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Naturschutzgebiet Werbeliner See: Experte erklärt, warum das so sein muss

Schützenswerte Vogelarten Naturschutzgebiet Werbeliner See: Experte erklärt, warum das so sein muss

Der Werbeliner See bei Delitzsch soll ein Naturschutzgebiet werden. Warum es so extrem wichtig sei, die dortigen Vogelarten vor jedweder Störung zu schützen, beschreibt ein Mitarbeiter der nordsächsischen Naturschutzbehörde.

Die Kolbenente ist extrem selten. Am Werbeliner See, dem künftigen gleichnamigen Naturschutzgebiet, ist sie noch zu finden.

Quelle: wikipedia

Delitzsch. Sachsen bekommt mit dem Werbeliner See bei Delitzsch bald ein neues Naturschutzgebiet hinzu. Das Verfahren ist bereits angelaufen, die Anhörung läuft. Warum es notwendig sei, das Gebiet unter Schutz zu stellen, versuchte kürzlich Ewald Jansen, Mitarbeiter der nordsächsischen Naturschutzbehörde, Bürgermeistern und Angeordneten betroffener Kommunen wie Delitzsch, Schkeuditz, Rackwitz und Wiedemar aus „naturschutzfachlicher Sicht“ zu erläutern. Es gäbe dort viele wichtige Vogelarten, die es zu schützen gilt und für die jegliches Verschlechterungsverbot herrscht, aber auch ein Verbesserungsgebot angesagt sei.

Seltene Wasservögel

Am Werbeliner See sei eine extrem seltene und zu dem mit 1800 Tieren große Population von Kolbenenten (Lat. Netta rufina) registriert worden, wie sie bundesweit in dieser Stärke nur noch am Bodensee zu finden ist. „Grundsätzlich ist die Kolbenente eine in Mitteleuropa nur selten brütende Art“, betonte Ewald Jansen. Wie einschlägiger Literatur zu entnehmen ist, brüteten in Deutschland im Zeitraum 1998 bis 2002 bis 540 Paare. Brutbeginn ist jeweils im Mai. In dieser Zeit habe dieser Wasservogel besondere Lebensraumansprüche, die keinerlei Störungen unterworfen sein dürfen. Auch der Brachpieper beanspruche besondere Bedingungen, die im Bereich des Werbeliner Sees durchaus gegeben seien. Er bevorzuge vor allem offene Landschaften. „Als Brutvogel haben wir ihn leider nicht mehr registrieren können“, erklärte der Naturschützer. Er sei ein Durchzügler, hieß es. Er sei damit nur während der artspezifischen Zugzeiten oder nur bei kurzen Rasten beobachtete worden, momentan aber nicht beim Brüten. Deshalb müsse unbedingt etwas getan werden.

Durchzügler statt Brüter

Für den Wiedehopf (lt. Upupa epops) gelte das gleiche. Auch er sei nur noch selten regelmäßig im Gebiet zu sehen. Für ihn seien extensiv genutzte landwirtschaftliche Flächen, auch Flächen mit überhaupt spärlicher Vegetation ideal. In Deutschland steht er auf der roten Liste. In Gesamteuropa gilt sein Bestand jedoch als gesichert.

10 von 19 Paaren brüten am See

Als extrem störungsempfindlich erweist sich der Rothalstaucher (lat. Podiceps grisegena). Der Werbeliner See habe für ihn extreme Bedeutung. Zehn Brutpaare wurde dort gezählt. „In ganz Sachsen waren es 2008 zwischen 30 und 50 Paare“, erwähnte Jansen. Im Vergleich zu 1982 nahm die Zahl deutlich ab. Damals waren es noch bis zu 170 Paare in Sachsen. Mittlerweile wäre die Population bei 19 Paaren angekommen: „Davon sind allein zehn hier.“ Das unterstreiche die enorme Bedeutung.

200 Naturschutzgebiete in Sachsen

Der Freistaat hat über 200 Naturschutzgebiete (NSG), die eine Fläche von über 52 000 Hektar einnehmen. Eine Erhebung des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) geht davon aus, dass die Anzahl und die Flächengrößen im Freistaat weiter ansteigen werden. 70 Prozent der NSG-Flächen konzentrieren sich in Nordsachsen, heißt es in einem Dokument des BfN. Zu den Naturschutzgebieten kommen in Sachsen nochmals über 178 Landschaftsschutzgebiete hinzu. Seit 2008 ist die Landkreisverwaltung Nordsachen für den Naturschutz zuständig. Sie ist die Fachbehörde, sie darf NSG und LSG ausweisen und ist auch für deren Betreuung zuständig.

Von Ditmar Wohlgemuth

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