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Delitzsch Liebesschlösser: Oschatz will sie, Delitzsch nimmt sie ab
Region Delitzsch Liebesschlösser: Oschatz will sie, Delitzsch nimmt sie ab
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09:00 10.03.2016
Von der Schillerbrücke in Delitzsch wurden diese Schlösser entfernt. Quelle: Foto: Wolfgang Sens
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Nordsachsen

Fest verschlossen sollen sie die ewige Liebe symbolisieren – Liebesschlösser, die vor allem an Brückengeländern hängen und die auch in Nordsachsen vielerorts zu finden sind. Als Zeichen für die ewige Liebe wird der dazugehörige Schlüssel ins Wasser geworfen, so dass niemand den Bund der Liebenden lösen kann. Außer natürlich der Seitenschneider. Und genau der kam nun kürzlich an der Delitzscher Schillerbrücke über dem Wallgraben zum Einsatz. Damit fällt die Verwaltungsspitze der Loberstadt in Sachen Liebe allerdings aus dem Rahmen anderer nordsächsischer Kommunen.

Im Oschatzpark in Oschatz wurde sogar extra ein Schlössergarten eingerichtet. Hier können die Verliebten nach Herzenslust Schlösser aufhängen und diese werden dann garantiert nicht abgenommen. „Wir haben extra einen sehr stabilen Maschendrahtzaun aufgestellt“, teilte die Leiterin des Freizeitparkes, Katja Bachman, mit. Schon über hundert Schlösser hängen hier, aber es ist noch Platz für viele, viele mehr.

In Torgau sieht man die Sache mit den Schlössern ebenfalls sehr gelassen. „Solange es niemanden stört, unternehmen wir auch nichts“, erklärte Ordungsamtsleiter Thomas Zausch. Am historischen Widerlager der ehemaligen Elbbrücke, welches nach dem Abriss der Brücke zur Aussichtsplattform umgebaut wurde, sind zirka 50 Schlösser angebracht. Sie fallen aber kaum auf und auch statisch ist das überhaupt kein Problem. „Erst wenn Beschwerden vom Eigentümer kommen oder Gefahr im Verzug ist, werden wir aktiv – ansonsten können sie gerne hängen bleiben.“

Kein Platz für Romantik in Delitzsch

Dabei ist bekannt, dass zu viel Liebe auch erdrücken kann. Ausgerechnet in Paris, der Stadt der Lieben, sind beispielsweise schon Brückenteile in die Knie gegangen unter der Last der vielen Schlösser. Auch in Köln soll es statische Probleme geben. In manchen europäischen Städten werden Liebesschlösser regelmäßig abmontiert – oder sie sind wie in Berlin gleich ganz verboten.

Auch Delitzsch reiht sich hier ein: Obwohl in der größten Stadt Nordsachsens nur ein paar der auch „Love Locks“ genannten Bekundungen hingen und schon fast verloren wirkten, hat man ein großes Problem damit. „Die Schlösser beschädigen die Oberflächenversiegelung des Brückengeländers und das Seilschloss stellt zudem eine Unfallgefahr dar“, ließ Oberbürgermeister Manfred Wilde (parteilos) durch seine Pressestelle auch angesichts eines Fahrradschlosses am Brückengeländer mitteilen. Deshalb wurde die Schlösser von der Schillerbrücke kurz nach dem Valentinstag von Mitarbeitern der Stadtverwaltung auf Geheiß des OBM abmontiert. Nicht immer seien diese Schlösser beliebt, so Wilde. Wenn sie sich häufen und es „ungesteuert läuft“, würde man sie eben abnehmen. Und das habe man vor einigen Jahren auch schon mal getan.

Liebesschlösser erlaubt: Der Schlössergarten in Oschatz. Quelle: Dirk Hunger

Dass die Romantik in Delitzsch so ins Wasser fällt, erbost diejenigen, die den Brauch an dieser oder an anderen Brücken gepflegt haben. „Wir hatten unser Schloss dort hängen“, berichtet ein junger Delitzscher, „ich finde das ziemlich herzlos, einfach so die Schlösser abzunehmen, die störten doch niemanden, von Beschwerden weiß ich nix.“ Eine andere Frau meint: „Eine bessere Verbundenheit zwischen Liebe und Heimat gibt es doch eigentlich nicht.“ Und ob es statische Probleme für die kleine Brücke wegen ein paar Schlössern gegeben hätte, bezweifeln auch einige.

Er persönlich sei ja ein Freund von Liebesbriefen, sagt Stadtoberhaupt Manfred Wilde und schlägt daher vor, die Liebe anders zu bekunden. Und dem Thema Liebe wolle man sich in Delitzsch ja nicht verschließen. Verschlusssicher aber wollen sie einige in der Loberstadt machen. Und so findet Liebe weiterhin ihren Weg – beziehungsweise andere Brücken.

Von Christine Jacob und Wolfgang Sens

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