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Delitzsch Löbnitz: Muldeflut spült Scherbenfunde frei
Region Delitzsch Löbnitz: Muldeflut spült Scherbenfunde frei
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15:20 19.05.2015
Paul Müller mit einer größeren Scherbe, die er im August am Seelhausener See gefunden hat und die Teil eines Kruges ist. Quelle: Ilka Fischer

Nicht nur die meisten Fossilien aus aller Welt, auch eine Reihe von Scherben bleiben aber in Löbnitz. Bei Letzteren handelt es sich um seine neuesten Funde. Die Scherben sind gesäubert, in Kisten sortiert und warten bei ihm zu Hause auf den Abtransport zum Hobbyarchäologen Armin Rudolph in Leipzig, von wo aus dann die Reise zum archäologischen Landesamt in Dresden weiter gehen wird.

Ihre Entdeckung selbst begann Anfang August. Damals kam Kerstin Libuschewski in die Löbnitzer Gemeindeverwaltung und brachte mehrere Fundstücke mit, die sie beim Spaziergang am Nordufer des Seelhausener Sees entdeckt hatte. In der Gemeinde erinnerte sich dann jemand auch wegen eines vor zwei Jahren von Paul Müller gestalteten Schaukastens mit Scherben vom Baltzer Berg daran, dass sich doch dieser damit auskenne. Der 70-Jährige wiegelt zwar ab und meint: "Archäologie ist eigentlich nicht so mein Ding, aber ich sammle seit über 40 Jahren Fossilien".

Eine gewisse Entdeckerlust jedenfalls lässt sich nicht verleugnen. Und so machte sich der Löbnitzer Rentner auf den Weg. Dorthin, wo die Mulde bei der Juniflut 2013 noch stärker als 2002 auf dem Durchbruch zum Seelhausener See freigeräumt hat, was zum Teil Jahrhunderte verborgen war. "Vielleicht zehn Tage war ich da draußen. Nach drei bis vier Stunden ist man da richtig fix und fertig", erinnert sich der auch im Löbnitzer Heimatverein mitwirkende Paul Müller. Denn der Sand sei da, wo die Mulde entfesselt langstürmte, teilweise sehr hoch. "Das ist wie Laufen am tiefen Ostseestrand", so der gelernte Schlosser, der am Rande der Kupferschieferhalde in Eisleben aufwuchs und dort seine ersten Funde machte. Eine bis zu 700 Meter lange und an manchen Stellen bis zu 300 Meter breite Fläche hat er so abgesucht. Obwohl genauere Untersuchungen noch ausstehen, steht inzwischen fest, dass die ältesten der Keramikreste aus der frühen Eisenzeit stammen, damit also rund 2500 Jahre alt sind und eine Besiedlung zwischen 600 und 450 vor Christus bezeugen. Andere Scherben seien dagegen mit 1000 Jahren geradezu jung. "Unter den noch nicht untersuchten Scherben finden sich aber garantiert welche, die diese Lücke von anderthalb Jahrtausenden zumindest teilweise schließen", vermutet Paul Müller.

Noch ungeklärt ist, ob diese Fundstätte identisch ist mit der im westlichen Flurbereich von Löbnitz überlieferten Ortschaft Schönfeld. Diese wird schon 1466 als wüste Mark bezeichnet, hat also im Mittelalter nicht mehr bestanden. Nur knapp einen Kilometer östlich der neuen Fundstätte befindet sich der Baltzer Berg, der Spuren einer wesentlich intensiveren Besiedlung trägt. Eine kleine Auswahl der Funde vom Baltzer Berg zeigt der Heimatverein Löbnitz ja in der schon eingangs erwähnten Schautafel, die in der Verwaltung hängt. Eine Schautafel, die in gewisser Weise die jetzigen Entdeckungen von Paul Müller erst möglich machte.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 09.11.2013
Ilka Fischer

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