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Ministerium gibt Entwarnung: Radioaktive Brennstoffe aus Sachsen nur gering belastet

Ministerium gibt Entwarnung: Radioaktive Brennstoffe aus Sachsen nur gering belastet

Eisenhüttenstadt/Dresden/Leipzig. Vom dem aus Sachsen nach Eisenhüttenstadt gelieferten radioaktiven Brennstoff geht nach bisherigen Erkenntnissen der Behörden in Brandenburg keine Gefahr aus.

Wahrscheinlich handele es sich bei dem für ein Kraftwerk an einer Papierfabrik bestimmten Material um medizinischen Abfall mit nur sehr geringer Strahlung, sagte ein Sprecher des Arbeitsministeriums am Freitag in Potsdam.

Die Lieferung sei überhaupt nur aufgefallen, weil ein Gerät zur Messung radioaktiver Belastung „äußerst fein eingestellt“ sei und sofort Alarm geschlagen habe. Eine Gesundheitsgefahr habe wohl nie bestanden. Leicht strahlender medizinischer Abfall sei eigentlich „Alltag“, sagte der Ministeriumssprecher. Dennoch seien derzeit Experten des TÜV Rheinland auf dem Weg in die Papierfabrik in Eisenhüttenstadt, um die Intensität der Strahlung zu messen. Mit Ergebnissen sei am Freitagnachmittag zu rechnen.

Das radioaktive Material stammt offenbar aus der Mechanisch-Biologischen Abfallbehandlungsanlage (MBA) Cröbern in der Nähe von Leipzig. Aus Siedlungs- und Gewerbeabfall werden dort Wertstoffe aussortiert. Die radioaktiv belasteten Stoffe wurden dann laut sächsischem Umweltministerium an die Kreiswerke Delitzsch geliefert, in der die Brennstoffe für die Papierfabrik hergestellt wurden.

Kreiswerke-Chef Heinz Böhmer konnte sich die Werte nicht erklären. "Wir müssen die Untersuchungen abwarten. So lange bleibt der Lkw stehen. Auch bei uns werden Messungen vorgenommen. Wir haben nichts dergleichen feststellen können, schon gar nicht wurde Radioaktivität gemessen", sagte Böhmer gegenüber LVZ-Online.

Der Geschäftsführer der Westsächsischen Entsorgungs- und Verwertungsgesellschaft (WEV) Bernd Beyer glaubt auch, dass die Messegeräte auf sehr geringe Werte eingestellt gewesen waren. Da komme es auch zu skurillen Funden. „Wir haben einmal im Müll eine verschmutzte Unterhose entdeckt“, berichtete Beyer. Der Besitzer sei zuvor wegen einer Schilddrüsenerkrankung mit radioaktiven Jod-Isotopen behandelt worden. Rückstände gelangten über den Darm in die Kleidung, das Geräte habe deshalb ausgeschlagen.

Belastete Klinikabfälle werden dagegen nicht in Cröbern behandelt. In den Krankenhäusern gebe es dafür spezielle Behälter, die so lange gelagert würden, bis die radioaktiven Werte abgeklungen seien. Die Deponie Cröbern war bereits in der Vergangenheit wegen eines Müllskandals in die Schlagzeilen geraten. Giftige Abfälle aus Italien sollen dort nicht korrekt behandelt worden sein.

Die Stadtverwaltung in Eisenhüttenstadt hatte bis Freitag gar keine Kenntnis von dem Vorfall. „Wir haben erst aus dem Radio davon erfahren“, erklärte eine Sprecherin. Deshalb seien bisher weder Umwelt- oder Ordnungsamt aktiv geworden. Der Vorfall werde nun geprüft. Das Papierfabrik und Heizkraftwerk befänden sich in einem Industriegebiet vor den Toren der Stadt, direkt an der Bahnlinie nach Frankfurt/Oder.

dpa/Michael Frömmert/Frank Pfütze/Matthias Roth

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