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Delitzsch Museen in Nordsachsen geben Einblicke in den Dreißigjährigen Krieg
Region Delitzsch Museen in Nordsachsen geben Einblicke in den Dreißigjährigen Krieg
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05:26 20.04.2018
Delitzscher Landsknechte, Museumsleiter und Vertreter der Brauerei bei der Vorstellung des Projektes über den Dreißigjährigen Krieg. Günter Tempelhof (Vierter von rechts) hatte die Idee dazu. Quelle: Thomas Steingen
Krostitz

Nach dem Lutherjahr 2017 steht in diesem Jahr für die Region ein weiteres historisches Datum an, das es verdient, ins Licht der Öffentlichkeit gerückt zu werden. Am 23. Mai vor 400 Jahren brach der Dreißigjährige Krieg aus, in dessen Verlauf die Schlacht bei Breitenfeld große Bedeutung erzielte und verheerende Folgen für die Menschen im heutigen nordsächsischen Raum hatte. Unter dem Thema „Je weniger Klingen je größere Herzen“ startet im Mai ein Gemeinschaftsprojekt, bei dem fünf Museen der nordsächsischen Städte Delitzsch, Eilenburg, Bad Düben, Taucha und Torgau in Vernetzung mit Museen in Franken und Böhmen sowie der Leipziger Universitätsbibliothek thematische Ausstellungen präsentieren, in denen die Ereignisse dieses Teils der deutschen Geschichte anschaulich nachvollziehbar werden. Begleitet werden diese mit einer Vielzahl an Veranstaltungen. Im Gustav- Adolf-Adolf-Saal der Krostitzer Brauerei, die das Projekt fördert und unterstützt, stellte Initiator und Projektleiter Günter Tempelhof gemeinsam mit Leitern der teilnehmenden Museen das Projekt vor.

Günter Tempelhof war Ideengeber

„Wir wollen gedenken, erinnern und aufrütteln“, beschreibt Tempelhof das Anliegen. Die Idee zu diesen Sonderausstellungen hatte der Hobbyhistoriker bereits 2013. Wie er berichtet, habe das Vorhaben mit der Zusage der Krostitzer Brauerei, das Projekt zu unterstützen, aber erst richtig Fahrt aufgenommen. „Zukunft braucht Herkunft“, betont Brauereichef Wolfgang Welter. „Unser Bier ist mit einer historischen Gestalt aus dieser Zeit verbunden. Dass der Schwedenkönig Gustav Adolf 1631 zu Gast in Krostitz war, hängt unmittelbar mit den Ereignissen des Dreißigjährigen Krieges zusammen. Deshalb ist es uns eine angenehme Verpflichtung, dieses viel versprechende Projekt zu unterstützen“, begründet Welter.

Dabei hilft das Unternehmen nicht nur finanziell, sondern stellt auch Räume zur Verfügung. So ist die Brauerei Gastgeber des wissenschaftlichen Kolloquiums am 18. Mai. Gestartet wird das Ausstellungsprojekt zum Dreißigjähriger Krieg bereits am 5. Mai mit einem Eröffnungskonzert in der St. Nikolai Kirche in Eilenburg. Dieses Abendsingen gestalten die Kurrende Bad Düben und die Martin-Rinckart Kantorei. Als weitere Höhepunkte unter den Veranstaltungen, die bis Oktober reichen, kündigt Tempelhof unter anderem „Die Grüne Schwedische Brigade“ zum historischen Biwak in Bad Düben vom 24. bis 26. August an. Fünf historische Gruppen, darunter die Delitzscher Landsknechte, werden die Vereinigung des schwedischen und sächsischen Heeres darstellen. Und auch der Königstrunk in Krostitz, bei dem Gustav Adolf seinen Ring in den Bierkrug geworfen haben soll, wird nachgestellt.

Ausstellungen in den Städten

Die Themen für die Sonderausstellungen haben die Museen für sich gesetzt. Unter dem Thema „Wissen für die Zukunft“ geht beispielsweise das Landschaftsmuseum in Bad Düben vom 27. Mai bis 31. Oktober der Frage nach, ob und welches Wissen über Kriege der Menschehit zum Fortschritt verhilft.

Die Sonderschau im Delitzscher Barockschloss (19. Mai bis 28. Oktober) ist mit „Kampf und Leid“ überschrieben. „Delitzsch lag dicht an der großen Schlacht bei Breitenfeld, wo 77 000 Soldaten aufeinandertrafen. Wir wollen die Reflexion dessen auf die Stadt darstellen“, erklärt Museumsleiter Jürgen Geisler. So gibt die Ausstellung Einblicke in die wachsende Verschlechterung der Lebensumstände der zivilen Bevölkerung und der Heere. „Wir werden auch zeigen, wie das Leben der Söldner ausgesehen hat“, nennt Geisler einen weiteren Aspekt. Zudem würden in dieser Zeit in der Region entstehende Sagen und Verklärungen aufgegriffen.

„Friedenssehnsucht“ ist der Titel der Exposition im Stadtmuseum Eilenburg (13. Mai bis 31. Oktober). Anhand authentischer Objekte wird die Friedenssehnsucht der Menschen am Beispiel der Stadt Eilenburg thematisiert. Während Eilenburg den vermeintlichen Frieden feierte, ging der Krieg anderswo weiter, lagen in der Stadt Hunderte Verletzte aus der Schlacht. „Zahlenmäßig wollen wir auch die Opfer in den umliegenden Dörfern erfassen“, verrät Museumsleiter Andreas Flegel.

Krieg und seine Drucksachen

„Der Dreißigjährige Krieg war nicht nur eine große militärische Auseinandersetzung, sondern auch der erste Medienkrieg in der Geschichte Europas“, erklärt Prof. Thomas Fuchs, Kurator der Ausstellung in der Universitätsbibliothek Leipzig. Mit einer Flut von Publikationen kommentierten die verschiedenen Kriegsparteien die Ereignisse. „Die zentrale Figur dabei war der Schwedenkönig Gustav Adolf II. Etwa ein Drittel aller Flugschriften beschäftigte sich mit ihm“, so Fuchs weiter. Deshalb ist die Leipziger Schau (25. Mai bis 2. September) „Der Dreißigjährige Krieg und seine Drucksachsen“ betitelt. Ausgestellt würden ausschließlich Exponate aus dem Fundus der Bibliothek, so Fuchs.

Thematisch ähnlich ist die Tauchaer Ausstellung im Städtischen Museum (25. Mai bis 28. Oktober) angelegt. Der Titel dort: „Des Krieges Buchstaben“ und in Torgau heißt es vom 26. Mai bis 28. Oktober „Die Schweden kommen“.

Von Thomas Steingen

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