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Delitzsch Lutz Hesse ist „alter Hase“ bei der Sicherheitswacht in Delitzsch
Region Delitzsch Lutz Hesse ist „alter Hase“ bei der Sicherheitswacht in Delitzsch
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10:06 17.02.2016
Lutz Hesse arbeitet bei der Sächsischen Sicherheitswacht. Quelle: Wolfgang Sens
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Delitzsch

Lutz Hesse gehört mittlerweile zu den bekanntermaßen „alten Hasen“ in der Sächsischen Sicherheitswacht. Seit 2003 ist er dabei. Und wenn er sich erinnert, wie damals alles begann, sagt er: „Eigentlich aus einer Sonntagsfrühstückslaune heraus.“ Er habe davon gehört und da er ohnehin einen ausgesprochenen Gerechtigkeitssinn hat, bewarb sich der gelernte Maler bei der Polizei. Er überstand das Auswahlverfahren mit Bravour, die 50 Unterrichtsstunden machten ihm nichts aus, auch wenn die Schulzeit des heute 52-Jährigen schon einige Zeit zurückliegt.

Gute zehn Jahre war er dann auf den Straßen, Wegen und Plätzen in Schkeuditz unterwegs, seit November 2014 ist es die Loberstadt Delitzsch. Lutz Hesse ist Nordsachse, verheiratet, hat zwei Kinder. Dass er für seinen Dienst nach Delitzsch fahren muss, nimmt er gern in Kauf. Er hatte sich dafür entschieden, als im aufgelösten Revier Schkeuditz kein Bedarf mehr bestand. Zweimal fünf Stunden, und die am Stück, in der Woche ist er zumeist mit dem Wiedemarer Bürgerpolizist Polizeihauptkommissar Frank Westphal quasi auf Streife. Weil Delitzsch nach wie vor ein Schwerpunkt ist, hilft Westphal immer mal wieder aus, auch um seine Kollegen zu entlasten.

Mal im Pkw, meist aber doch zu Fuß. Ihr Revier ist die Innenstadt, bei Bedarf werden sie aber vom Polizeirevier auch woanders hingeschickt. Das kann auch schon mal ein Verkehrsunfall sein oder eben nur eine Kontrollfahrt, weil gerade kein anderer Streifenwagen in der Nähe ist. Eben dorthin, wo sie gerade gebraucht werden. Die Männer sind ein eingespieltes Team, verstehen sich gut, sprechen auch schon mal über Privates, wenn sie unterwegs sind. „Die Leute wollen uns nicht nur kurz und von weitem mal sehen, sie wollen uns auch ansprechen können, wenn sie es für nötig halten“, weiß der erfahrene Polizist und plädiert meist dafür, auf der Straße präsent zu sein.

Ein Fahrradfahrer ist auf dem Gehweg in der Eilenburger Straße in Delitzsch unterwegs und wird gestoppt. Von Einsicht ist bei ihm kaum eine Spur. Es gibt trotzdem nur eine mündliche Verwarnung. Quelle: Wolfgang Sens

Die beiden Männer in der blauen Uniform unterscheidet eigentlich nur die Aufschrift auf dem Rücken: Polizei und Sächsische Sicherheitswacht. Und dies regelt wiederum klar die Befugnisse, die jeder hat. „Für mich sind es die, die eigentlich jeder andere Bürger auch hat und wahrnehmen darf“, sagt Lutz Hesse. Die sogenannten Jedermannsrechte beziehen sich vor allem auf die Notwehr-, Notstands- und Festnahmerechte. „Das wurde sehr genau geschult und wird bei den Fortbildungen auch immer wiederholt“, so der Sicherheitswächter. Natürlich gab es schon mal die eine oder andere brenzlige Situation. Deshalb sind die Sicherheitswächter auch grundsätzlich zu zweit unterwegs. „Oder eben im gemischten Doppel, wie wir“, sagt Frank Westphal.

Pfefferspray musste Lutz Hesse noch nicht einsetzen. Seine schärfste Waffe ist eigentlich das Wort. Auf den Mund gefallen ist Hesse jedenfalls nicht, weiß sich in der Diskussion zu behaupten und, was vor allem wichtig ist, auch die Distanz zu wahren und ruhig zu bleiben. Egal wie cholerisch sein Gegenüber auch wird. Kommunikationstraining steht bei den regelmäßigen Treffen der Sicherheitswächter ganz oben auf der Tagesordnung. Schon allein deshalb, weil die Frauen und Männer bei den Wortgefechten, denen sie teils heftig ausgesetzt sind, auch als Sieger hervorgehen sollen. „Manche Leute werden dann immer lauter, fühlen sich vielleicht auch im Recht, sind es aber nicht. Genau davon müssen wir sie dann überzeugen“, weiß Hesse aus Erfahrung.

Allerdings kommt bei einigen die Einsicht spät oder auch gar nicht zum Vorschein. Die Polizeibeamten und auch die Sicherheitswacht plagen sich immer mehr mit einem Phänomen: Es ist kaum noch Unrechtsbewusstsein spürbar. Besonders falle das bei den Radfahrern auf. Dabei wollen Hesse und Westphal keinesfalls einer Altersgruppe den schwarzen Peter zuschieben. „Eigentlich betrifft es jedes Alter, vom Schüler bis zum Rentner.“

Manche „Sünder“ sind nicht einsichtig

Besonders zu tun haben es die beiden in den Sommermonaten mit den Radfahrern. „Momentan sprechen wir alle an, die wir bei einem Vergehen beobachten. Egal ob Fahren auf dem Gehweg, Überqueren der Kreuzung bei roter Ampel oder Einfahren entgegengesetzt in die Einbahnstraße. Es gibt vorerst nur eine mündliche Verwarnung“, erklärt Frank Westphal. Im Sommer, also in wenigen Monaten, soll es dabei nicht mehr bleiben, dann könnte es für die Verkehrssünder auf zwei Rädern teuer werden. Da ist dann auch schon mal ein Bußgeld (mehr als 15 Euro) drin.

