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Delitzsch Martin Dulig an der Schladitzer Bucht: Debatte über Tourismus-Sorgen
Region Delitzsch Martin Dulig an der Schladitzer Bucht: Debatte über Tourismus-Sorgen
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09:14 21.07.2016
Martin Dulig (links) meisterte den Ausflug mit dem Surfbrett. Quelle: Wolfgang Sens
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Rackwitz

Perfektes Sommerwetter, Urlaubsstimmung, Badebetrieb am Strand: Der Vor-Ort-Termin von Martin Dulig in der Schladitzer Bucht hätte kaum wonniger sein können. Doch so entspannt, wie sie wirkte, ist die Tourismussituation im Delitzscher Land nicht. Die Brennpunktthemen Nahverkehr und Naturschutz bereiten Sorgen, ebenso manche Hängepartie bei der Entwicklung neuer Projekte. Der sächsische Staatsminister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr bekam das am Mittwoch zu hören – aus dem Munde namhafter Tourismus- und Wirtschaftsvertreter der Region.

Es war die aktuelle Sommertour des SPD-Politikers, die ihn ans Südostufer des Schladitzer Sees führte. Eine dreitägige Rundreise von der Oberlausitz über den Leipziger Raum bis ins Vogtland und Erzgebirge. Urlaubsregionen des Freistaates kennenlernen, mit Akteuren ins Gespräch kommen, darum ging es. Der Landestourismusverband Sachsen (LTV) lotste Dulig bei dieser Gelegenheit gezielt ins nördliche Leipziger Neuseenland, wo auf Rackwitzer Gemarkung ein herausragendes Wassersport- und Naherholungszentrum entstanden ist.

Nahverkehr ist ein Problem

„Ohne Auto wären Sie allerdings nicht so schnell hier gewesen“, merkte Sandra Brandt an, Verantwortliche für die Region bei der Leipzig Tourismus und Marketing GmbH. Öffentlicher Personennahverkehr zur Schladitzer Bucht ist nicht vorhanden, die S-Bahn-Haltestelle im etwa drei Kilometer entfernten Rackwitz ist der nächste Anschluss.

Sportlich unterwegs: Martin Dulig(SPD) versuchte sich beim Stehpaddeln. Quelle: Wolfgang Sens

Ein Problem bei mehreren Zehntausend Gästen pro Jahr. Doch auch aus Sicht der Unternehmen ist das unschön: „Die Suche nach Fachkräften wird durch mangelnden ÖPNV verschärft, weil viele lieber in Leipzig arbeiten, wenn sie dort Angebote bekommen“, schilderte Brandt. Gabriela Lantzsch, Vorsitzende des Vereins Leipziger Neuseenland, betonte die Bedeutung öffentlicher Investitionen in den ländlichen Raum. Diese Vorleistung sei nötig, um den Tourismus vor Ort so weit in Schwung zu bringen, dass er sich selbst trägt. Dulig nickte: „Es ist hier bemerkenswert viel entstanden. Diese Dynamik darf nicht abbrechen.“

Doch von Dynamik wollte so mancher in der Gesprächsrunde schon gar nicht mehr reden. Zu viel sei in den vergangenen Jahren schon ausgebremst worden. Zum Beispiel wegen unklarer rechtlicher Regelungen. Das nördliche Neuseenland sei noch Entwicklungsgebiet, „und wir brauchen Übergangsvarianten, weil es bis zum Ende aller Verfahren zu lange dauert und Unternehmen ohne Zwischenlösung nicht durchhalten“, sagte Nordsachsens Wirtschaftsförderin Uta Schladitz. Die verschiedenen Interessen abzuwägen, ist ein eben zeitraubendes Unterfangen. IHK-Geschäftsführerin Rita Fleischer forderte in dieser Hinsicht eine bessere Zielabstimmung der unterschiedlichen Ministerien und Fachbereiche.

Dulig: Naturschutz soll kein Verhinderer sein

Stichwort Naturschutz. „Eine unglaubliche Bremse für die Entwicklung hier“, monierte Gabriela Lantzsch. „Wir arbeiten mit dem Landratsamt gut zusammen, doch auch dort stößt man an Grenzen.“ Martin Dulig konnte da nichts versprechen. „Wir können als Ministerium keine Wunder vollziehen und bestimmte Prüfungen einfach streichen. Doch man muss darauf achten, dass der Naturschutz nicht zum Verhinderer wird. Die Balance ist wichtig.“ Kann der stellvertretende Ministerpräsident also gar nichts weiter tun? „Wir können in der Regierung nur schauen, dass wir die Prozesse stärker moderieren.“ Sagte Dulig und stieg zum Balancetest gleich mal aufs Surfbrett. Kurz-Kurs im Steh-Paddeln. Es wurde kein Reinfall.

Von Kay Würker

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