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Merbitz spricht über Lage der Polizei in Delitzsch

Kriminalität Merbitz spricht über Lage der Polizei in Delitzsch

Personalmangel, steigende Kriminialitätszahlen: Die sächsische Polizei hat aktuell einige Herausforderungen zu stemmen. Man müsse mit den Menschen reden und sich ihre Sorgen anhören, sagt Leipzigs Polizeipräsident, Bernd Merbitz. Am Dienstagabend besuchte er den Lions Club in Delitzsch und redete Klartext.

Polizeipräsident Bernd Merbitz (Mitte), flankiert vom Präsidenten des Lions Club Delitzsch, Markus Schröter (rechts), und Ex-Landrat Michael Czupalla.

Quelle: Mathias Schönknecht

Delitzsch. Zu wenig Einsatzkräfte auf den Delitzscher Straßen, zu lange Wartezeiten nach Verkehrsunfällen, aber gute Zusammenarbeit über die Landesgrenze hinweg: Leipzigs Polizeipräsident Bernd Merbitz hatte am Dienstagabend große Themen vor der Brust. Der Delitzscher Lions Club hatte ihn eingeladen, hatte eine interne Gesprächsrunde im Bürgerhaus organisiert. Der oberste Polizist im Großraum Leipzig nahm kein Blatt vor den Mund, sprach über die Situation der Beamten – in der Polizeidirektion allgemein und in Delitzsch im Speziellen. Vier wesentliche Punkte kamen zur Sprache:

Polizeipräsenz auf dem Land: Wenn in Leipzig eine Großveranstaltung stattfindet, bei der es möglicherweise zu Ausschreitungen kommt, sei er gezwungen, alle verfügbaren Einsatzkräfte heranzuziehen, auch aus den ländlichen Gebieten, sagte Merbitz. Er sei auf Dauer nicht glücklich über diesen Zustand. Es müsse ein Umdenken in den Ministerien stattfinde.: Er habe schon länger vor dem Stellenbau im Freistaat gewarnt, betonte der Polizeipräsident. Man müsse Schwerpunkte setzen. „Wo die Kriminalität am höchsten ist, müssen auch die meisten Polizisten sein“, sagte er mit Blick auf Leipzig. Doch auch die Sicherheitsbedürfnisse im Landkreis dürften deshalb nicht zu kurz kommen. Der Stadtrand Leipzigs habe schon immer eine gefühlte Grenze dargestellt, weshalb es Nordsachsen seit jeher schwer habe, genügend Aufmerksamkeit zu erhalten.

Führungsebene geht in Ruhestand

Personalmangel: Das Polizeirevier in Delitzsch steht auf der Führungsebene vor einer besonderen Herausforderung: Revierleiter Klaus-Dieter Kabelitz, der Leiter Streifendienst und der Chef der Delitzscher Kripo gehen voraussichtlich in den nächsten Monaten kurz hintereinander in den Ruhestand. Merbitz ist das bekannt. Doch über Personalia äußere er sich nicht, sagte er. „Noch ist Herr Kabelitz da.“ Generell werde mehr Polizei gebraucht. Für die Beamten jage ein Einsatz den nächsten, oft ohne Pause. Dadurch könne es vorkommen, dass man für die Aufnahme eines Einbruchs oder Verkehrsunfalls durch die Polizei bis zu drei Stunden warten müsse.

Drogen- und Beschaffungskriminalität: Das Thema ist in Delitzsch recht präsent, nicht zuletzt durch die zentrale Lage der Stadt zwischen Leipzig, Halle und Bitterfeld. Bernd Merbitz relativierte: Der Drogenkonsum steige zwar weiterhin, aber Delitzsch sei kein Umschlagplatz. Die Stadt habe die gleichen Probleme wie andere Kommunen auch: Wenn man mehr Fahrzeuge und Personen kontrollieren würde, würde man mehr finden. Eher müsse man sich Gedanken um die Wurzeln des steigenden Drogenkonsums machen, zum Beispiel um die Crystal-Meth-Küchen in Tschechien.

Gute Kooperation über Grenzen hinweg

Grenzübergreifende Zusammenarbeit: Die Kooperation mit der sachsen-anhaltischen Polizei und der Bundespolizei funktioniere hervorragend, so Merbitz. Man spreche die gleiche Sprache und stehe im regen Austausch. Die Zahl der von Ausländern begangenen Delikte steige, aber „noch begehen Deutsche die meisten Straftaten“.

Merbitz signalisierte, dass ihm Gesprächsrunden wie diese im Bürgerhaus wichtig seien. Statt Beschwerdebriefe zu beantworten, suche er lieber das Gespräch mit den Bürgern. „Mit mir kann man über alles reden“, betonte er. In diesem Sinne hatte er sich auch für den Lions Club Delitzsch viel Zeit genommen. Mehr als zwei Stunden währte die Diskussion.

Von Mathias Schönknecht

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