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Delitzsch Mehrgenerationenhaus in Zschernitz ist gescheitert
Region Delitzsch Mehrgenerationenhaus in Zschernitz ist gescheitert
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12:31 17.09.2009
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Zschernitz

Das Mehrgenerationenhaus war mit 490000 Euro aus dem europäischen Förderprogramm Leader plus auf die Beine gestellt worden und sollte der Begegnung von Jung und Alt im Dorf dienen. Die zuständige Behörde, das Landratsamt Nordsachsen, fordert indes die Fördermittel zurück.

Die Mittelschule in Zschernitz schloss im Sommer 2003. Diesen Sommer tat es an selbiger Stelle auch das Haus der kleinen Engel. Der einst betreibende Verein gleichen Namens hat Insolvenz anmelden müssen, ein entsprechendes Verfahren ist in Gang gebracht. Der eingesetzte Verwalter sucht derzeit nach Nachnutzungsmöglichkeiten, scheint dabei aber nicht sonderlich erfolgreich zu sein. Für die Kreiszeitung war der Rechtsanwalt gestern nicht erreichbar.

Für Neukyhnas Bürgermeisterin Christine Lösch (CDU) ist es „schade, dass das Projekt nicht erfolgreich war“. Nach Bekanntwerden der Insolvenz, die im Übrigen bereits im April von der Vereinsvorsitzenden Katja Seifarth eingereicht worden sei, habe die Gemeindeverwaltung geprüft, ob sie das Haus in eigener Regie weiterführen könne. „Selbst bei minimal veranschlagten Betriebskosten und vorrangig ehrenamtlicher Arbeit im Haus müssten wir pro Jahr etwa 12000 Euro aufbringen. Das ist uns nicht möglich“, erklärte Lösch. Sie sieht eine Ursache für das Scheitern des Projekts in zu hohen Ausgaben und zu wenigen Einnahmen des Trägervereins.

Dem widerspricht Seifarth. In letzter Zeit, vor der Schließung, hätten die Einnahmen nahezu die Ausgaben gedeckt. „Wir hatten Zulauf, der Jugendclub war immer gut besucht, auch den Nostalgieraum konnten wir vermieten“, erzählte sie. Das „Kreuz gebrochen“ hätten dem Verein die „Altlasten“. Um den Eigenanteil für den Erhalt der Fördermittel aufzubringen, nahm der Verein einen 100000-Euro-Kredit auf, der zunächst mit einem Erbbaupachtrecht abgesichert und vom Gemeinderat genehmigt worden war. Dieser sollte später von einem Sponsor, der auch ein mit Pflanzenöl betriebenes Blockheizkraftwerk in Zschernitz errichten wollte, es aber nie tat, abgelöst werden. Von ihm sollte das Haus zudem auch kostenlos Wärme beziehen. „Dazu ist es aber nie gekommen, obgleich es klare Absprachen gab“, sagte Seifarth. Es musste in eine andere Heizlösung investiert werden. Es liefen erhebliche Kreditzinsen auf, die in keiner Planung berücksichtigt wurden. Zusätzlich hätte sich die verspätete Eröffnung des Hauses – statt Oktober 2007 gingen die Türen erst im Juli 2008 auf – negativ auf die Bilanz ausgewirkt. Die Einnahmen aus der Vermietung an Tagesmütter fielen ganz weg. Im April sah die Chefin von einer Handvoll Vereinsmitgliedern keine andere Wahl, als Insolvenz anzumelden.

Von Ditmar Wohlgemuth

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