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Närrisches Treiben in Selben und Rackwitz

Närrisches Treiben in Selben und Rackwitz

Sachsen sind jemiedlich, Sachsen sind nicht stur. Vor der Steinzeit bis zum Weltall – uns gibt es überall. Jawohl! Selben-Zschepen Helau! Auf in die Zeitreise des närrischen Volkes in Selben.

Selben/Rackwitz. Der Saal war voll, der Ofen warm. Ab ging die Post. Gleiches war am Sonnabend in Rackwitz angesagt. Der Carneval-Club Selben-Zschepen (CCSZ) brachte im Selbener Gasthof Steinhäußer die Narren auf Touren. Die 24. Saison stand an und Conferenc-Professor Thomas Ruhland straffte die Hosenträger, ließ den Hemdzipfel blitzen, griff sein Playboy-Täschchen und sprach: „Erhebt Euch von den Plätzen, wenn das Kapital in den Raum marschiert.“ Da saßen die Gallier schon lange auf denselben. Asterix (Hans-Jürgen Töpfer) und Obelix (Gerd Schöne) waren mittendrin, während Ober-Landwirtschafts-Gallier Gerhard Schladitz eintretendes fremdes Fußvolk gleich mal mit einem Konfettiregen beglückte. Das Ausland ließ schön grüßen. Denn auch Matrjoschkas schwebten heran. Doch der Herr Professor ließ sich nicht die Butter vom Brot nehmen. Seine Stars waren Elferrat und Prinzen-Paar, ihre Hoheiten Anne und Christoph. Entree! Die Funken wirbelten übers Parkett und zeigten, wo’s langgeht. Die Zeitreise begann mitten in der Weltgeschichte. Country und Lagerfeuer im Indianerland anno 1878 blieben den kleinen Närrinnen und Narren vorbehalten.  

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Selben/Rackwitz. Sachsen sind jemiedlich, Sachsen sind nicht stur. Vor der Steinzeit bis zum Weltall – uns gibt es überall. Jawohl! Selben-Zschepen Helau! Auf in die Zeitreise des närrischen Volkes in Selben. Der Saal war voll, der Ofen warm. Ab ging die Post. Gleiches war am Sonnabend in Rackwitz angesagt.

