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Delitzsch Delitzscher Museum zeigt ab 18. Mai Sonderschau zum Dreißigjährigen Krieg
Region Delitzsch Delitzscher Museum zeigt ab 18. Mai Sonderschau zum Dreißigjährigen Krieg
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00:29 14.05.2018
Museumsleiter Jürgen Geisler zeigt das „Legstück“, ein tragbares Geschütz aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Quelle: Wolfgang Sens
Delitzsch

Wie soll deutlich werden, was damals geschah? Die Ausstellung „Kampf und Leid – der Dreißigjährige Krieg um Delitzsch und seine Folgen“ wird am 18. Mai im Schloss-Museum starten. Die Loberstadt reiht sich in den Reigen der nordsächsischen Aktionen aus Anlass des Kriegsbeginns vor 400 Jahren ein. Derzeit wird aufgebaut. Noch stehen die meisten Vitrinen leer, doch die ersten Stücke sind schon da. „Wir haben bei den Recherchen gemerkt, wie selten manches ist“, erklärt Museumsleiter Jürgen Geisler. Das betrifft sogar die eigenen Bestände. So wollte er ein weiteres Exemplar der Hakenbüchse, die aus dieser Zeit in der ständigen Delitzscher Ausstellung gezeigt wird, anderswo für die Schau ausleihen. Doch das gelang nicht.

Historische Leihgaben

„Letztlich ist’s kein Wunder. Was nicht zerstört und nutzbar war, wurde von den Siegern als Beute mitgenommen“, konstatiert Geisler. „Und wenn solche Waffen nach dem Krieg nicht mehr gebraucht wurden, hat sie die Bürgerschaft natürlich auch verkauft.“

Geisler hat bereits einige Hundert Kilometer zurückgelegt, um anschauliche Objekte nach Delitzsch zu bringen: Sturmhaube aus dem Zörbiger Heimatmuseum, der Husarenhelm aus dem Schlossbergmuseum Chemnitz. Auch das „Legstück“ gelangte von dort ins Barockschloss. Das Design der Minikanone erinnert ein wenig an eine Armbrust. Immerhin konnte sie getragen werden. In den kommenden Tagen soll auch ein Mörsergeschützrohr aus dem militärhistorischen Museum Dresden eintreffen. Das wiegt rund 200 Kilo.

Kriegsalltag

Wie sich tausende Soldaten versorgten, zeigt Kochgerät wie der Wasserkessel mit drei Beinen, unter dem mit Holz Feuer gemacht wurde. Geschlafen wurde unter einer Plane. Ulf Pareé und Cornelia Kirsten, die zu den Delitzscher Landsknechten gehören, haben sie nachgefertigt. Sie kleideten auch die Schaufensterpuppe in historischer Uniform ein. „So ein Landsknecht hatte nur das, was er tragen konnte. Wenn Marketenderinnen dabei waren, kam mehr Ausrüstung dazu“, erklärt der Museumsleiter. „Und hat sich der Krieg selbst ernährt.“ Das heißt, wenn ein Tross von Zigtausenden den Weg zu den Schlachtfeldern über die Dörfer suchte, dann nahmen sich Soldaten und Marketenderinnen, was sie brauchten. Wenn es sein musste, mit Gewalt. Dann war auch das Korn weg, das sich ein Bauer für die nächste Aussaat zurückgelegt hatte. Das gefährdete nicht allein dessen Lebensgrundlage“, so Geisler. „Damit es überhaupt weitergehen konnte, musste dann ein Landesherr für Saatgut sorgen.“

Nachrichten aus der Vergangenheit

Eindrücklich sind auch Aufzeichnungen von Zeitgenossen: Das Fell einer Trommel, das ein Offizier als Erinnerung an die Schlacht bei Breitenfeld beschriftete, wird erstmals gezeigt. Oder der Holzbalken aus der Poldewitzer Kirche, auf dem der Pfarrer, der die Schlacht offenbar beobachtete, vermerkt: „Kehret sich daglig alles um.“ – „Die Zeiten damals waren unsicher, wer Freund war, konnte am Tag darauf Feind sein“, interpretiert Geisler.

In Eilenburg startet die Ausstellung im nordsächsischen Zyklus „Je weniger Klingen, je größere Herzen“ bereits diesen Sonnabend zur Museumsnacht ab 19 Uhr. In Delitzsch wird „Kampf und Leid“ am Freitag, dem 18. Mai, ab 18 Uhr eröffnet.

Von Heike Liesaus

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