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Delitzsch Nach Sturm Friederike: Das große Aufräumen in Nordsachsens Wäldern
Region Delitzsch Nach Sturm Friederike: Das große Aufräumen in Nordsachsens Wäldern
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12:14 22.02.2018
Mit einem Forwarder werden die Holzstämme aus den Wäldern – wie hier im Bad Dübener Kirchenforst – herausgebracht und an den Waldwegen zum Abtransport gesammelt. Quelle: Steffen Brost
Nordsachsen

Ausmaß des Schadens ist weit größer als bei den vergangenen Stürmen, zum Beispiel Kyrill im Jahr 2007 und Herwart im vergangenen Oktober“, sagt Saskia Petzold, Sachsenforst-Sprecherin im Forstbezirk Taura. „Allein im Landeswald ist innerhalb eines Tages so viel Holz angefallen, wie wir eigentlich in einem ganzen Jahr ernten. Ich denke, dies verdeutlicht auch für Außenstehende sehr gut, was der Sturm Friederike für uns bedeutet.“ So gehen die Experten allein im Forstbezirk Taura, zu dem in Nordsachsen die Dübener und die Dahlener Heide gehören, nach ersten Schätzungen von mehr als 150 000 Festmetern Schadholz aus. „Mit jedem Tag, den wir tiefer in den Wald vordringen, können von den Revierleitern präzisere Schadenseinschätzungen getroffen und Schadholzmengen benannt werden“, so Saskia Petzold.

Der Schaden an den Bäumen erstrecke sich flächig über alle Wälder des Forstbezirkes. Nur sehr wenige Bereiche sind nicht oder nur wenig betroffen. Aktuell seien alle Mitarbeiter der Forstreviere mit allen verfügbaren Maschinen mit der Beräumung der Waldwege beschäftigt. Wenn die Wege wieder frei und befahrbar sind, soll eine weitere Schadensaufnahme erfolgen und die Aufräumarbeiten in den Beständen können beginnen. Vorrangig werden dann die Waldflächen behandelt, auf denen im Frühjahr junge Bäume gepflanzt werden sollen.

Die Beräumung der Schadhölzer werde wohl bis Ende des Jahres dauern, schätzt Saskia Petzold. Auch eine exakte Schadenshöhe kann derzeit noch nicht beziffert werden. „Ein finanzieller Schaden ist derzeit nicht abzusehen, da die Erlöse für das beräumte Holz nicht vorhersehbar sind. Der Aufwand für die Aufarbeitung des Sturmschadens ist allerdings höher als im normalen Holzeinschlag“, so Petzold weiter.

Waldumbau wird Wälder künftig widerstandsfähiger machen

Aktuell stehe die unfallfreie Beseitigung der Sturmschäden im Vordergrund. Dazu werden alle verfügbaren Waldarbeiter und Forstunternehmen, die in den landeseigenen Wäldern tätig sind, in die Schadflächen umgelenkt. Später schließen sich Planungsarbeiten für die Wiederaufforstung der betroffenen Waldflächen an. Private Waldbesitzer können sich zur Sturmholzaufarbeitung und den Folgearbeiten bei den Revierleitern des Forstbezirkes Taura beraten lassen. „Wir raten allen betroffenen Waldbesitzern, sich bei der Beseitigung der Sturmschäden möglichst Unterstützung und Hilfe bei Forstunternehmen zu holen oder selbst sehr sorgsam vorzugehen, um den enormen Gefährdungen zu begegnen“, rät Petzold.

Schlimm erwischt hat es auch den Bad Dübener Kirchenforst. Revierförster Andreas Schirmer spricht von rund 5000 Festmetern. Das entspricht auch hier der dreifachen Menge eines Jahreseinschlages. Dennoch kann Schirmer etwas Positives aus der Katastrophe gewinnen. „Es ist nicht existenziell, aber trotzdem ein Substanzverlust. Das Positive ist, dass der Waldumbau beschleunigt wird. Der später entstehende Mischwald wird stabiler als die reinen Tannenwälder werden.“ Aktuell wird nördlich von Bad Düben in den Wäldern gearbeitet. Hier sind sogenannte Forwarder und Harvester im Dauereinsatz. Die teilweise vollautomatischen Walderntemaschinen entasten, schneiden auf Länge und transportieren die Stämme an die Waldwege zum Abtransport.

Auch der Bad Dübener Waldfriedhof, der sich mitten im Kirchenforst befindet, ist stark beschädigt worden und derzeit komplett gesperrt. „Über 60 Bäume sind dort umgefallen oder gebrochen. Jetzt liegen sie dort kreuz und quer und haben auch viel Schaden an den Gräbern sowie der Friedhofshalle angerichtet. So lange die Bäume nicht beseitigt sind, bleibt der Friedhof gesperrt“, sagte Christian Melzer vom Gemeindekirchenrat.

