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Mehr als 800 Fälle jährlich fürs Delitzscher Bürgerbüro

Ordnungsamt Mehr als 800 Fälle jährlich fürs Delitzscher Bürgerbüro

Brigitte Müller ist das Gesicht des Delitzscher Bürgerbüros. Mehr als 400 Anwohnerhinweise rund um Ordnung und Sauberkeit erreichten im vergangenen Jahr, etwa ebenso viele Fälle ermittelte sie in Eigenregie. Doch die 65-Jährige geht in Kürze in Rente. Damit wird das Bürgerbüro selbst zu einem akuten Fall.

Brigitte Müller im Einsatz am Nordplatz: Sie fotografiert den Wildwuchs vor einem Gebäude.

Quelle: Wolfgang Sens

Delitzsch. Ihre Stimme ist bekannt. Hunderte Delitzscher haben mit ihr schon telefoniert. Und auch im Stadtbild dürfte Brigitte Müller recht geläufig sein: Kaum ein Winkel im öffentlichen Raum, wo sie noch nicht war. Trotzdem mag sie nicht jeder – berufsbedingt. Die 65-Jährige ist die personifizierte Kontrollinstanz, zuständig für Ordnung und Sauberkeit in Delitzsch und den Ortsteilen. Rund 25 Jahre machte sie diesen Job, erst in Diensten des Landratsamtes, dann bei der Stadtverwaltung. Wenn „Frau Bürgerbüro“ im vierten Quartal in Rente geht, endet eine Epoche.

Noch ist ungewiss, wer künftig Brigitte Müllers Posten einnimmt. Ursprünglich hatte das Bürgerbüro – eine Einrichtung des Ordnungsamtes – fünf Mitarbeiter. Seit ein paar Jahren schmeißt Müller den Job alleine. Eine Folge des Personalentwicklungskonzeptes im Rathaus. Zwischenzeitlich hieß es, ihre Aufgaben würden künftig anderweitig im Hause verteilt. Davon ist die Stadtverwaltung nun allerdings abgekommen: „Die Stelle wird neu ausgeschrieben“, teilte Bürgermeister Thorsten Schöne (parteilos) auf Anfrage mit. Das Bürgerbüro mit einem festen Ansprechpartner bleibt also bestehen. Nicht als eigenständiges Sachgebiet, sondern angegliedert ans Einwohnermeldeamt.

828 Sachverhalte im vergangenen Jahr

Wer auch immer Ende dieses Jahres ins Bürgerbüro zieht: Er wird viel zu tun haben. Allein im vergangenen Jahr gingen dort 828 zu bearbeitende Sachverhalte über den Schreibtisch. „Und das sind noch nicht mal alle, weil ich auch unterwegs übers Diensthandy angerufen werde und dabei nicht alle Anfragen dokumentieren kann“, erzählt Brigitte Müller. Rund 400-mal waren es im Vorjahr Bürgerhinweise, denen die Ordnungsfrau nachging. Alle anderen Fälle beruhten auf eigenen Ermittlungen. Fast täglich, meist an Vormittagen, ist die 65-Jährige unterwegs. In einem Elektroauto, das sie sich mit den Delitzscher Politessen teilt. „Wenn ich die große Runde über die Ortsteile fahre, kommen innerhalb weniger Stunden 80 Kilometer zusammen.“

Wobei das Fahren eher Nebensache ist. Aussteigen und Recherchieren ist wichtiger. Illegale Müllablagerungen sind ein Hauptthema des Bürgerbüros. Mehr als 140-mal musste Brigitte Müller im Vorjahr in dieser Sache einschreiten. Ebenfalls weit oben auf der Liste: das Thema Straßenreinigung. Hinzu kommen Vor-Ort-Recherchen wegen Sachbeschädigungen, Lärmbelästigungen, Grünanlagenpflege, Straßenschäden und defekten Laternen, auf die die Rathausmitarbeiterin von Anwohnern hingewiesen wird. „Das Bürgerbüro hat in dieser Hinsicht eine Mittlerrolle“, erklärt Bürgermeister Schöne. „Die Sachverhalte werden vor Ort aufgenommen, und was sich nicht direkt klären lässt, wird an die zuständigen Fachämter weitergereicht.“

Auch Ermittlungen gehören dazu

Auch Ermittlungen gehören zu Brigitte Müllers Aufgaben. Die Frau, die zu DDR-Zeiten als Polizistin im Meldeamt arbeitete, hat ihre Freude daran. Der Klassiker ist die Adresssuche in weggeworfenen Müllsäcken. Fast 90-mal ermittelte die Delitzscherin vergangenes Jahr jedoch auch zum Aufenthalt von Personen. Wenn Behördenpost, oft auch aus anderen Kommunen, nicht ankommt, forscht sie nach, ob vermeintlich untergetauchte Leute doch noch an der alten Adresse wohnen. „Ich spreche zum Beispiel mit Hauseigentümern und Nachbarn. Wenn der Gesuchte noch da ist, dann finde ich ihn“, ist Brigitte Müller überzeugt.

Zurück im Büro, dominiert die Arbeit am Telefon. „Die Gründe, weshalb Bürger mich anrufen, sind ziemlich unterschiedlich.“ Manche wollen auch nur Gebührenauskünfte, fragen nach einem Arzt oder nach Sozialleistungen. In solchen Fällen wird das Bürgerbüro zur Nummer gegen Kummer. „Ich freue mich dann, wenn ich helfen kann“, sagt Brigitte Müller. Und weiß schon jetzt, dass ihr der baldige Abschied schwer fallen wird.

Von Kay Würker

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