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Delitzsch Margit Ihme ist die Tante Emma von Sausedlitz
Region Delitzsch Margit Ihme ist die Tante Emma von Sausedlitz
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18:00 22.06.2016
Margit Ihme vertreibt neben regionalen Produkten wie Nudeln mit den Sausedlitz-Tassen auch Fanartikel zum Dorf mit den drei tanzenden Schweinen. Quelle: Christine Jacob
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SAUSEDLITZ

Die Schafe, sagt die Frau, müssen heute noch raus aus dem Stall. Ach, und vermutlich ist ein Fuchs unterwegs im Dorf, meint sie. Morgen hat sie einen Arzttermin, da kann sie nicht, sagt die andere Frau. Ein Mann kommt rein, schnappt die Zeitung, grüßt kurz und ist wieder weg. Alltag für Margit Ihme. Sie ist die Tante Emma von Sausedlitz. Eine, die freundlich nickt beim Zuhören und sanft lächelt. Zuhören kann sie gut. „Ich bin auch immer mal die Kummerkastentante“, sagt sie. Und dass das zum Job einfach dazu gehört. Und schön ist.

Fast 20 Jahre geht das nun so. 1998 wurde der Nachbarschaftsladen eröffnet. Seitdem steht Margit Ihme, heute 62 Jahre alt, hinter der kleinen Ladentheke. Manchmal nimmt sie auf dem Hocker dahinter Platz. Damals war die gelernte Industriekauffrau gerade arbeitslos und der kleine Laden eine neue Perspektive. Aber nicht nur für sie. Damals hatte der Konsum im Dorf gerade dicht gemacht. Familie Ihme entschloss sich, die Versorgungslücke zu schließen. Konserven, Getränke, Reinigungsmittel, Nudeln, Glühbirnen, Feinstrumpfhosen, frisches Obst, die Zeitung – es gibt kein Ding des täglichen Bedarfs, das Tante Emma nicht hätte. „Was ich nicht habe, besorge ich“, sagt sie. Der kleine Laden wird beliefert oder sie holt die Waren. Frische Brötchen gibt es von einem Bäcker aus Glaucha, immer donnerstags Speckkuchen. Immer vormittags von 8.30 bis 12 Uhr und nachmittags 15 bis 18 Uhr ist offen. Und mehr als ein Laden: „Das hier ist der Ort, wo sich die Leute treffen und kommunizieren“, betont die 62-Jährige.

Tante Emma ist wichtig für das Dorf

Ein Laden sei wichtig für einen Ort. Gerade für einen wie Sausedlitz. Locker 15 Minuten Fahrt muss man bis zum nächsten Supermarkt einplanen. Das kann nicht jede Omi im Dorf, manche kann nicht mal bis vor zum Laden am Denkmal der drei tanzenden Schweine. Nachbarschaftsladen heißt Nachbarschaftshilfe – der eine bringt dem anderen auch mal was mit aus dem Geschäft oder Margit Ihme liefert ins Haus. „Das Dorf ist wichtiger“, auch wichtiger als sie selbst – das hatte die Industriekauffrau im Dienste der Braunkohle auch damals gesagt, als ausgerechnet diese Kohle Sausedlitz an den Kragen gehen und das Dorf weggebaggert werden sollte. Seit 1974 lebt die Mutter zweier Söhne im Ort, vorher hatte sie ihre Heimat in Döbern – einem Dorf, das der Kohle im Gegensatz zum heutigen Löbnitzer Ortsteil nicht mehr von der Schippe springen konnte. „Die Heimat zu verlieren, das geht nicht spurlos an einem vorbei“, schluckt Margit Ihme. Jetzt tut sie viel für ihr Sausedlitz. Das Dorf ist wichtig, also braucht es eine Tante Emma. Mindestens bis zur Rente will sie die bleiben.

Von Christine Jacob

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