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Nerze sind Sexmuffel – in Delitzsch klappt es trotzdem mit dem Nachwuchs

Artenschutz-Projekt Nerze sind Sexmuffel – in Delitzsch klappt es trotzdem mit dem Nachwuchs

Als nahezu ausgestorben gilt der Europäische Nerz. Die Art zu erhalten ist aber schwierig, da gerade die männlichen Nerze bei den Forschern inzwischen als Sexmuffel gelten. Der Tiergarten Delitzsch ist neben dem Eilenburger eine wichtige Station, um die Räuber wieder anzusiedeln. Hier klappt es noch mit dem Nachwuchs – auf seltsamen Wegen.

Die Art Mustela Iutreola ist in ihrem Bestand stark gefährdet.

Quelle: Wolfgang Sens

DELITZSCH. Wollen sie nicht? Oder können sie nicht? Für Sex-Schlagzeilen in Fachmagazinen und der Populärwissenschaft sorgen aktuell Europäische Nerze. Nicht nur, weil die Art bis auf ein paar Restpopulationen fast als ausgestorben gilt. Der Lebensraum aus Sümpfen und Uferregionen wurde kleiner, die Lust am Pelzmantel größer, der Amerikanische Nerz wurde für die Kürschnerindustrie importiert und verdrängte die Art zusätzlich. Fatalerweise fällt der Europäische Nerz nun auch noch wegen Sexmuffeligkeit auf. Und dem Tiergarten Delitzsch kommt dabei eine besondere Rolle zu.

In Delitzsch kommen nämlich noch Nerze zur Welt, am Lober ist eine Geburten- und Endstation der Reise Schwangerer. Der Tiergarten ist seit 2004 Kooperationspartner des Vereins Euronerz. Fast 30 Einrichtungen gibt es mittlerweile deutschlandweit, die mit dem Ende der 1990er-Jahre gegründeten Verein Euronerz an der Wiederansiedlung der Art arbeiten – auch der Tierpark Eilenburg mischt mit. Um den Bestand der Europäischen Nerze in Deutschland wieder aufzubauen, werden die Tiere noch beim Verein verpaart und die trächtigen Weibchen im Frühjahr leihweise an die zoologischen Einrichtungen abgegeben. Damit hat der Tiergarten hier den Vorteil, sich erstmal nur indirekt mit der Lustlosigkeit der männlichen Tiere befassen zu müssen. Das tut er am besten durch die Grundlage möglichst guter Startbedingungen, denn gerade in Gefangenschaft geborene Rüden gelten als lustlos. Die Trieblosigkeit macht die Arterhaltung umso schwieriger – mal abgesehen davon, dass Nerze eh Einzelgänger sind. Glückt aber der Start, steigt die Wahrscheinlichkeit gesunder Arterhaltung. Daher ist das Nerzgehege hier möglichst naturnah gestaltet, die Tiere haben vor allem Rückzugsmöglichkeiten und sie dürfen nicht zu abhängig gemacht werden vom Menschen, damit sie in freier Wildbahn zurechtkommen.

Großes Ziel, kleiner Makel

Der kleine Preis, den der Tiergarten dafür zahlt: er zeigt ein Tier fast ohne Schauwert, an dem ein Zoo nun einmal auch gemessen wird. Der Besucher schaut oft nur auf Grün und kein Tier. Nerze sind scheu und nachtaktiv, zeigen sich den Besuchern kaum und nicht sonderlich gerne. „Wir wollen mit unserer Beteiligung den Gästen vor allem den Artenschutz vermitteln, auch das ist Sinn eines Tiergartens“, betont Leiterin Julia Gottschlich. Die Zoologin selbst hat sich in ihrer Abschlussarbeit mit Paarbildungsverhalten von Tieren beschäftigt, konkret mit der Vogelart Mönchsgeier. Ob nun Mönchsgeier oder Nerz, Tiere sind auch nur Menschen, weiß Julia Gottschlich: „Manchmal stimmt die Chemie und manchmal stimmt sie eben nicht, dann wird es nichts mit der Verpaarung, selbst wenn Tiere in einem Gehege hocken!“ Zur Fortpflanzung kann man nicht zwingen.

Das Projekt Arterhaltung kann übrigens auch missglücken, selbst wenn einem ein trächtiges Weibchen geliefert wird. Während der Tiergarten Delitzsch 2014 vier Jungtiere verzeichnen konnte, waren es im vergangenen Jahr gar keine. Fehl- und Totgeburten kann es geben. Damit geht der Plan mit Euronerz dann nicht auf: Im Herbst jedes Jahres wird die Nerzfamilie im Austausch gegen ein Männchen wieder abgeholt und die Jungtiere je nach Wesen ausgewildert. Wiederansiedlung findet aktuell im Saarland und am Steinhuder Meer in Niedersachsen statt. Gut ein Dutzende Delitzscher Nerze sind bereits in die freie Wildbahn entlassen worden. Wiederum ein gutes Dutzend wurde für die Zucht einbehalten. Und dieses Jahr gibt es wieder Hoffnung – ein Jungtier hat vor Kurzem das Licht der Welt erblickt.

Von Christine Jacob

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DELITZSCH, Rosental 60
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