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Mühlenfreunde aus ganz Deutschland zu Gast in Nordsachsen

Mühlenfreunde aus ganz Deutschland zu Gast in Nordsachsen


Bad Düben. Über 150 Müller, Mühleneigner, -freunde, -bauer und Vertreter von Kommunen, die Mühlen besitzen, aus ganz Deutschland waren am Wochenende im Landkreis Nordsachsen zu Gast.

. Im Bad Dübener Heide Spa trafen sie sich zur Mitgliederversammlung der Deutschen Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung (DGM).

Jedes Jahr findet diese Zusammenkunft in einem anderen Bundesland statt. Nachdem die Mühlenfreunde Anfang der 1990er-Jahre bereits einmal im Freistaat, damals im Erzgebirge, getagt hatten, war nun die Region Nordsachsen unter Obhut des sächsischen Landesverbandes und des hiesigen Mühlenvereins Gastgeber. Zum Programm gehörten auch Exkursionen zu den Mühlen im Kreis. Für drei Routen konnten sich die Gäste entscheiden. Und zum Teil waren ihre Wünsche schon ganz speziell auf die jeweilige Technik ausgerichtet. Bettina Böhme, die Vorsitzende des Sächsischen Mühlenvereins, interessierte sich besonders für die Göpelmühle in Hohenprießnitz. „Die ist relativ neu und ich kenne sie noch nicht", so die Chefin des Landesverbandes. Andere wie Joachim Martin aus Syrau waren auf alles gespannt, was in Nordsachsen geboten wird. Martin ist Mühlenfreund und betreut die kommunale Mühle in seinem Heimatort. „Was Mühlentechnik betrifft, bin ich Laie, deshalb ist der Erfahrungsaustauch für mich besonders wichtig", erzählte der Vogtländer, bevor er einen der drei Busse bestieg.

Thematisch hätte es bei dieser Mitgliederversammlung keine besonderen Schwerpunkte gegeben. Natürlich habe die Vorbereitung des 25. Geburtstages der DGM am 25. Juli 2012 eine Rolle gespielt. So gebe es Überlegungen, eine Festschrift zu erarbeiten, mit der auch Laien etwas anfangen könnten, erklärte Böhme. Aber komplizierte Dinge wie die Anpassung des Wasserechtes an europäische Vorgaben spielten diesmal keine Rolle. Zu den Auswirkungen solcher rechtlichen Veränderungen wartete Peter Schüßler, der Besitzer und Betreiber der Bad Dübener Stadtmühle, gleich mit einem Beispiel auf, als er seinen Gästen erzählte, was es ihm das kostet, wenn er die geforderte Fischtreppe errichten würde. Etwa 200 000 Euro müsste er investieren. „Das steht in keinem Verhältnis zur Wirtschaftlichkeit. „Ich bin bereit einen Betrag für den Fischbesatz im Bach zu leisten, aber eine solche Treppe baue ich nicht", so der Vorsitzende des Vereins Mühlenregion Nordsachsen. Viel Lob ernteten die Gastgeber für die perfekte Organisation des Wochenendes. „Locker, aber professionell", sagte Joachim Varchimin aus Landsberg am Lech. Sehr gut hätte ihm der Fachvortrag „75 Jahre Artelt-Mühlenbau in drei Generationen im Wandel der Zeit" gefallen. „Der Vortrag unterstrich, dass sich die Müller und Mühlenbauer in Ostdeutschland viel intensiver an veränderte Bedingungen anpassen mussten als beispielsweise in Bayern", sagte der Mühlentechniker. Und Alois Schneider, Wassermühlenbesitzer aus dem Landesverband Rheinlad-Pfalz-Saarland ergänzte: „Die Geschichte der Firma Artelt in Thüringen ist ein typisches Beispiel, wie aus einem einfachen Mühlentechniker ein Unternehmen geworden ist." Das Wissen der Mühlenbauer bezeichnete er als unschätzbar, deshalb sei der Erfahrungsaustausch bei Veranstaltungen wie diesen sehr wichtig.

Einige Besucher schauten auch neidisch auf die Nordsachsen, weil hier die Mühlenerhaltung kommunalpolitisch gewollt ist. „Ich beneide Kreise, wo der Landrat Mitglied im Mühlenverein ist. Davon können wir im Breisgau-Hochschwarzwald nur träumen. Wie es hier in Nordsachsen funktioniert, da wollen wir erst hin", sagte Ulrich Höppner aus Süddeutschland. Von einem glücklichen Umstand sprach diesbezüglich Andrea Heyn, Geschäftsführerin des Vereins Mühlenregion Nordsachsen, weil „wir vom Zweckverband Kulturraum Leipzig gefördert" werden.

Thomas Steingen

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