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Delitzsch Nach Sturm Friederike – Nordsachsen räumt auf
Region Delitzsch Nach Sturm Friederike – Nordsachsen räumt auf
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14:04 23.04.2018
An der Oberschule Krostitz hat Friederike das Dach stark beschädigt. Dieter Schenk (l.) und Ingbert Gehrmann beräumen die Trümmer und bereiten alles für die Neueindeckung vor. Quelle: Wolfgang Sens
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Nordsachsen

Ein Überblick über die Regionen in Nordsachsen:

Region Bad Düben

Es ist katastrophal, schlimmer als Kyrill – zu dieser Einschätzung kam am Freitag Bad Dübens Bürgermeisterin Astrid Münster, nachdem sie seit dem Morgen in Sachen Schadensaufnahme unterwegs war. Allein auf der Hammermühle und in der Waldsiedlung seien mindestens 150 bebaute Grundstücke, Wohnhäuser und Erholungsgrundstücke mit teils erheblichen Gebäudeschäden betroffen. Der Waldfriedhof ist gesperrt, auch hier liegen rund 60 Bäume am Boden. Weitere 60 bis 70, so sagt, sind es auf den Grundstücken Am Mühlläufer. „Es ist wie eine Schneise, die sich durch das Gebiet gezogen hat.“ Zunächst ging es darum, Wege und Zuwegungen freizuräumen, die Grundstückseigentümer hätten bestimmt noch 14 Tage zu tun, um wieder Ordnung zu schaffen. Münster ist froh, „dass niemandem etwas passiert ist. Ich hoffe, das bleibt auch bei den Aufräumarbeiten so.“

Aufräumarbeiten im Spatenweg in Bad Düben. Quelle: Steffen Brost

Die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren in und um Bad Düben rückten allein am Donnerstag zwischen 15 und 23 Uhr zu 35 Einsätzen aus, am Freitagmorgen ging es innerhalb kurzer Zeit mit den nächsten sechs oder sieben weiter. „Schwerpunkte waren für uns die B 2 in Richtung Tornau und Rotes Haus“, so Sprecher Tobias Volkmann. Wegen der Vielzahl der Einsätze wurden diese nicht mehr über die Leitstelle sondern eine Landfunkstelle koordiniert. Eine der ersten Alarmierungen führte die Kameraden zum Neubaublock Brunnenstraße 18. Dort hatte sich das halbe Dach gelöst und war zu Boden gekracht. Geborgen werden konnte es erst am Freitagmittag, bis dahin hatte die Bau- und Haustechnik mit schweren Paletten heruntergefallene Dach gesichert.

Besonders gewütet hatte Friederike auch in der Waldsiedlung Wellaune. Dort war ein Baum auf eine Gasleitung gefallen. Um an die Einsatzstelle zu kommen, mussten erst fünf am Boden liegende Bäume weggeräumt werden. Verheerend sind die Schäden im Spatenweg im Bad Dübener Ortsteil Hammermühle. Hier waren dutzende Bäume gefallen. Die Mitarbeiter vom Gartenbaubetrieb Daniela Noack hatten alle Hände voll zu tun. Alarmiert wurden auch die Kameraden der Ortsgruppe Eilenburg des Technischen Hilfswerkes. „Seit 17 Uhr waren 20 Helfer in Bad Düben im Einsatz“, so Ortsgruppen-Chef Hans-Jörg Kamprath. Sie halfen mit, auf Lkw gestürzte Bäume bergen. Auch in Sitzenroda gab es was zu tun, dort war ein Baum auf ein Haus gefallen.

Region Eilenburg

André Zimmermann, Leiter der Eilenburger Feuerwehr, sieht das Stadtgebiet noch relativ glimpflich davongekommen, auch wenn insgesamt 34 Einsätze hinter den Kameraden liegen. Sie mussten sich in der Stadt und ihren Ortsteilen vor allem um abgebrochene Bäume und herabgefallen Dachziegel kümmern. Allerdings wurde die Hilfe der Eilenburger in der Nachbargemeinde Doberschütz gebraucht. So wurden sie am Freitagvormittag nach Paschwitz gerufen, wo auf einer Verbindungsstraße umgestürzte Bäume zu beseitigen waren. Bereits in der Nacht zum Freitag war die Eilenburger Wehr im Ort Rote Jahne gefordert, um einen Baum zu beseitigen, der auf ein Wohnhaus zu stürzen drohte.

