferin Nicole Dudla: „Wer es bei uns schafft, einen zwei Meter hohen Turm aus Schulranzen zu bauen, bekommt heute 20 Prozent Rabatt." Und hinterher blieb genügend Zeit, auch noch den Breiten Turm zu ersteigen. In ihm gab es zu vorgerückter Stunde übrigens einen zusätzlichen Schauereffekt. Denn auf einer Etage war das Licht ausgefallen.

Ilka Fischer

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