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Nach EC-Karten-Diebstahl: Expertin analysiert Videoaufnahmen

Amtsgericht Eilenburg Nach EC-Karten-Diebstahl: Expertin analysiert Videoaufnahmen

Überwachungskameras haben eine Person beim Geldabheben mit einer gestohlenen EC-Karte gefilmt. Das Eilenburger Amtsgericht hatte zu klären, ob es der Angeklagte war. Die Gutachterin vergleicht mehr als 30 Merkmale und kommt zu dem Schluss: „Höchstwahrscheinlich ist er nicht der Täter.“ Damit bestehen erhebliche Zweifel an dieser Tat.

Das Amtsgericht Eilenburg.

Quelle: Wolfgang Sens

Eilenburg. Für die Justiz war der Delitzscher Helge T. (Name geändert) bislang ein Unbekannter. Er war nicht vorbestraft. Ihn aber als einen Musterschüler darzustellen, wäre auch verkehrt. Für einen Berufsabschluss hat es bislang nicht gereicht. Und der 26-Jährige stand nun als Angeklagter vor dem Eilenburger Amtsrichter Ruben Franzen. Was ihm von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen wurde, deutete auf einen „schweren Jungen“ hin, der bisher wahrscheinlich bloß noch nicht erwischt wurde. Andererseits verwies die Körperhaltung des jungen Mannes eher darauf, dass ihm jede Menge Selbstvertrauen fehlt, er mit sich selbst noch nicht im Reinen ist.

Schlagring in der Hosentasche

Als dann Staatsanwalt Steffen Barthel aufzuzählen begann, was Helge T. vorgeworfen wurde, konnte einem schon Angst und Bange werden. Unter anderem soll der junge Mann einen Diebstahl mit einer gefährlichen Waffe, aber auch einen Einbruch, einen besonders schweren Diebstahl begangen haben. Auch soll er einer älteren Kundin in einem Lidl-Markt in Delitzsch die Geldbörse entwendet haben. Und damit war es immer noch nicht genug. Mit der EC-Karte habe er mehrfach untere dreistellige Beträge von einem Geldautomaten abgehoben, warf ihm die Staatsanwaltschaft vor.

“Damit habe ich nichts zu tun.“

Richter Ruben Franzen ging die einzelnen Anklagepunkte akribisch durch. „Wie war das mit der Handtasche und den Geldabhebungen?“ fragte er. Wie aus der Pistole geschossen antwortete Helge T.: „Damit habe ich nichts zu tun.“

„Und was ist mit dem Schlagring, den Sie bei Ihrem Diebstahl im Supermarkt dabeihatten?“ Auch darauf hatte der Angeklagte eine sofortige Antwort. „Das war Zufall, habe ihn erst ein, zwei Tage vorher von meinem Kumpel bekommen, weil er ihn nicht mehr wollte.“ Ein Schlagring ist eine verbotene Waffe. Man darf ihn weder besitzen, noch mit sich führen. Weil er ihn aber dabeihatte, als er Lebensmittel im Wert von 2,59 Euro mitgehen ließ, wird es problematisch. „Damit sind Sie sofort im Bereich einer Freiheitsstrafe“, betonte Richter Franzen. Bei dem geringen Wert der Ware wäre es sonst auf eine Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldauflage hinausgelaufen. Davon sei er jetzt meilenweit entfernt, hieß es.

Von der Polizei geschnappt

Den Einbruch in einen Imbiss im Gewerbegebiet Delitzsch Südwest gab Helge T. unumwunden zu – es nützte ihm nur nicht viel. Er habe nach Essbarem gesucht und sich mit einer Feuerwehraxt Zugang verschafft. Weit ist er mit seiner Beute allerdings nicht gekommen. Die Polizei schnappte ihn noch in der Nähe und mit den Lebensmitteln.

Über 30 Merkmale verglichen

Um Helge T. die Geldabhebungen von einem Geldautomaten nachweisen zu können, beauftragte Richter Franzen eine Spezialistin. Eine forensische Anthropologin aus Jena sollte herausfinden, ob Überwachungskameras tatsächlich Helge T. filmten. Grundlage für die Identifikation ist die Beurteilung von sogenannten morphologischen – Struktur und Form – Oberflächenmerkmalen des Körpers. Die Gutachterin stellte ihre Ergebnisse auch für Laien verständlich dar. Sie identifizierte teils über 30 Merkmale und verglich sie mit dem Angeklagten. Die Ohrmuschelform spielte dabei eine zentrale Bedeutung, aber auch der Haaransatz, die Ausprägung des Jochbeins und die Augenpartie. Scheinbar unbeteiligt folgte der Angeklagte den Ausführungen. Für ihn stand das Ergebnis offenbar schon vorher fest und er bekam prompt die Bestätigung: „Er ist höchstwahrscheinlich nicht der Täter“, hieß der Satz der Gutachterin, der Helge T. ein leichtes Lächeln aufs Gesicht zauberte. Und dann überraschte er Richter Franzen noch mit einer Bemerkung: „Ich kenne diese andere Person.“ Er hätte sogar Fotos, die er gern dem Gericht zur Verfügung stellen werde.

Trotzdem Freiheitsstrafe

Nach dem Vortrag fiel das Plädoyer der Staatsanwaltschaft recht kurz, aber prägnant aus. Nachweisbar seien die Lebensmitteldiebstähle. Nachteilig wirke sich allerdings der in der Tasche gefundene Schlagring aus. Steffen Barthel beantragte eine Freiheitsstrafe von fünf Monaten, die zur Bewährung auszusetzen seien. Dem folgte Richter Franzen. Der wiederum schien beeindruckt von dem zu sein, was die Sachverständige darlegte. „Sie konnte ausschließen, dass Sie der Täter waren.“ Für ein Jahr soll Helge T. eine Bewährungshilfe zur Seite gestellt werden. „Sie scheinen sich wieder gefangen zu haben“, konstatierte der Richter abschließend. Die verhandelten Straftaten datierten alle aus dem Jahr 2014. Seitdem ist der Delitzscher nicht wieder straffällig in Erscheinung getreten.

Von Ditmar Wohlgemuth

Eilenburg 51.4597557 12.617702
Eilenburg
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