Der Verein Dübener Heide will sich in den nächsten Tagen ebenfalls ein genaues Bild über das Ausmaß der Schäden an den Wanderwegen im Naturpark machen. „Wir werden unsere Wander- und Rasthütten kontrollieren und dann gegebenenfalls Reparaturarbeiten auslösen. Wir empfehlen unseren Wanderfreunden aber, die Wälder noch so lange zu meiden, bis der größte Teil der Baumfällarbeiten erfolgt ist, da erfahrungsgemäß im Nachhinein eines Sturmes noch viele Bäume kippen können“, sagte Vereinsvorsitzender Axel Mitzka. Im Augenblick dürfen Nordsachsens Wälder allerdings von Spaziergängern ohnehin nicht betreten werden. Das Landratsamt hat eine entsprechende Verfügung erlassen und droht bei Verstößen mit Geldbußen.

55 000 Bäume im Revier Wartha umgestürzt

Ganz schlimm hat es auch das Revier Wartha bei Pressel erwischt. Revierförster Jan Schmidt rechnet nach ersten Besichtigungen in seinem Revier mit 20 000 Festmetern Schadholz. Das sind rund 55 000 Bäume, die umgefallen sind. „Das ist die dreifache Menge unseres Jahreseinschlages. Derzeit kämpfen wir uns Meter für Meter durch den Wald und haben bis Ende der Woche 20 Kilometer Waldwege wieder befahrbar gemacht. Im Vordergrund steht danach die Vorbereitung der Flächen für die Frühjahrsaufforstung im Revier. Mit den Aufräumarbeiten werden wir dann bis zum Sommer zu tun haben“, schildert Schmidt. Für die Beräumungsarbeiten werden in den nächsten Wochen und Monaten Waldwege für den Abtransport des Schadholzes benötigt.

Die Forstreviere bitten die Bürger, die notwendigen Waldsperrungen zu beachten. Es besteht Lebensgefahr! Durch den Sturm vorgeschädigte Bäume können auch Wochen später ohne Wind noch umstürzen.

Noch nicht alle Schäden aus der Nähe zu sehen

Rechnete man in den drei Sachsenforst-Revieren des Wermsdorfer Waldes nach Sturmtief Herwart noch damit, bis zum Frühjahr alle Schäden beseitigen zu können, muss man nach Friederike neu kalkulieren.

„Der Sturm am vergangenen Donnerstag war viel schlimmer als Herwart“, betonte Mario Erdmann, Leiter des Reviers Collm. Ältere Kollegen und Ruheständler könnten sich an kein schlimmeres Ereignis hier erinnern.

Schätzungen zum Schaden könnten jetzt nur ganz grob sein, denn nicht alles lasse sich derzeit schon aus der Nähe betrachten. Da viele Wege noch gar nicht passierbar seien, könne man das Ausmaß der Schäden in einigen Bereichen nur erahnen „Wir gehen von jeweils 10 000 bis 15 000 Festmetern Schadholz in den drei Revieren des Staatswaldes im Wermsdorfer Wald aus“, erklärt Mario Erdmann. Für den Privatwald gäbe es noch keine Zahlen.

Als Rechenaufgabe ist die Frage, wie lange es dauert, die Sturmschäden aufzuarbeiten, relativ leicht zu beantworten. „Ein Forstunternehmer schafft mit einem Harvester im Dauereinsatz zirka 1000 bis 1500 Festmeter im Monat“, erläutert der Revierleiter.

Wenn man also pro Revier ständig eines dieser Geräte im Einsatz hätte, könnten innerhalb eines Jahres alle von Friederike gefällten und in Mitleidenschaft gezogenen Bäume geschnitten und abtransportiert sein. Die Frage sei jedoch, ob man die entsprechende Anzahl von Forstunternehmen tatsächlich über diesen Zeitraum vertraglich binden könne. Besonders schwer seien die Schäden an den westlichen Waldkanten, rund um den Steinbruch Wermsdorf und auf Kuppen, besonders am Südwesthang des Collms.

Nach Baumarten betrachtet, seien die Nadelhölzer besonders betroffen. „Insbesondere Flachwurzler wie Fichte und Lärche konnten der Windlast nicht stand halten“, analysiert Mario Erdmann. Nicht ganz so schlimm seien die Schäden bei den Kieferbeständen.

Aufforstungsflächen in Mitleidenschaft gezogen

Auch sogenannte Pionierbaumarten, also schnell wachsende Hölzer wie die Birke, mussten in besonders hohem Maße der hohen Windlast Tribut zollen. Besser hätten sich hingegen die Eichenbestände gehalten. „Das lag nicht zuletzt daran, dass sie bei diesem Sturm kein Laub trugen“, erklärt Mario Erdmann den Unterschied zu Herwart.

Die Sturmfolgen gingen über das aufzuarbeitende Holz hinaus. „In meinem Revier gibt es rund 200 jagdliche Einrichtungen. Davon sind wahrscheinlich viele zerstört worden“, schätzt Erdmann ein. Zudem seien viele Aufforstungsflächen in Mitleidenschaft gezogen worden – teils durch herabstürzende Bäume, aber auch, weil der Wind viele Pflanzen ausgehoben hat. Jede Menge Arbeit erwarte die Forstleute bei der Reparatur der Kulturzäune.

Von Steffen Brost

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