Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Delitzsch Matthias Platzeck wirbt in Delitzsch für Russland
Region Delitzsch Matthias Platzeck wirbt in Delitzsch für Russland
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:01 13.03.2018
Der ehemalige Ministerpräsident Brandenburgs und heutige Vorsitzende des deutsch- russischen Forums Matthias Platzeck (links) und der Moderator der Veranstaltung Heiko Wittig im voll besetzten Delitzscher Bürgerhaus. Quelle: Wolfgang Sens
Anzeige
Delitzsch

Matthias Platzeck zieht. Der Vorsitzende des deutsch-russischen Forums brachte am Montagabend das Thema „Deutschland, Russland und Europa – brauchen wir einander“ mit ins Delitzscher Bürgerhaus. Applaus, Parteitagsstimmung. Alle 150 Plätze besetzt, weitere Stühle müssen in den Saal geholt werden. „Gerd Raschpichler (SPD-Mitglied aus Delitzsch, Anm. d. Red.) hat mit Matthias in Ilmenau studiert, so ist der Termin zustande gekommen“, klärt Heiko Wittig, Moderator und Chef der Ampelkoalition im Kreistag, auf. Eingeladen hat die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung. Platzeck, von Wittig als „Russlandversteher“ angekündigt, begrüßt „Raschi“ und alle anderen Gäste und startet seinen Werbefeldzug für bessere Beziehungen zu Russland. Denn eine stabile Friedensordnung in Europa ist ohne Russland nicht denkbar. Aktuell sei die Situation so „explosiv wie lange nicht“. Platzeck präsentierte ein Zitat von General Harald Kujat, der eine „fatale Ähnlichkeit mit der Situation vor dem 1. Weltkrieg“ sieht. Keiner habe ihn gewollt, plötzlich war er da. Mit der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim, der kriegerischen Auseinandersetzung in der Ostukraine und im syrischen Bürgerkrieg habe Russland Fakten geschaffen, die nicht ignoriert werden dürften, räumte er ein. Auf der anderen Seite nannte der Brandenburger die Türkei, Polen und Ungarn, deren Handeln mit westlich-liberalen Werten „wenig bis gar nichts“ zu tun haben. China betätige einen Präsidenten auf Lebenszeit, Donald Trump drohe mit einem Handelskrieg. Und im Irakkrieg gab es „90 000 Tote“.

Sich wieder annähern

Um so wichtiger sei der Dialog, müssen Europa, Deutschland und Russland miteinander reden, sich wieder annähern. Platzeck ist in der Nähe der Glienicker Brücke, die über die Havel führt, zwischen Berlin und Potsdam aufgewachsen. Dort lebten damals zahlreiche Russen. In der Schule habe er Glück gehabt mit seiner Russischlehrerin, die neben der Sprache auch Kultur und Musik des Landes näher brachte. Das habe ihn geprägt. „Wir leben seit 65 Jahren in Frieden miteinander. Ich möchte einen Mosaikstein dazu beitragen, dass das so bleibt“, sagte der 64-Jährige.

Der ehemalige Ministerpräsident Brandenburgs und heutige Vorsitzende des deutsch- russischen Forums Matthias Platzeck im Delitzscher Bürgerhaus Quelle: Wolfgang Sens

Putin habe seinem Land Nationalstolz zurückgegeben, von seiner Wiederwahl mit 70 bis 80 Prozent ist Platzeck überzeugt. Und das sei auch gut so. Was nach Putin käme nicht unbedingt. Und wenn Wladimir Putin im Urlaub mit freiem Oberkörper mit einem Tiger ringt, bringe ihm das zehn Prozent mehr in Umfragen. In Deutschland müsste er vermutlich zurücktreten. „Russland ist anders, Deutschland auch“, ein weiteres Zitat.

Ohne Russland keine Deutsche Einheit

Beide Staaten seien nicht zu vergleichen. Platzeck erinnerte aber auch daran, dass es ohne Russland keine Deutsche Einheit gäbe, dass Putin danach im Bundestag nach einer Rede mit stehenden Ovationen gefeiert wurde. Dass von einem Wirtschaftsraum von Wladiwostok bis Lissabon und Sicherheitspartnerschaft auf Augenhöhe gesprochen wurde. „Nichts davon haben wir eingehalten“, sagt Platzeck. Aufgrund Russlands Haltung gegenüber Homosexuellen haben deutsche Politiker die Olympischen Spiele in Russland boykottiert. In Saudi Arabien werden Homosexuelle zu Tode gesteinigt. Dorthin liefert Deutschland Panzer.

Wirtschaftsraum von Wladiwostok bis Lissabon

Was muss also geschehen? Platzeck warb erneut für den Wirtschaftsraum Wladiwostok bis Lissabon: „Wir müssen darüber reden, ihn betrachten, auch aus Eigeninteresse. Wir brauchen die Sicherheitspartnerschaft auf Augenhöhe“. Städte, Schüler, Jugendliche, Vereine könnten Partnerschaften ins Leben rufen, Brücken bauen, im Austausch bleiben. Das sei überlebenswichtig. Moderator Heiko Wittig regte spontan einen Austausch zwischen Delitzsch und Moskau an und erntete dafür den Applaus der recht zahlreichen Jugendlichen im Saal.

Ein Besucher machte die Nato als „Bremse in den Beziehungen“ aus. Das sah Platzeck anders. „Wir müssen endlich begreifen, dass wir Russland nicht weiter provozieren dürfen“, schmetterte Elk Messerschmidt aus Wiedemar ins Mikro. Kurz nach 20 Uhr kam Platzeck auf seine Weise zum Ende: „Ich würde jetzt gern mit Raschi ein Schnitzel essen.“ Gesagt, getan.

Von Frank Pfütze

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Wie kommt man eigentlich zur Feuerwehr? Und was muss man dafür tun? Was muss man können? Für Leute, die sich in diesem Ehrenamt engagieren möchten, stellen sich viele Fragen. Der Delitzscher Wehrleiter räumt mit Missverständnissen auf.

13.03.2018

Mit Dana Purschwitz vollzieht der Kreisfeuerwehrverband Delitzsch einen Generationswechsel an der Spitze. Die 39-Jährige ist in Sachsen die einzige Frau, die einen Kreisfeuerwehrverband führt.

16.03.2018

Immer wieder kommt es zu Diskussionen um die Kreuzungen des Delitzscher Stadtrings. Oberbürgermeister Manfred Wilde (parteilos) sieht die Aufgaben aber woanders als in übertriebenen Regularien.

16.03.2018
Anzeige