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  Die Zeitmaschine machte kecke Sprünge. Aber das Motto hieß ja schließlich „Eine Reise ins Glück – wir reisen vor und zurück“. Das Jahr 2115 im flotten Tanz der Teens ward mit 1,2,3 Klasse quittiert. Selben-Zschepen Helau! pfefferte das geschätzte Publikum nicht müde werdend zusätzlich durch den Saal. „Alle Vereinsmitglieder haben eine Aufgabe im Programm“, hatte zuvor Marlies Stupacher erzählt. Und die musste es ja wissen. Die Schatzmeisterin blätterte noch schnell mal die Personalliste mit den 97 Narren-Namen durch – und vergaß nicht auch für die Gäste die Spenden-Box aufzustellen. Derweil wurde der Herr Professor nicht müde, seinen Praktikanten Sven zu loben, der ihn und den Saal ins rechte Licht setzte. Und schon erfasste das Spotlight glatt die Gallier, die mit „wer hat euch denn eigentlich aus dem Dorf gelassen“, begrüßt wurden. Hintergründig fragte der weise Führer durchs Programm das kleine kämpferische Volk auch, wie es denn so mit der Schweinegrippe aussieht? Schnitt: Die Zeitmaschine lief weiter. Die Goldenen Zwanziger mit einem flotten Charleston der Frauengruppe beherrschten den Tanzboden. Da blieb kein Auge trocken, aber ein Pumps liegen. „Wer darf daraus Sekt trinken“, fragte Ruhland in die Runde. Doch die blitzenden Blicke der Herren waren vergebens. Schwupp hatte die Besitzerin den Schuh zurückgeangelt und schon überließen die Damen dem Hüllen fallen lassenden Männerballett die Szene. Der Saal brodelte. Der Baby-Sitter-Song ließ kein Zweifel, was da unter des Mannes intimsten Kleidungsstück steckte. Eine Zugabe der mit Schnuller und Windel geschmückten männlichen Herrlichkeit war unumgänglich. Der Abstecher zum Münchner Oktoberfest, bei dem ausgerechnet die 24. getestete Biersorte schlecht war, mündete in ein weiteres kulturelles Highlight. Mario Heinrich, seines Zeichens auch Chef des CCZS, und Pierre Cichon waren beim Pas de deux nicht zu bremsen. Der sterbende Schwan im weißen Ballettröckchen ließ kein Auge trocken, bevor dann Amadeus seine Zuckerpüppchen tanzen ließ. Dem Can-Can des Männerballetts und dem WC-Sketch „Jeder hilft jedem“ mit Roland Kirsten, Mario Heinrich und Ralf Paxmann folgte die Steinzeit, in der der Mann bei den schönen Höhlenbewohnerinnen noch etwas wert und Jagen und Sammeln seine Lieblingsbeschäftigung waren. Im Sauseschritt ging es am Schluss der zwei Stunden mit 99Luftballons und im Sonderzug nach Pankow durch die 60er- bis 90er-Jahre. Die Mauer fiel. „Heh das geht los, wir feiern die ganze Nacht“, hieß es. In Selben hat fast das ganze Dorf mitgemacht. Gaudi und deftige bayerische Festzeltstimmung herrschte am Sonnabend in der Rackwitzer Sporthalle. Jede Menge Lederhosen, mit mehr oder weniger knackigen Männerpopos ausgefüllt, und ebenso viele Dirndl, die die Blicke unweigerlich aufs Dekolleté zogen, verwandelten das gewöhnliche Aludorf in eine Hochburg des bayerischen Frohsinns. Der Rackwitzer Faschingsclub spulte ein Feuerwerk der Unterhaltung ab und begeisterte mit einem zweistündigen Programm. Anfängliche technische Probleme überspielte der Elferrat mit bierlauniger Geduld und kräftiger Stimme. Sogar Sissy und Franzl haben es sich nicht nehmen lassen, vorbeizuschauen. Kaiserlich residierten sie auf Schloss Zahnstein, oder was hatte der Schwan über der Burg zu bedeuten? Auch diesmal fehlte die japanische Reisegruppe nicht, die mit Fotoapparaten bestückt, alles im Bild festhielt. Und zu sehen gab es einiges. Nicht nur die kaltweißen Waden des Moderators Jürgen Kellner, die er dem Publikum in den vergangenen 33Jahren vorenthielt. Vielleicht wäre es besser gewesen, es dabei zu belassen? An seiner Programmführung gab es hingegen nichts zu bemängeln. Auf der Rackwitzer Wies’n zeigte das bewährte Volkskunstkollektiv – die Rackoties waren erstmals mit drei Darbietungen präsent – wie Alphornbläser den Ton aus dem Rohr bekommen. Und bevor es richtig losging, wurden die Glocken gestimmt. Problembär Bruno lebte auf und Rosemarie Schinkluder erklärte den ganz normalen Bayer, oder wie er wissenschaftlich heißt – simplex Bavaria, einem Querschläger der Evolution. Hingucker im wahrsten Sinne des Worts waren die Tanzdarbietungen der Funkengarde als auch der Aluperlen, nicht zu vergessen, die der Nachwuchsgruppen. Spannung bis in die letzte Muskelfaser war beim akrobatischen Quartett zu spüren. Das Publikum forderte Zugabe. Die fielen allerdings nur als Wiederholung des Gesehenen aus. Lady Gaga brachte schließlich mit Paparazzi das Festzelt an den Rand des Überkochens. Glücklicherweise sorgte die reichlich Mass Bier für Abkühlung. Der Preis lag übrigens wesentlich unter dem auf der Münchner Wies’n.

Lutz Schmidt und Ditmar Wohlgemuth

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