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MDR dreht im Delitzscher Barockschloss Szenen für „Spur der Ahnen“

MDR dreht im Delitzscher Barockschloss Szenen für „Spur der Ahnen“

Gestern gab sich August der Starke in Delitzsch die Ehre. Gravitätisch schritt er die Treppen des Schlossportals herunter, gefolgt von seinem Hofstaat. Unter diesem war auch des Kurfürsten Hofnarr Joseph Fröhlich.

Delitzsch. Ihm galt die besondere Aufmerksamkeit der MDR-Fernsehleute, die auf der „Spur der Ahnen“ sein Leben verfolgen und einige Szenen im Barockschloss-Ambiente der Loberstadt drehten.

Wie war das mit dem Vorfahren? Stimmt wirklich alles, was über ihn erzählt wird? Welche Geheimnisse gibt es um ihn? In der Fernsehserie wird diesen Fragen auf Anregung von Zuschauern nachgegangen, umrankt vom filmischen Alltagsbild vergangener Zeiten. „Im Fall von Joseph Fröhlich, der 1694 bis 1757 lebte, hatten sich Oldenburger gemeldet, die meinen, mit dem Hofnarren verwandt zu sein“, erzählte Aufnahmeleiter Udo Egelkraut.

So rückte der Drehstab gestern Vormittag ins Delitzscher Museum ein, baute im Esszimmer und Vorgemach die Kulisse auf, während sich die Schlossküche in eine Maskenbildnerei verwandelte. Dort hatte Marina Bellini zwei Stunden mit dem Outfit für die zehn Darsteller zu tun, die danach, in prächtige Gewänder gekleidet,  das 21. Jahrhundert vergessen ließen.

Neben Thilo Meißner als August der Starke imponierte vor allem Matthias Christian Schanzenbach, der Hofnarr. Mit Schellen am Strumpfband und den süddeutschen Spitzhut auf dem Kopf, wandelte er durch die Gemächer des Schlosses, als sei er nie woanders gewesen. Wären da nicht MDR-Autorin und -Regisseurin Julia Cruschwitz sowie der Kameramann Götz Walter, die die Mimen in die Wirklichkeit zurückholten. „Der Hofnarr und seine Frau bitte zum Drehen in das Zimmer!“,  kam die Aufforderung, und die erste Familienszene mit dem kleinen Sohn des Hofnarren, gespielt von dem achtjährigen Marcel, wurde im Vorgemach der herzoglichen Museumsräume gedreht. Zwischendurch wartete Hofnarr-Darsteller Schanzenbach, er ist auch Gästeführer in Dresden, mit historischen Details auf, erzählte, dass der richtige Hofnarr aus Freising stammte und von 1727 bis 1757  am sächsischen Hofe war und dass von den 269 Kindern, die August dem Starken angedichtet wurden, in Wirklichkeit nur neun verbürgt seien.

Nach kurzer Zeit war die Kameraposition in den Schlossgemächern verändert. Und es ging an die zweite, wesentlich aufwändigere Einstellung. August der Starke, seine erste Mätresse Maria Aurora von Königsmark an der Seite, der Kämmerer und weitere wichtige Leute des Hofes begaben sich  zu Tisch, um üppig zu dinieren. Die Kamera lief auf Schienen langsam an die Tür des Esszimmers heran, diese öffnete sich und gab das Bild auf den  reich gedeckten Tisch frei.

Über zehnmal wurde diese Szene gedreht. Mal ging die Tür zu schnell, mal zu langsam auf, mal war die Situation am Tisch nicht die gewünschte. Zwischendurch ging der Blick der Filmleute mehrfach durchs Fenster. Denn der trübe Himmel verhieß nichts Gutes und schließlich sollte am Nachmittag auch eine Einstellung im Freien gedreht werden. Aufnahmeleiter Egelkraut: „Ich habe mir zuvor mehrere Schlösser angesehen. In Delitzsch hat mich besonders die Kombination mit dem Barockgarten beeindruckt.“ Und er fügt hinzu: „Die Zusammenarbeit mit der Stadt und der Museumsleitung war unkompliziert, einfach super.“

Drei Tage begaben sich die Fernsehleute in der Region auf die „Spur der Ahnen“. Außer in Delitzsch wurde in Bad Düben gedreht. Gesendet wird die Folge am 30. Juni, 20.45 Uhr, im MDR.

Lutz Schmidt

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