Region Delitzsch

Im gesamten Stadtgebiet von Delitzsch liefen am Freitag Aufräum- und erste Reparaturarbeiten. Die Mitarbeiter der Servicegesellschaft beräumten öffentliche Flächen und auch Dachdeckerbetriebe hatten alle Hände voll zu tun, denn an vielen Privathäusern waren defekte Dächer zu flicken. In der Gemeinde Krostitz hat das Sturmtief zudem das Dach der Oberschule stark beschädigt. Mehr als ein Drittel des Flachdaches ist betroffen. Deshalb fand am Freitag auch kein Unterricht statt. „Noch am Donnerstag haben wir über die Lehrer, Eltern- und Schülersprecher die Eltern darüber informiert. Das hat gut funktioniert“, berichtete Schulleiterin Katrin Dudek.

In der Mauergasse in Delitzsch wurde ein BMW von einem umstürzenden Baum getroffen.  Quelle: Wolfgang Sens

Wie Bürgermeister Wolfgang Frauendorf (CDU) erklärte, sind zirka fünf Quadratmeter Dachfläche heruntergerissen worden. Einen weiteren Teil hat der Sturm zirka drei bis vier Meter hochgeklappt. „Das Schwierige ist jetzt, Handwerker zu finden, die den Schaden, der erheblich ist, zügig beheben können“, so der Bürgermeister. Er hat es aber geschafft, dass Gerüstbauer und Dachdecker mit Unterstützung des Bauhofes bereits loslegten. Am Nachmittag sollte das Dach zunächst provisorisch abgedeckt werden, damit nicht noch weitere Schäden durch Nässe entstehen. Laut der Schulleiterin findet am Montag dann wieder Unterricht statt. Die direkt unter dem beschädigten Dach befindlichen Fachkabinette können aus Sicherheitsgründen jedoch nicht genutzt werden. „Wir haben aber Ausweichräume geschaffen“, berichtet die Schulleiterin. Weil aber der Internetanschluss der Schule gestört ist, könne kein Informatikunterricht stattfinden.

Trümmer eines Blechdaches vor dem "Reiterstübchen" in Luckowehna. Quelle: Wolfgang Sens

Neben umgestürzten Bäumen und kleineren Schäden an Gebäuden meldet Krostitz noch einen weiteren großen Schaden in der Mutschlenaer Straße. Am ehemaligen Gutshaus ist ein Schonstein eingestürzt und das Dach stark beschädigt. Dort begannen am Freitag bereits erste Reparaturarbeiten.

In Schönwölkau wurden etliche Bäume entwurzelt und viele Dächer beschädigt, berichtet Bürgermeister Volker Tiefensee (CDU) nach einem ersten Check der Lage. Zu den größten Schäden zählen ein heruntergerissenes Scheunendach in Luckowehna, Schäden am Dach von Gut Göritz und der Kirche Mocherwitz sowie ein Dachschaden am Gerätehaus der Feuerwehr in Lindenhayn.

In der Gemeinde Rackwitz seien die Schäden gemessen am Wetterbild relativ glimpflich geblieben, schätzte Bürgermeister Steffen Schwalbe (parteilos) am Freitag ein. Am Donnerstag musste die Feuerwehr dennoch zu 18 Einsätzen ausrücken. Es gab zahlreiche kleinere Schäden an kommunalen und privaten Gebäuden, vor allem an deren Dächern. Der größte Schaden ist im Ortsteil Podelwitz zu verzeichnen, wo von einem Scheunendach eine dort installierte Fotovoltaikanlage vom Sturm heruntergerissen worden ist.

Durch die extremen Auswirkungen des Orkans „Friedericke“ kam es Donnerstag im gesamten Versorgungsnetz der Stadtwerke Delitzsch (SWD) zu Stromausfällen. Verursacht durch den Ausfall einer 110-kV-Leitung des Stromnetzbetreibers (Mitnetz Strom GmbH) kam es gegen 15.18 Uhr zum Stromausfall im gesamten Delitzscher Netz. Durch Umschaltungen konnte die Versorgung gegen 15.45 Uhr wieder hergestellt werden. Bedingt durch den Stromausfall war die Wärmeversorgung in einzelnen Wohnhäusern im Delitzscher Norden beeinträchtigt. Einzelne Fernwärme-Hausanschlussstationen mussten neu eingestellt werden.

Weitere Stromausfälle gab es in Teilbereichen des Niederspannungs-/Freileitungsnetzes der Stadtwerke Delitzsch durch umgestürzte Bäume beziehungsweise Störungen durch starke Sturmeinwirkungen. „In Rödgen hat der Sturm ein Freileitungsseil herausgerissen. In Selben betraf es einen Hausanschluss, der bereits repariert ist, und in Döbernitz lag ein Baum in einer Hausanschluss-Freileitung“, zählt Michael Denef, Technischer Leiter der SWD, auf. Den Schaden im Delitzscher Stromnetz bezeichnet er vergleichsweise gering. Mit nachlassender Windstärke sei mit den Reparaturarbeiten begonnen worden. „Dazu mussten die Leitungen kurzzeitig abgeschaltet werden.“

Den ersten Einsatz hatten die Kameraden der Löbnitzer Wehr bereits gegen 15 Uhr. Auf der Bundesstraße 183a zwischen Reibitz und Wellaune waren mehrere Fahrzeuge von umgestürzten Bäumen eingeschlossen worden. Die Fahrbahn war nicht mehr passierbar. „Wir mussten die Fahrzeuge nach einander freischneiden“, berichtete Gemeindewehrleiter Enrico Häublein. Das tat die Kameraden unter Lebensgefahr, denn die Bäume rechts und links von der Straße brachen wie Streichhölzer. Die Arbeit deswegen einstellen, kam den Feuerwehrleute nicht in den Sinn. Sie wollte den Leuten helfen, sie aus ihrer misslichen Lage befreien. Verletzt wurde bei diesem Einsatz keiner.

Später wurden die Feuerwehrleute in den Ortschaften Löbnitz und Reibitz benötigt. Dort waren Ziegel aus Dächern gerissen worden, auch Bäume stürzten auf Stromleitung. Die Energieversorgung fiel aus. Im Pflegeheim sorgte die Wehr für die Notstromversorgung, auch beim Transport der Bewohner. „Bei Notstrom funktionieren die Aufzüge nicht“, klärte Häublein auf.

Zu insgesamt 14 Einsatzstellen wurden die Kameraden aus Löbnitz (24) und Reibitz (6) gerufen. Die Sausedlitzer Feuerwehr blieb in Reserve.

Unabhängig vom Sturm rückte die Wehr am Freitag gegen 1 Uhr wegen eines vermeintlichen Brandes aus. Gas wurde in der Biogasanlage abgefackelt. Der Feuerschein war einem Anwohner aufgefallen und der alarmierte die Wehr.

Die Wiedemarer Gemeindewehr wurde gegen 16 Uhr alarmiert und rückte im Verlauf des Abends zu sechs Einsätzen aus. In Zwochau, Grebehna, Wiesenena, Zaasch und Zschernitz waren Bäume entwurzelt worden. Zum Teil fielen diese auf die Straße und behinderten dadurch den Straßenverkehr. Sie wurden entfernt. Zum Teil waren diese auch, wie in Zwochau, gegen die Fassaden von Wohnhäusern gekippt.

In Pohritzsch riss der Sturm eine Stromleitung herunter. Die Einsatzstelle wurde von den Kameraden gesichert und das Energieunternehmen entsprechend alarmiert. Zeitweise war auch in Zschernitz der Strom weg. Alle Feuerwehren (Zwochau, Grebehna, Wiedemar, Zschernitz und Zaasch) saßen nach dem Abarbeiten der Einsätze weiter in Bereitschaft in den jeweiligen Gerätehäusern. Die Einsatzleitung wurde durch die Gemeindewehrleitung von Wiedemar aus geführt. Um 19.45 Uhr erklärte der Gemeindewehrleitung die Bereitschaft für beendet und die Kameraden konnten nach Hause gehen.

Region Mügeln

Gegen 18.25 Uhr wurden die freiwilligen Feuerwehren in der Region Mügeln zu einem Einsatz nach Glossen gerufen. In der Leitstelle hatte ein Anrufer einen Brand an einem Strommasten in der Mügelner Landstraße gemeldet. Mehrere Feuerwehren, darunter auch die von Glossen, Mügeln und Ablaß rückten an. Nach dem Ankommen wurde die Situation in Augenschein genommen und der Energieversorger Envia M informiert. Außerdem sicherten die Kameraden der Glossener Feuerwehr die Unglücksstelle, da zu diesem Zeitpunkt die Leitungen am Mast noch unter Strom standen. Einige Zeit später wurde die Stromversorgung in Glossen abgebrochen. Zu diesem Zeitpunkt war bereits die Ortslage Sornzig ohne Strom. Weitere Ortschaften wie Seelitz, Schleben, Berntitz ebenso. Ursache: Freileitungsschäden. Als einer der letzten Orte wurde Glossen am Freitag kurz vor 12 Uhr wieder an das Netz angeschlossen.

Nach Informationen von Mügelns Bürgermeister Johannes Ecke ab es eine ganze Reihe von Sturmschäden durch umgestürzte Bäume im Stadtgebiet, an deren Beseitigung die Feuerwehren am Freitag arbeiteten. Schaden hat auch die Stadt zu beklagen. Der Sturm deckte das Dach der Salzlagerhalle des Bauhofes in Glossen ab. Das Lagergut wurde abgedeckt, um das Eindringen von Nässe zu verhindern.

Region Oschatz

Bei den 36 Sturm-Einsätzen der Oschatzer Feuerwehr am Donnerstag wurde ein Kamerad durch einen unkontrolliert abstürzenden Ast verletzt, teilte am Freitag die Oschatzer Pressesprecherin Anja Seidel mit. „Er ist aber mittlerweile wieder zu Hause. Zum Glück gab es keine weiteren Verletzten.“ Die Rosentalhalle wurde beschädigt, die Lichtkuppel wurde vom Sturm weggerissen, deshalb bleibt die Turnhalle bis zur Reparatur gesperrt. „Die allermeisten Probleme machten Bäume, welche auf Straßen, Häuser und Stromleitungen gestürzt waren. Im Außengelände eines Baumarktes fiel ein Regal auf den Gehweg“, so Seidel weiter.

Henry Stein und Frank Freimuth von der Stadtgärtnerei Oschatz beseitigen die Sturmschäden im Stadtpark Quelle: Kristin Engel

Region Dahlen

In Dahlen fielen unter anderem am Sportplatz Bäume dem Sturm zum Opfer. Auf der Ortsverbindungsstraße zwischen Schmannewitz und Sitzenroda lagen mehrere Bäume quer – zeitweise stauten sich bis zu 50 Autos dort, berichtete Hans-Jürgen Ebert von der Schmannewitzer Wehr. In der Heide fuhren die Kameraden Einsätze zwischen 15.30 Uhr und 23.15 Uhr. „Irgendwann habe ich aufgehört zu zählen, den wievielten Baum wir zersägen“, so Ebert. Die Wehr musste außerdem ausrücken, um zwei in einem Pkw eingeklemmte Personen zu befreien und blieb selbst auch nicht verschont. „Ein Baum fiel auf unser Katastrophenschutz-Fahrzeug und beschädigte es. Wie stark die Schäden sind, ist noch nicht abzusehen.“ Und schließlich wurde auch das Depot der Feuerwehrhistorischen Ausstellung in Schmannewitz in Mitleidenschaft gezogen. „Friederike deckte das Dach ab, das Hoftor ist kaputt, einige Fensterscheiben gingen zu Bruch und ein paar Exponate hat es auch erwischt“, so Ebert. Er übt Kritik an der bereits in den vergangenen Tagen oft gescholtenen zentralen Leitstelle in Leipzig. „Wir waren auf uns allein gestellt. Gemeldet wurden nur Lappalien. Die richtig großen und schlimmen Ereignisse kamen gar nicht bis zu uns durch“, moniert er.

Von LVZ

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