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Delitzsch Mit 82 Jahren im Militärflieger unterwegs: Delitzscherin wagt das große Abenteuer
Region Delitzsch Mit 82 Jahren im Militärflieger unterwegs: Delitzscherin wagt das große Abenteuer
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10:00 08.10.2016
Bitte einmal anschnallen: Katharina Koller aus Delitzsch vor ihrem Flug mit einer Jak über Nordsachsen. Quelle: Ditmar Wohlgemuth
Delitzsch/Roitzschjora

Wenn das ihre Linedancegruppe gewusst hätte, wäre die ganz sicher auf dem Flugplatz Roitzschjora gewesen. „Aber sie haben es mir auch so geglaubt, als ich ihnen erzählte, was für ein verrückter Menschen unter ihnen ist“, sagt Katharina Koller.

Die 82-jährige Delitzscherin wollte sich schon lange einen Herzenswunsch erfüllen: „Ich wollte schon immer mal in einer Jak fliegen.“ Das russische Militärflugzeug, mit dem einst Piloten ausgebildet wurden, hatte es ihr mit dem Moment angetan, als sie die Maschine bereits kurz nach dem Start senkrecht in den Himmel rasen sah. Genau diesen Moment wollte sie auch erleben. Ihr hohes Alter, auch manch gesundheitliches Wehwehchen, hält sie von solchen Abenteuern längst nicht ab. Reichlich Mitflugerfahrung bringt die rüstige Dame allemal mit. Mehrere Stunden im Flieger zu sitzen, scheint ihr nichts auszumachen, ihre längste Flugstrecke war übrigens die nach Tahiti im Südpazifik.

Lange Vorbereitungszeit

Und so kam es jetzt, wie es kommen musste. Ist der Wunsch einmal laut formuliert, dauert es auch nicht lange, um ihn real werden zu lassen. „Natürlich nicht immer zur Freude meiner Familie.“ Aber abhalten lässt sie sich davon nicht. Der Kontakt zu einem Piloten war schnell hergestellt, der Termin vereinbart. Wilfried Sturm (62) vom Wega Air Service bietet Erlebnisflüge mit dem Militärtrainer in Roitzschjora an. Er hat auch Erfahrungen mit älteren Passagieren. „Mein ältester war wohl 96 Jahre alt, er hat alles bestens überstanden“, erinnerte sich Sturm.

Im Gespräch wurde man sich schnell einig, was die Frau will und was der Pilot bereit ist, zu wagen. „Gefühlt dauerte das, was vor dem Einsteigen in die Maschine zu erledigen war, länger als in der Luft zu sein“, meinte die Delitzscherin. So beschwerlich wie der Einstieg in die Maschine war, umso intensiver erlebte sie die folgenden Glücksmomente. Als Wilfried Sturm die Höchstleistung des 360-PD-Triebwerkes abrief, schoss die Jak 52 tatsächlich mit ungeahnter Kraft und Beschleunigung über das Rasen-Rollfeld. „Mich hat es in den Sitz gedrückt“, erinnert sich die Passagierin. Sturm zog die Maschine zunächst gemächlich auf Höhe, kreiste einmal über dem Platz, um dann auf 1300 Meter zu steigen und einen Looping zu fliegen. Und dann noch einen. „Ich dachte, das ganze Flugzeug liegt mir auf der Brust, das atmen fiel schwer, trotzdem: Es war wunderschön.“

Loopings und 380 km/h

Katharina Koller erzählt mit Begeisterung vom Erlebten. Zwei Loopings, dreimal „Rumkullern“ und Geschwindigkeiten bis zu 380 km/h reichten der 82-Jährigen dann irgendwann doch und sie bat „nun keine Experimente mehr“. Es schloss sich ein gemächlicherer Flug mit 220 km/h an. Nach 15 Minuten landet die Crew wieder sicher. Nur der Urgroßmutter zitterten die Arme und Beine. „Nicht sichtbar, ich hatte nur das Gefühl“, sagte sie. Auch der Kreislauf hatte kleine Probleme. Katharina Koller bereut nichts, bedankte sich bei ihrer Tochter und ihrem Schwiegersohn. Ohne sie wäre sie nicht nach Roitzschjora gekommen. Was ihre Tochter jedoch Sorgen bereitet, ist der nächste Wunsch auf der Liste. „Jetzt war ich in der Luft, jetzt könnte es doch auch mal unter Wasser gehen“, formulierte die 82-Jährige. Tauchen mit einem U-Boot. Eine Herausforderung für die Nichtschwimmerin? Mitnichten.

Von Ditmar Wohlgemuth

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