Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 11 ° Sprühregen

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Nach Messerattacke in Delitzsch: Algerier muss sich jetzt vor Gericht verantworten

Gefährliche Körperverletzung Nach Messerattacke in Delitzsch: Algerier muss sich jetzt vor Gericht verantworten

Es war der Tag des islamischen Opferfestes. Doch an jenem 4. Oktober 2014 endete die Festlichkeit beinahe tödlich. Ein Streit zwischen Asylbewerbern am Unteren Bahnhof in Delitzsch war eskaliert, ein Tunesier wurde niedergestochen. Seit Dienstag muss sich ein Algerier vor dem Landgericht Leipzig wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten.

Der Angeklagte Said I. mit seinem Verteidiger Markus Czempik (rechts).

Quelle: André Kempner

Delitzsch/Leipzig. Es war der Tag des islamischen Opferfestes. Für Moslems auch in Delitzsch ein wichtiger Feiertag. Doch an jenem 4. Oktober 2014 endete die Festlichkeit beinahe tödlich. Ein Streit zwischen Asylbewerbern am Unteren Bahnhof war eskaliert, ein Tunesier wurde niedergestochen. Nur eine sofortige Operation rettete sein Leben. Ein Algerier, dringend tatverdächtig, muss sich seit Dienstag vor dem Landgericht Leipzig wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten. Ihm droht eine Verurteilung wegen versuchten Totschlags oder versuchten Mordes. An diesem Mittwoch wird der Prozess fortgesetzt.

Der abendliche Vorfall hatte damals für reichlich Aufregung am Bahnhof gesorgt. Der schwer verletzte Mann hatte noch versucht, in eine örtliche Bar zu gelangen, wurde aber abgehalten. Als der Rettungsdienst eintraf, saß er stark blutend auf dem Bahnhofsvorplatz. Im Bereich des Brustkorbes und der linken Achselhöhle klaffte eine tiefe Wunde. Wie vor Gericht geschildert wurde, hatte der Täter ihm gegen 22 Uhr direkt vor Ort ein Messer mit etwa zehn Zentimeter langer Klinge in den Leib gerammt. Nur knapp verfehlte das Metall Herz und Lunge, eine Schlagader wurde getroffen. „Der Geschädigte wird wegen Vernarbungen wohl dauerhaft Schmerzen haben. Einschränkungen der Atemfunktion sind möglich“, beschrieb die Staatsanwaltschaft den Gesundheitszustand des Opfers.

Der Auslöser dieser Gewalttat: offenbar eine Kleinigkeit. Eventuell ging es um einen Zoff bei einer Opferfest-Feier in Delitzsch-Nord. Als wahrscheinlicher zeichnete sich während der Verhandlung allerdings ein Konflikt ums Geld ab. Gestritten wurde vermutlich um zehn Euro aus einem Drogengeschäft. „Es geht doch immer um Drogen“, sagte ein Zeuge hinsichtlich seines Bekanntenkreises im Asylbewerberheim im Delitzscher Ortsteil Spröda. Marihuana-Konsum sei demnach ein alltägliches Phänomen, ebenso Gewalttätigkeiten und der großzügige Umgang mit Alkohol. Bier, Wodka, Marihuana – er konsumiere das, um zu vergessen, sagte der Angeklagte. „Ich weiß, es macht mich kaputt, aber ich bin gestresst. Weil ich hier nicht arbeiten darf.“

Der Alkohol spielte auch am 4. Oktober 2014 eine Hauptrolle. Sowohl der mutmaßliche, heute 24 Jahre alte Messerstecher als auch sein 34-jähriges Opfer waren stark betrunken. Ob und warum der Algerier zustach, darüber wollte er nicht sprechen. Er sitzt derzeit in Untersuchungshaft, wurde sechs Tage nach den Ereignissen in der Unterkunft in Spröda festgenommen. Ursprünglich hatte das Landgericht den Fall ans Amtsgericht verwiesen, weil es keinen Tötungsvorsatz erkannte und damit das zu erwartende Strafmaß geringer ist. Begründung: Der mutmaßliche Täter blieb nach dem Übergriff zugegen, bis der Rettungsdienst kam. Und er stach kein zweites Mal zu, obwohl er Gelegenheit hatte. Auch Notwehr steht im Raum. Die Staatsanwaltschaft ist dennoch von versuchtem Totschlag überzeugt – weil der Angriff unvermittelt und von hinten erfolgt sei. „Und der Angeklagte konnte einschätzen, wie gefährlich dieser Messerstich ist“, so die Anklagebehörde. Eine psychische Erkrankung wurde nicht attestiert. Die Staatsanwaltschaft holte das Verfahren deshalb per sofortiger Beschwerde ans Amtsgericht zurück. Es droht nun eine Freiheitsstrafe von mehr als vier Jahren.

Die weitere Aufklärung dessen, was sich am Unteren Bahnhof abspielte, dürfte sich allerdings schwierig gestalten. Eine erste Zeugenaussage ging mit Widersprüchen einher, ein Hauptzeuge erschien gar nicht. Und das Opfer? Ist nicht auffindbar, wird per Haftbefehl gesucht. Der Tunesier soll in anderer Sache eine Ersatzfreiheitsstrafe absitzen.

Von Kay Würker

Leipzig Harkortstraße 51.3326568 12.3712573
Leipzig Harkortstraße
Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Delitzsch
  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • Geld für Vereine der Region
    Mikrologo Angestust

    Mit der Aktion „Angestupst“ unterstützen LVZ und Sparkasse Leipzig die Vereine der Region. Die nächste Runde läuft - jetzt mitmachen und bewerben! mehr

  • LVZ-Sommerkino im Scheibenholz
    LVZ Sommerkino im Scheibenholz: Alle Infos zu Filmen, Ticketverkauf und dem Rahmenprogramm.

    Das LVZ-Sommerkino lud wieder zu unterhaltsamen Filmabenden ins Scheibenholz ein. Sehen Sie hier einen Rückblick in Fotos und Geschichten. mehr

  • LVZ-Fahrradfest 2017
    Logo LVZ-Fahrradfest

    Das 13. LVZ-Fahrradfest lud am 14. Mai 2017 wieder Radler ein, gemeinsam in die Pedalen zu treten. Fotos, Videos und Infos finden Sie in unserem Sp... mehr

23.09.2017 - 15:12 Uhr

Mit einem 4:4-Unentschieden muss sich die U19 am Ende in einem spektakulären Spiel gegen den Niendorfer TSV zufrieden geben. Die Klauß-Elf drehte einen 0:3-Rückstand, kassierte aber in der Schlussphase den bitteren Ausgleich.

mehr
  • Sparkassen Challenge
    Logomotiv der Sparkassen Challenge 2017

    "Sport frei!" heißt es auch 2017 bei zahlreichen Wettkämpfen der Sparkassen-Challenge. Alle Events mit vielen Fotos finden Sie hier! mehr

  • Gutes von hier

    Das regionale Schaufenster mit Produkten und Dienstleistungen aus dem Leipziger Raum - von traditionell bis innovativ. Gutes von hier eben! mehr

  • Jahrtausendflut 2002

    Entlang von Mulde, Elbe und Pleite brach im August 2002 eine verheerende Flutkatastrophe herein. Die LVZ zeigt eine Bestandsaufnahme. mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr