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Musikkabarett seit 20 Jahren auf der Bühne

Ballhaus-Jubiläum Musikkabarett seit 20 Jahren auf der Bühne

Vor zwanzig Jahren hat es mit einem Wunschkonzert aus privatem Anlass angefangen. Daraus sind jetzt 20 Jahre Ballhaus Westkämper geworden. Das Trio mit Sven Uber, Matthais Denef und Stephan Westkämper unterhält heute Hunderte Gäste gleichzeitig, spielt aber sehr gern auch im kleinen Rahmen.

Das Delitzscher Musik-Kabarett Ballhaus Westkämper zu Beginn der künstlerischen Karriere.

Quelle: privat

Delitzsch. Das Ballhaus Westkämper wird 20. Passend dazu heißt das neueste Programm „Die besten 20 Song aus 20 Jahren“. Das Musik-Kabarettisten-Trio um den Delitzscher Namensgeber Stephan Westkämper ist ein Institution, ihre Aufführungen regelmäßig schnell ausverkauft. Restkarten gibt es noch für morgen und Donnerstag, Beginn 19 Uhr, an der Abendkasse in der „Galerie am Ratswall“ in Bitterfeld. Am 12. und 13. November folgen noch zwei kleine, aber feine Auftritte im „Cafe Blumenkunst“ in Delitzsch. LVZ sprach mit Stephan Westkämper (57).

Wie kam es zur Gründung des Ballhauses?

Im August 1996 wurde ich von einem befreundeten Delitzscher Zahnarzt gefragt, ob ich nicht ein musikalisches Programm zu dessen 60. Geburtstag Ende September empfehlen könnte. Ich erinnerte mich an meine Liedermacher-Zeit in den 80er-Jahren und bekam Lust, selbst wieder ein musikalisches Projekt auf die Beine zu stellen. Inzwischen hatten es mir der schwarzhumorigen Schlager der 20er-Jahre angetan. Auf der Gitarre machte so etwas jedoch wenig Sinn. Mit dem Delitzscher Pianisten Matthias Denef (43) fing ich an zu proben. Schnell merkten wir aber, dass da noch „das gewisse Etwas“ fehlte. Den Violinisten Sven Uber (56) kannte ich von der damaligen Folk-Band „Findlinge“. Den ersten gemeinsamen Auftritt gab es beim Geburtstag besagten Zahnarztes.

Wo finden Sie vor allem die Inspiration für die eigenen Lieder?

Im Alltag. Ich notiere mir ständig irgendwelche Beobachtungen. Früher ins Heftchen, heute in den Handapparat, der ja immer dabei ist. Manchmal träume ich auch ganze Teile eines neuen Songs und werde danach wach. Wenn ich dann die Idee nicht gleich notiere, ist sie am nächsten Tag weg. Der Rest ist Fleißarbeit. Die „Jungs“ lassen sich für die Arrangements meist vom Text inspirieren. Das geht bei denen enorm schnell, denn ich habe das Glück, mit absoluten Profis zusammenarbeiten zu dürfen.

Legendär sind Ihre Auftritte als schillernde Diva. Ist die Dame auch im Jubiläumskonzert zu erleben?

Nee, die Diva gebe ich nicht mehr. Die ganze Travestie-Nummer habe ich immer als Parodie betrachtet und auch so angelegte. Aber „Erna Pläätzsch“, die Ur-Delitzscherin, ist seit langem mal wieder mit dabei und falls das Publikum es wünscht, wird sie auch ein kleines neues Liedchen zum Besten geben. Also haben wir ja, wie mir gerade auffällt, doch noch ein bisschen Travestie im Programm. 

Welche Auftritte sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Wir haben mal vor zwölf katholischen Pfarrern gespielt, die haben Stimmung für 120 gemacht. Auch die drei Auftritte jeweils zum Start der Leipziger Lachmesse in der Funzel waren für uns schon etwas Besonderes, auch eine kleine Ehre.

Wie sieht der Alltag eines Musikkabarettisten aus? Wie lange vorher fangen Sie mit dem Proben an?

Bis Nachmittag schlafen und dann solange Champagner frühstücken, bis irgend eine Idee kommt. Nee, im Ernst: Wir alle haben noch eine „Zweitbeschäftigung“: Matthias ist freischaffender Pianist und Klavierlehrer, Sven Geigenlehrer und ich habe meine Videoproduktionsfirma. Da dauert die Erarbeitung eines komplett neuen Programmes schon ein paar Monate. Zu unseren Jubiläumskonzerten gibt es aber überwiegend Lieblingssongs von uns und des Publikums zu erleben, aber auch selten gespielte Stücke. Ein paar ganz neue Songs werden aber auch zu hören, zu bestaunen oder zu bekopfschütteln sein.

Schwarzer Humor zieht sich durch Ihre Programme. Ist es auch der Humor, der das Trio zusammenhält?

Wir lachen meist nur über uns, also jeder über sich. Die Fähigkeit zur Selbstironie haben wir uns im Laufe der Jahre schwer erarbeitet.

Wie sieht die Zukunft des Ballhauses aus? Wo sehen sie sich in 20 Jahren? 

Die Rockerrente planen wir jedenfalls nicht, da wir ja keine Rocker sind.  Am schönsten wäre, wenn alles so bliebe, wie es ist.

Von Ditmar Wohlgemuth

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