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Nach 24-Millionen-Auftrag: Delitzscher Bahnwerk hofft auf weitere Coups

Nach 24-Millionen-Auftrag: Delitzscher Bahnwerk hofft auf weitere Coups

Der EuroMaint GmbH ist ein großer Coup gelungen. Das Delitzscher Unternehmen hat mit der Modernisierung von zwölf Triebfahrzeugen der italienischen Bahngesellschaft Ente Autonomo Volturno (EAV) nicht nur den größten Auftrag seit Bestehen des deutschen Tochterunternehmens der schwedischen EuroMaint Rail AB ergattert, sondern, wie Geschäftsführer Robert Lehmann sagt, auch eine tiefe Wunde gerissen, denn damit hatte in Italien niemand gerechnet.

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So sollen die Triebzüge für die italienische Bahngesellschaft EAV nach der Modernisierung aussehen. Fotomontage: EuroMaint GmbH

Quelle: Euro Maint Rail GmbH

Kreisgebiet. "Es ist das erste Mal, dass ein deutsches Werk der Schienenfahrzeuginstandhaltung eine Ausschreibung eines italienischen Verkehrsunternehmens, das sich zu 100 Prozent in kommunaler Hand befindet, gewinnt", so Lehmann. EAV betreibt in der Region Neapel, dort, wo alle wichtigen Bahnhersteller angesiedelt sind, den Schienenpersonennahverkehr.

Rund zwei Jahre Vorbereitung gingen voraus, in denen die Delitzscher den Dialog zu italienischen Kommunen suchten, um das Terrain zu sondieren, denn bei der ersten Ausschreibung 2013 zahlten sie kräftig Lehrgeld. "Da haben wir gelernt, dass wir als Deutsche allein in Italien nichts erreichen können. Also haben wir einen Italiener engagiert, der für uns die Türen geöffnet hat", berichtet der Geschäftsführer.

Wie berichtet, sichert der 24-Millionen-Auftrag im Jahr 2015 den EuroMaint-Standort Delitzsch, denn der Bahnmarkt befindet sich in einem großen Umbruch. Realisierte das Delitzscher Werk 2012 noch etwa 50 Prozent seines Umsatzes mit Aufträgen der Deutschen Bahn, waren es laut Lehmann 2014 nur noch zwei Prozent. "Die Deutsche Bahn trennt sich zunehmend von ihren ehemaligen Partnern und wird für sie zum größten Konkurrenten." Für das Delitzscher Werk heißt das Neuausrichtung auf den europäischen Markt, deshalb auch die Aktivitäten in Italien. Der jetzige Großauftrag ist Chance und Herausforderung zugleich. Wobei Robert Lehmann einräumt, dass die Finanzierung von Aufträgen in dieser Größenordnung nur im Verbund mit der schwedischen Mutter möglich sei. Andererseits könne man sich nicht zurücklehnen, denn das Werk benötige Anschlussaufträge. "Mit diesem Projekt wollen wir beweisen, dass wir es können", gibt der Geschäftsführer die Marschroute vor. So führt das Projekt auch zu Veränderungen im Werk. Ein eigenes Projektteam kümmert sich nur um diesen Auftrag. Derzeit ist das Team in Italien und übernimmt die Fahrzeuge, die dann per Lkw ab Mitte März in Delitzsch eintreffen sollen.

Für die Modernisierung der Triebzüge des Typs FE220 wird eine komplette Halle des Werkes genutzt. "Im Sommer werden dort bis zu 30 Wagenkästen gleichzeitig in Bearbeitung sein", erklärt Robert Lehmann. Dabei wird sich das EuroMaint-Werk auf seine Kernkompetenzen Wagenkästen, Radsätze, Drehgestelle und Endmontage konzentrieren. Andere Leistungen wie Klimatisierung, Elektrik oder Innenausstattung sollen an Fremdfirmen, die darauf spezialisiert sind, vergeben werden. "Dabei werden wir auch mit mehreren italienischen Firmen, die die Besonderheiten ihrer Bahn kennen und die dafür notwendigen Technologien beherrschen, zusammenarbeiten", so Lehmann weiter. Um die Kommunikation mit den ausländischen Monteuren zu erleichtern, wird EuroMaint noch einen Landessprachler als Dolmetscher einstellen. "Zudem hoffe ich, dass auch unsere Mitarbeiter bei diesem Auftrag ihre Sprachkenntnisse etwas erweitern können." Gerade in Ostdeutschland herrsche diesbezüglich Nachholbedarf. Sprachkenntnisse seien aber künftig notwendiger denn ja. Vor allem bei einer europäischen Ausrichtung, wie sie die EuroMaint Rail GmbH, die 2012 ihren Sitz der Zentrale in Deutschland von Mannheim nach Delitzsch verlagerte, jetzt eingeschlagen hat. Neben Italien sieht Lehmann die Benelux-Staaten, aber auch Tschechien, Slowakei, Polen oder Ungarn als interessante Bahn-Märkte.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 20.02.2015
Thomas Steingen

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