In einer Schicht, bei der die beiden Männer die Innenstadt, auch die Eilenburger Straße abgehen, fahren ihnen quasi die Delinquenten fast vor die Füße. So auch ein junger Mann, der sich zunächst von den Uniformierten überhaupt nicht beeindrucken lässt und den Gehweg relativ zügig passieren will. Die laute Ansprache zwingt ihn dann doch zum Anhalten. Einige Passanten hatten sich da wegen des Rufes schon umgedreht. Das Gespräch ist kurz, eindringlich, die Einsicht beim „Sünder“ aber offensichtlich nicht weitreichend. „Manche Leute treffen wir immer wieder an“, sagen die beiden Kontrolleure. Und je nach dem, wie oft man sich trifft oder auch wie der Ton des Betroffenen ausfällt, können die Uniformierten auch schon mal deutliche Worte finden, um den Mann oder die Frau zurechtzuweisen.

Wie ungehalten die Uniformierten waren, merkte auch ein Pkw-Fahrer, der sein Fahrzeug am Unteren Bahnhof auf einen Behindertenparkplatz stellte und gar keine Reue zeigte. „Ich wollte nur kurz eine Zigarette rauchen“, erklärte er sein Fehlverhalten. Warum er dafür 35 Euro zahlen sollte, blieb ihm unverständlich. Einsicht kam nicht auf. Ein einfaches Entschuldigung, ich mache es nicht wieder, hätte die Situation deutlich entspannt. Und da Westphal und Hesse befürchten mussten, dass der Mann einfach stehenbleiben könnte, wenn sie weg sind, warteten sie geduldig. Im Gesicht des ertappten Mannes war derweil nur Zorn zu sehen.

In der Eilenburger Straße, vis-a-vis der Post, erwischte es eine Frau, auch sie blockierte einen Behindertenparkplatz. Gleicher Betrag, aber eine gänzlich andere Reaktion. Sie zahlte, ärgerte sich mehr über sich selbst und verließ den Platz umgehend.

Immer erreichbar: Lutz Hesse von der Sicherheitswacht. Quelle: Wolfgang Sens

Nicht wirklich ihre liebe Not haben die beiden Männer, wenn sie Ausländern die Verkehrsregeln erläutern wollen. „Mit Händen und Füßen, Zeichensprache eben, geht das schon. Und sie reagieren überraschend freundlich“, berichten die beiden Ordnungshüter. Probleme gibt es da wenige. Ob sie es allerdings verstanden haben, lässt sich kaum überprüfen.

Zu den erweiterten Rechten der Sicherheitswacht zählt unter anderem, die Personalienfeststellung von Bürgern. „Mit den allermeisten komme ich übers Wort zurecht. Wer sich partout zum Beispiel nicht ausweisen will, obwohl er nett gebeten wurde, muss das dann spätestens, wenn die Kollegen vom Revier da sind.“ Und zu denen hat Lutz Hesse immer einen heißen Draht. Über sein Funkgerät steht er mit den Beamten in Verbindung, auch wenn Frank Westphal mal nicht dabei ist.

Dass ist insofern auch nötig, wenn es mal zu körperlichen Auseinandersetzungen kommt. „Ist zwar noch nicht passiert, aber ich hätte mir schon gewünscht, dass bei der Ausbildung Selbstverteidigung mehr als nur eine halbe Stunde ein Thema ist“, sagt Hesse. So müsse sich jeder selbst darum kümmern, auch in dieser Beziehung fitzubleiben. „Eigensicherung ist heute ein Thema.“ Es reiche aus seiner Sicht eben nicht aus, nur mit dem Pfefferspray umgehen zu können. Zweimal im Jahr lädt die Polizeidirektion zu Weiterbildungen ein. Auf die Themen haben die Sicherheitswächter aber eher keinen Einfluss.

Menschenkenntnis haben die beiden Männer zweifelsfrei. Die vielen Jahre im Dienst haben sie auch in dieser Beziehung geprägt. Sie wissen, wann sie aus einer Situation rausgehen müssen, ohne sie unkontrolliert zu lassen. Sie kennen sich aus, können in den Gesichtern lesen, wie der Gegenüber drauf ist. Auch ein dickes Fell und ein starkes Nervenkostüm ist mitunter manchmal sinnvoll. „Nach Hause nehme ich die erlebten Geschichten nicht mit“, sagt Hesse, der Souveränität auch in seiner Körperhaltung zeigt. Längst bringen ihn patzige Antworten der Leute nicht mehr aus dem Gleichgewicht. „Was wir uns manchmal anhören dürfen, ist trotzdem teils unterste Schiene“, bestätigen beide Männer gleichlautend. Trotzdem machen sie ihren Job – gern und mit einer guten Portion Leidenschaft. Lutz Hesse bekommt für seinen Dienst übrigens nur eine Aufwandsentschädigung. Nichts, um reich zu werden.

Von Ditmar Wohlgemuth

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